Generalversammlungen der ANWR und Sabu

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Petra Salewski
Petra Salewski

In unserem Markt gibt es noch zu viele Insellösungen. Zu viel Angst vor Konkurrenz.

Dass die Aufgabe von Verbundgruppen in unserer Branche längst weit über die Bündelung von Einkaufsvolumina hinaus geht, konnte man eindrucksvoll während der Generalversammlungen in Hamburg (Sabu) und München (ANWR) verfolgen. Das Wort ’Warenprogramme‘ fiel, wenn überhaupt, nur ein, zwei Mal. Unternehmer ganz unterschiedlicher Natur und mehrerer Generationen fanden sich zusammen, um mehr über künftige Projekte und Ziele zu erfahren. Und die gab es reichlich.

Vor den Sabu-Händlern sprach der Grandseigneur des Schuhhandels, Ludwig Görtz, und lieferte eine messerscharfe Analyse der Branche, in der er auch über die Rolle von Künstlicher Intelligenz im Schuhhandel referierte. Ihm folgte E-Commerce-Experte Marcus Diekmann, der gemeinsam mit Sabu-Geschäftsführer Stephan Krug mit Verve für das neue Sabu-Portal warb, auf dem möglichst Händler sichtbar sein sollen und das eine Verknüpfung zum stationären Geschäft ermöglicht.

In München präsentierte der Vorstand der ANWR unter anderem eine neue Messetaktung für Mainhausen, die 2018 greifen soll. Außerdem gab es weitere Details zur Kooperation mit Zalando, über die man mehr Traffic auf schuhe.de erwartet – und mehr Umsatz für die teilnehmenden Händler. Vor drei Jahren noch wäre eine solche Partnerschaft unaussprechlich, ja, undenkbar gewesen. Unmissverständlich betonte der Vorstandsvorsitzende Günter Althaus, dass Einzelhandel ohne Daten keine Zukunft haben wird. Und er ging sogar noch einen Schritt weiter und knüpfte seine berufliche Perspektive an „die Qualität der Zusammenarbeit“ mit den ANWRUnternehmen in den nächsten zwei Jahren.

In München fiel mehrfach der Begriff der Sharing Economy. Das gemeinsame Nutzen von Ressourcen, das Teilen von Informationen. Und in diesem Zusammenhang wurde die Notwendigkeit betont, auch mit dem Gegner zu kooperieren, um voranzukommen. Das ist die Abkehr vom Denken in Elfenbeintürmen, vom ’wir gegen die‘. Es ist der Anfang horizontaler Netzwerke, die solitäre vertikale Strukturen in der Branche ablösen können.

In dieser Phase wird sich die Zukunft unserer Branche entscheiden. Und es ist wichtig, möglichst weit zu denken. Über den eigenen Horizont hinaus. In unserem Markt gibt es noch zu viele Insellösungen. Zu viel Angst vor Konkurrenz. Wir werden noch mehr Kooperationen brauchen. Noch mehr Denken in horizontalen Netzwerken, noch mehr Auflösen von gefühlten Grenzen. Zwischen Industrie und Handel. Zwischen Händlern. Auch zwischen Verbundgruppen. Gemeinsame Messen, gemeinsame Plattformen, gemeinsame Tools für alle Händler. Die Zukunft ist jetzt, hieß es in Hamburg und München. Und sie gehört denen, die schnell und mutig sind.

Petra Salewski / 28.06.2017 - 09:14 Uhr

Petra Salewski / 28.06.2017 - 09:14 Uhr

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