Gabor Sneaker Pop-up-Store in Berlin

Experiment

Petra Salewski
Petra Salewski

Schuhhandel ist herausfordernder denn je. Und langfristige Commitments können riskant, bisweilen gar gefährlich sein – für alle Beteiligten. Kurzfristige Kooperationen hingegen sind spannend und lehrreich.

Die Rosenthaler Straße in Berlin gehört zu den schönsten, spannendsten und innovativsten Shopping-Destinationen der Republik. Hier, mitten in Mitte, reihen sich kleine, feine Lädchen, Dependencen internationaler Brands und avantgardistische Boutiquen aneinander wie die Perlen an einer Kette. Die Rosenthaler Straße ist ein Touristen-Magnet, ein ’Must-See‘, und sie unterliegt einem immerwährenden Wandel. Denn hier, im pulsierenden Modeherz der Hauptstadt, ist es so spannend wie fast nirgends sonst, Neues auszuprobieren. Und so wird der shoppingbegeisterte Berliner dieser Tage beim Flanieren vor Hausnummer 43 wahrscheinlich überrascht stehen bleiben. Denn das Ladenlokal beherbergt seit dem 3. März Sneaker aus Rosenheim. Hier hat Gabor in Kooperation mit dem Berliner Filialisten Aktiv Schuh etwas wahrlich Neues gewagt: einen Pop-up-Store, der ausschließlich sportive Schuhe der Marken Gabor, Gabor Comfort, Rollingsoft und Gabor Sport präsentiert.

Nun ist Gabor nicht die Marke, die man als erstes im Kopf hat, wenn man an Sneaker denkt. Und die Rosenthaler Straße ist nicht der Ort, an dem man den solitären Auftritt eines klassischen Damenschuh-Fabrikanten vermutet. Aber gerade deshalb ist das Experiment, das die Händlerfamilie Leinweber dort jetzt gemeinsam mit Gabor wagt, so spannend und wegweisend. Beide Akteure werden hier Erfahrungen sammeln. Das können, wie beiden klar ist, auch negative sein. Aber nach dem Motto ’Wer nicht wagt, der nicht gewinnt‘ werden sowohl Händler als auch Hersteller in wenigen Monaten schon um wichtige Erkenntnisse klüger sein. Und das ist gut so.

Neue Pfade

Praktisch im Wochentakt wird in unserer Branche darüber diskutiert, dass neue Pfade ausprobiert werden sollten und dass herausfordernde Zeiten kreative Lösungen brauchen. An der Rosenthaler Straße ist eindrucksvoll zu sehen, wie solch ein neuer Pfad aussehen könnte.

Das Szenario in Mitte ist optimal, der Aufwand überschaubar, das Risiko kalkulierbar: Bis Ende September wird der befristete Monomarkenstore laufen. Danach werden die kreativen Köpfe von Aktiv Schuh – davon ist auszugehen – eine neue spannende Idee für den Standort  präsentieren. Zuvor aber wird sich zeigen, ob Sneaker aus Rosenheim auch solitär funktionieren, ob das Konzept verstanden und angenommen wird – und letztlich auch, ob es multiplizierbar ist. Mindestens einen weiteren Test seines Sneaker-Konzepts will Gabor noch in einem Center durchführen und wird sicherlich auch dort wichtige Impulse erhalten.

Schuhhandel ist herausfordernder denn je. Und langfristige Commitments können riskant, bisweilen gar gefährlich sein – für alle Beteiligten. Kurzfristige Kooperationen hingegen sind spannend und lehrreich. Ein gutes halbes Jahr lang werden Gabor und Aktiv Schuh nun den Sneaker-Auftritt ausprobieren. Und die Branche wird interessiert zuschauen.

Petra Salewski / 07.03.2017 - 07:25 Uhr

Petra Salewski / 07.03.2017 - 07:25 Uhr

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