Die Zukunft der Messen

Fertig

Petra Salewski
Petra Salewski

Wenn alles schneller wird, unsere Branche sich massiv neu strukturiert, ist es dann denkbar, dass wir weiterhin von Messe zu Messe pilgern und von Vorlagetermin zu Vorlagetermin, um Wäscheklammern an Schuhe zu heften?

Der Vertriebsmitarbeiter sank erschöpft auf den Stuhl. Intensive Wochen lagen hinter ihm – tausende Kilometer war er gefahren, um Händler zu besuchen, denen er die neue Kollektion vorgelegt hatte. 15 bis 20 Termine in einer Woche. Jetzt sei er „durch“, sagte er. Und urlaubsreif. So läuft das Business in dieser Branche. Saison für Saison.

Den Auftakt bilden die Messen und Ordertermine, auf denen Händler sich erste Eindrücke verschaffen und Aufträge platzieren. Ein Marathon für alle Beteiligten, auf der Suche nach den besten Zutaten für das Sortiment der kommenden Saison, inspirierend und erschöpfend zugleich. Und nach den Messen kommt die Reisezeit. Die Branche ist auf der Piste, bis irgendwann die Orderzeit endet und alle fertig sind. Im wörtlichen Sinne. So war das irgendwie immer. Trotz gelegentlich aufkommender Zweifel an der Effizienz dieses Procederes. Aber: Wird es so auch in Zukunft bleiben? Oder steht das Einkaufs-Business, wie wir es bislang kennen, vor dem Umbruch?

Wenn alles schneller wird, unsere Branche sich massiv neu strukturiert, wenn wir die Phase der Modellentwicklung auf wenige Tage, gar Stunden reduzieren können und sich Prozesse insgesamt deutlich beschleunigen, ist es dann denkbar, dass wir weiterhin von Messe zu Messe pilgern und von Vorlagetermin zu Vorlagetermin, um Wäscheklammern an Schuhe zu heften?  

Vergangene Woche war ich in den USA, um mir verschiedene Medienunternehmen anzusehen und von ihnen zu lernen. Sie alle – große, renommierte Verlagshäuser und kleine, flexible Start-ups – befassen sich derzeit unter anderem mit Virtual Reality und testen die Technologie. Täuschend echt kann man im Selbstversuch via VR durch das Taj Mahal wandern, durch Städte, durch neu geplante (und noch nicht gebaute) Häuser. Ebenso wäre es möglich, durch einen virtuellen Showroom zu wandern und sich einen zumindest ersten Eindruck von einer neuen Kollektion, ihren Einzelteilen, Farben und Mustern zu machen.

Einer meiner Ansprechpartner in den USA, den ich zu diesem Thema befragte, erklärte mir: „Ja, die Technologie ist für diesen Ansatz phantastisch. Wir hatten auch erste Gespräche mit Modeanbietern. Aber sie meinen alle, man müsse die Ware anfassen und fühlen.“ Das ist einerseits richtig. Die Seidenbluse, die eng anliegende Hose, die zarte Sandale, den Pumps muss man im Hinblick auf Passform und Material prüfen, bevor man eine Order platziert. Darin drückt sich die Kompetenz eines Händlers aus, der es versteht, sein Sortiment aus den besten Produkten zusammenzustellen. Andererseits ist die Ablehnung neuer Technologien, die Zeit und Aufwand minimieren könnten, wohl auch einem gewissen Verharren nach dem Motto ’das haben wir immer so gemacht‘ geschuldet. Mit allen dazu gehörenden Konsequenzen – siehe Erschöpfung.

Auch im Messebusiness ist es jedoch unverzichtbar, ’neu‘ zu denken. Erste Ansätze gibt es bereits. VR könnte neue Perspektiven aufzeigen.

Petra Salewski / 17.05.2017 - 08:20 Uhr

Petra Salewski / 17.05.2017 - 08:20 Uhr

Um das komplette Angebot von schuhkurier nutzen zu können, müssen Sie eingeloggt sein.


schuhkurier Login
schuhkurier Zugangsdaten jetzt anfordern!
schuhkurier Abonnements jetzt bestellen!


I love shoes

Trendpreview: Berliner Fashion Week

Es waren drei aufregende Tage in der bunten Hauptstadt. Insgesamt zehn Modemessen mit unterschiedlichen Schwerpunkten erhitzten die Fashion-Gemüter vom 4. bis zum 6. Juli in Berlin.


Joe n Joyce verstärkt Vertrieb im norddeutschen Raum

Franco di Carlo ist bereits seit Mai 2017 als freier Handelsvertreter für den Schuhhersteller Joe N Joyce auf Reisen. Er hat den Vertrieb in Norddeutschland übernommen.


EU-Kommission

Zoll stellt 41 Mio. gefälschte Waren im Wert von 670 Mio. Euro sicher

Die europäischen Zollbehörden haben im Jahr 2016 mehr als 41 Millionen gefälschte und nachgeahmte Waren an den Außengrenzen der Europäischen Union beschlagnahmt. Der Gesamtwert beläuft sich auf über 670 Mio. Euro, teilt die Europäische Kommission in Brüssel mit.


Aus- und Weiterbildung im Handel

HDE: Einzelhandel setzt auf Weiterbildung

Der Handelsverband Deutschland begrüßt die Weiterbildungsmaßnahmen für die Beschäftigten vieler Einzelhandelsunternehmen. Gleichwohl sieht der HDE die Forderungen nach Chancenkonten oder einem Rechtsanspruch auf Weiterbildung kritisch.


Schuhmarke aus den USA

Skechers knackt erneut die Milliarde

Der Umsatz der Schuhmarke Skechers lag im zweiten Quartal erneut über 1 Mrd. Dollar. Zugleich ging jedoch der Gewinn zurück.