Dirty Shoes!

Schmuddel-Schuhe im Trend

Auf alt getrimmte Schuhe. Ein fragwürdiger Trend. (Foto: Unsplash)
Auf alt getrimmte Schuhe. Ein fragwürdiger Trend. (Foto: Unsplash)

Vor kurzem sorgten noch die bulligen Dad-Sneakers mit verwaschenen Farben für Gesprächsstoff. Jetzt scheint der nächste obskure Trend die Runde zu machen: Schmuddel-Schuhe, im extrem überspitzten Used-Look. Jüngstes Beispiel: Die Tape-Sneakers von Golden Goose.

Taylor Swift, Selena Gomez, Bella Hadid und Co.: Stars und Sternchen präsentieren sich derzeit in Schuhen, die so aussehen, als hätten sie ihre guten Zeiten längst hinter sich gelassen. Sneakers haben in Sachen ’Dirty-Trend‘ die Nase vorn: Weiße Leder-Upper wirken dank aufgesprühter Staubschicht verdreckt, Außensohlen präsentieren sich nicht mehr in strahlendem Weiß, sondern in Eierschalen-Gelb.

Von Sneaker-Brand bis Derby-Schuh

Ein Label, das schon vor dem aktuellen Hype auf starke Used-Looks setze, ist beispielsweise die italienische Streetwear-Marke P448. Die Sneakers der Brand kombinieren hochwertige Materialien mit gebraucht wirkendem Finish, verwaschenen Details und Abnutzungseffekten. Designer-Label Gucci hat den verdreckten Stil ebenfalls für sich entdeckt. Die beige-grauen Dad-Sneakers ’Rhyton‘ werden Online zu einem Preis von 690 Euro gehandelt.

Und auch das italienische It-Label Golden Goose steht aktuell wieder im Fokus: Schon im Jahr 2016 brachte das Label einen Distressed-Sneaker auf den Markt, der von dem Begriff ’geschmacklos‘ begleitet wurde. Mittlerweile hat sich der stark abgewetzte Look der Schuhe als Marken-Identität etabliert.

Neuester Clou, der jedoch wieder für Kritik sorgt: Sneakers, die mit Klebeband auf der Front versehen wurden. Es wirkt so, als müsste der Schuh mit dem Tape vorm Auseinanderfallen bewahrt werden. Das verrückte ist der Preis, denn die Schuhe kosten um die 500 Euro.

Derzeit kursieren außerdem noch extremer designte Dad-Sneakers, bei denen sogar verlaufene Klebstoff-Klumpen und zerrissene Schnürsenkel für den Schmuddel-Look sorgen. Das fragwürdige Exemplar kostet um die 1000 Euro. In einem Videobeitrag vom Handelsblatt wird eine erzürnte Internet-Community zitiert: Diese Schuhe seien eine ’zynische Armutsverherrlichung‘ und ’die Spitze des Kapitalismus‘.

Nicht nur Sneakers sind von dem Look betroffen: Comme des Garcons bringt strategisch platzierte Abnutzungseffekte, Schmutzsprenkel und Farbklekse auf klassische Derby-Schuhe im Oxford-Stil.

Schmuddel-Schuhe: Kritik als Ansporn

Aller Kritik zum Trotz: Gekauft werden die teuren Schmuddel-Treter wohl dennoch, denn gerade der Streit um den extremen Used-Look macht die Sneaker für Liebhaber interessant.

Außerdem hat sich der Hype um die abgenutzt wirkenden Schuhe, die aber eigentlich nagelneu sind, schon lange angekündigt: Verwackelte Kritzeleien auf Schuhen waren beispielsweise im Sommer ein großer Trend, dann die Ablöse durch die Used-Sneakers mit Ballon-Sohlen und in Farben, die extrem verwaschen wirken. Jetzt gesellen sich Luxus-Schuhe der oberen Preiskategorie hinzu, die aussehen, als hätten sie ihre Lebensdauer bereits überschritten.

Ein Erklärungsversuch des schwer nachvollziehbaren Trends: Die Schuhe können als Gegenentwurf zu den Sammler-Sneakern verstanden werden, die ausschließlich im Regal anzutreffen sind. Vielleicht geht es auch um Individualität in einer sonst so glatt gebügelt wirkenden Gesellschaft – Nieder mit der Perfektion.
Es stellt sich allerdings bei den Schmuddel-Sneakern eine Frage: Werden die absichtlich dreckig gemachten Schuhe zu den neuen Destroyed-Jeans? Den Trend haben schließlich auch viele nicht verstanden, bis er sich etablierte und ’normal‘ wurde. Manch eine Großmutter schüttelt noch heute missbilligend den Kopf, wenn die Enkelkinder mit kaputten Hosen das Haus verlassen wollen.

Heute werden außerdem sogar Strickpullover mit Löchern gekauft, weil es einfach lässiger wirken soll und nicht unbedingt als ’Feier der Armut‘ verstanden wird. Vielmehr ist es für viele Mode-Liebhaber ein Statement für mehr Lässigkeit, für so etwas wie jugendliche Coolness.

Wer bei dem aktuellen Sneaker-Trend mitmachen will kann seine Schuhe allerdings auch einfach anziehen und auf Reinigungsmittel verzichten. Selbst zum Edding zu greifen könnte außerdem die kostensparende Lösung für den Kritzel-Trend sein.

Sarah Amadio / 15.10.2018 - 11:00 Uhr

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