Die Situation im Schuhhandel

Kühler Kopf

Petra Salewski
Petra Salewski

Das Wetter ist weiterhin Gratmesser unseres Business. Ein sensationeller Monat lässt schnell die insgesamt herausfordernde Situation vergessen.

Am 30. September war die Welt noch in Ordnung. Der Monat war mit herausragenden Umsatzzahlen in die jüngere Geschichte des deutschen Schuheinzelhandels eingegangen. Nach dem katastrophalen Vorjahresmonat und einem bis dahin eher mauen Jahresverlauf 2017 konnten die Händler aufatmen – es brummte mal so richtig. Hier und da gab es auch mahnende Stimmen, die allerdings weitgehend ungehört dazu rieten, nicht nur das Vorjahr zum Vergleich heranzuziehen. Und sich vor allem nicht zu früh zu freuen; das Jahr sei schließlich noch nicht vorbei. Die kalte – nein, eiskalte Dusche – folgte auf dem Fuße. Der Oktober bescherte den Händlern unterm Strich enttäuschende -16%, wobei nicht selten sogar -25% zu Buche standen. Angesichts von Temperaturen deutlich über 20 Grad gefror manches Lächeln, während das aufgelaufene Plus dahinschmolz.

Das Wetter ist also weiterhin der Gratmesser unseres Business. Ein sensationeller Monat lässt schnell die insgesamt herausfordernde Situation vergessen. Und umgekehrt bringt eine ungewöhnlich warme oder kalte Woche vielfach gleich den Absturz. Himmelhoch jauchzend. Zu Tode betrübt. Emotionen, die können wir. Die Zeiten, in denen man weitgehend verlässlich mit gewissen (positiven) Entwicklungen rechnen konnte, gehören längst der Vergangenheit an.

Die solide Basis, auf der frühere Händler- Generationen planten und dann auch mal ein, zwei schwache Monate oder sogar eine mäßige Saison mühelos verkraften konnten, ist zu einer hauchdünnen, teils porösen Schicht erodiert, die bei kleinsten Erschütterungen nachgibt. Nicht nur, dass der finanzielle Spielraum eingeschränkt, das Polster zusammengeschrumpft ist. Auch der Verbraucher ist nicht mehr kalkulierbar. Wenn es vor zehn Jahren im Oktober noch eine Hitzeperiode gab, haben die Kunden trotzdem ihre Winterschuhe beim Händler ihres Vertrauens gekauft. Sonst wären sie nämlich weg gewesen. Inzwischen hat der Kunde alle Zeit der Welt und unendlich viele Alternativen. Er kann heute im stationären Handel ein gewünschtes Produkt kaufen. Oder auch erst morgen oder nächste Woche, bei einem anderen Unternehmen oder im Internet. Und womöglich auch noch zu einem anderen – vielleicht sogar noch viel besseren – Preis.

Wenn alles kann, aber nichts muss, wird auch Handel beinahe zum Glücksspiel. Von den zahlreichen Herausforderungen, mit denen unser Business zu kämpfen hat, ist die Unsicherheit, die Unplanbarkeit wahrscheinlich die größte. Heute alles super – morgen schon alles furchtbar. Und auf wenig bis gar nichts ist wirklich Verlass. Dennoch ist der kühle Kopf das einzig probate Mittel. In Zeiten der Veränderung mehr denn je.

Petra Salewski / 08.11.2017 - 09:23 Uhr

Petra Salewski / 08.11.2017 - 09:23 Uhr

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