Vernetzung in der Schuhbranche

Kooperationskraft

Petra Salewski
Petra Salewski

Zuviel wird doppelt und dreifach entwickelt und vorangetrieben. Und längst nicht alles ist miteinander kompatibel. Das kostet Zeit, Geld und Nerven.

Wer nicht kooperiert, krepiert. So simpel und eingängig lässt sich die offenkundige Notwendigkeit, nicht immer alles allein durchzuboxen, auf den Punkt bringen. Das gilt heute mehr denn je. Jörg Frommann, Geschäftsführer des Software- Anbieters Etos, forderte anlässlich der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen seines Unternehmens „Kooperation statt Konfrontation“. Man habe in den letzten Jahren zunehmend die Erfahrung gemacht, dass gemeinsame Anstrengungen eher zum Ziel führen als solitäre Aktionen, so der Branchenkenner. In diesem Sinne hatte Etos zahlreiche Kooperationspartner zu einer Hausmesse eingeladen, auf der interessierte Händler sich über neueste technologische Entwicklungen informieren konnten. Der Ansatz ist gut und wurde von den Gästen intensiv genutzt. Wann findet man schon so viel technologische Kompetenz unter einem Dach – in den altehrwürdigen Hallen auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen.

Im übrigen war die Location für die Veranstaltung gut gewählt: Kaum ein anderer Ort symbolisiert so eindrucksvoll die Strukturveränderung einer ganzen Region. Gestern Kohlenschacht. Heute Weltkulturerbe. Um die Kluft zwischen Vergangenheit und Zukunft zu überwinden, waren auch hier gemeinsame Anstrengungen nötig. Der Wandel, wie ihn das Ruhrgebiet vollzogen hat, ist in diesem Sinne durchaus vergleichbar mit dem Prozess, in dem sich unsere Branche befindet. Auch sie verändert ihr Gesicht vollkommen und wird in wenigen Jahren nicht mehr das sein, was wir Jahre, ja, Jahrzehnte kannten. Umso wichtiger ist es, hier und jetzt alles zu unternehmen, um möglichst viel Kraft zu bündeln und die Metamorphose des Schuhbusiness mutig voranzutreiben. Seit Jahren wird angesichts dessen dazu aufgerufen, sich zu vernetzen und von den Fähigkeiten und Möglichkeiten anderer zu profitieren. Sich nicht hinter seinen Mauern zu verschanzen, um die eigene kleine Welt zu schützen, sondern vielmehr zu eruieren, wo Know-how getauscht werden und dadurch wachsen kann. Man sollte meinen, dass der Wunsch nach ’Kooperation statt Konfrontation‘ inzwischen eher Langeweile hervorruft – weil er längst in die Tat umgesetzt wird.

Aber: Es fehlt noch immer an Umsetzungskraft. Zu viel – gerade auch im Technologiebereich – wird doppelt und dreifach entwickelt und vorangetrieben. Das stellt Händler immer wieder vor die Herausforderung, unterschiedliche Systeme miteinander zu verknüpfen. Längst nicht alles ist kompatibel. Das kostet Zeit, Geld und Nerven. Und das können wir uns nicht leisten. Dieselbe Idee vier Mal, um dann doch nur eine auswählen zu können? Nein! Der Mut zu gemeinsamen Ideen muss noch stärker werden. Und mit ’Kooperation statt Konfrontation‘ muss heute begonnen werden. Nicht morgen.

Petra Salewski / 14.11.2017 - 09:22 Uhr

Petra Salewski / 14.11.2017 - 09:22 Uhr

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