Der Mule: Ein romantisches Must-have?

Pro & Contra: Mules

Es geht weiter mit unserer neuen Pro & Contra-Serie zu den aktuellen Schuhtrends. Heute im Fokus: Der Mule. Die einen sehen in dem Schuh ein lässiges wie feminines Evergreen, die anderen einen halbfertigen Don‘t-Schuh.

Der Mule. Der aktuelle Alleskönner in der Schuhmode. Neuester Clou in der Saison S/S 2018 ist der Sneaker-Mule, der den beliebten Sportschuhen einen sommerlichen Charakterzug verpassen soll. Redakteurin Kristina ist Fan der neuen Mules, Volontärin Sarah würde sie eher nicht in den Schuhschrank einziehen lassen.

 

Pro Mules!

 

Gucci, Mansur Gavriel, Acne oder Philip Lim – kaum ein Label, das sich derzeit nicht mit DEM Schuh des Sommers auseinandersetzt und ein Hype-Modell nach dem anderen auf den Markt bringt. Die Rede ist von Mules, den großen Multitalenten unter den Schuhmodellen. Einerseits kommen die angesagten Slipper mit der offenen Ferse in einer schier endlosen Bandbreite an Variationen daher – spitz, rund, flach, hoch, geschmückt, schlicht, matt, glatt – und dürften damit wirklich jeden Geschmacksnerv treffen. Andererseits sind sie die genau richtige Mischung aus ’luftig‘ und ’angezogen‘ und passen damit hervorragend zum deutschen Wetter, das ja bekanntlich auch im Sommer nicht immer ganz hält was es verspricht und gerne mal etwas unterkühlt daher kommt. Mules lassen sich noch dazu mit lässigen Jeans und romantischen Kleidern, mit kurzen Röcken und langen Overalls, mit hoch gekrempeltem Shorts und weiten Culottes kombinieren. Kurz: Mules sind Allrounder, die jeden Schuh-Fan ein modisches Rundum-Sorglos-Paket an die Hand bzw. an den Fuß geben. Ich jedenfalls bin froh, in dieser Saison immer wieder ratzfatz in meine neuen Mules schlüpfen zu können. Schließlich kommen sie sogar ganz ohne Schnürsenkel, Schnallen oder andere lästigen Verschlüsse daher – wir haben doch alle keine Zeit für so etwas (Ironie-Modus an).

 

Contra Mules!

 

Lange konnte man die Augen vor dem Grauen der Schuhmode verschließen, doch spätestens seitdem die hippsten Fashion-Influencer nicht mehr mit schreckverzerrten Gesichtern vor ihnen zurückweichen, hat man keine richtige Wahl mehr. Sie sind zurück, ob gewollt oder nicht. Die Rede ist von Mules, die mit unkomfortablen offenen Hacken, Peeptoes und – wenn sich der jeweilige Designer in einer tieferen Phase der Zerstörungswut befand – einem spärlichen Pfennigabsatz über die Gehwege krachen. Gekracht hat es auch bei mir, als ich bestürzt feststellen musste, dass sogar eine meiner liebsten Modeikonen Alexa Chung mit hölzernen Ungetümen an den Füßen das Haus verlassen hatte und damit auch noch vor die Linse eines neugierigen Paparazzo geriet. Mit diesen Schuhen ein sicher unfreiwilliges Ereignis – aber das sei dahingestellt. Für mich haben Mules etwas Halbgares, als hätte der jeweilige Schuhmacher vor der Herausforderung aus diesem abstrakten Modell noch etwas Schönes zu machen, kapituliert. Ich zitiere die rein fiktive, frustrierte Aussage meines inneren Mode-Designers: „Hier kann man nichts mehr retten – ich bin raus“. Außerdem drängt sich mir bei so manch einem Fashion-Fehltritt in Sachen Mule die unweigerliche Assoziation zu Peggy Bundy auf. Dabei habe ich das Bild vor Augen, wie der (in meinen Augen) personifizierte schlechte Geschmack qualmend am Küchentresen sitzt, mit schriller Stimme nach Mister Bundy schreit und dabei den Mule am Fuß wippen lässt. War die Lady mit der roten Sturmfrisur und der ewig brennenden Zigarette eine nachahmungswürdige Stilikone? Wollen wir wirklich in ihre Mule-besetzten Fußstapfen treten?
Ich lehne dankend ab. Ohne Ferse – Ohne mich.

Kristina Schulze & Sarah Amadio / 18.09.2017 - 12:46 Uhr

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