Kommentar von Petra Steinke

Schuhhandel: Unternehmens-Spirit

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Händler brauchen ein starkes Team, in dem Fairness und Miteinander gepflegt werden. Das spürt auch der Verbraucher, wenn ihm vom Verkaufspersonal echte Zuwendung entgegengebracht wird.

„Werden Sie Teil unseres Teams!“, „Wir suchen Verstärkung!“, „Haben Sie Lust auf eine neue Herausforderung? Sprechen Sie uns an!“ Quer durch die Republik werben Handelsunternehmen um Mitarbeiter. Die Gesuche finden sich auf allen gängigen Online-Plattformen, in Tageszeitungen und lokalen Anzeigenblättern – und, mit der oben erwähnten Ansprache, an den Schaufenstern diverser Geschäfte mit ganz unterschiedlichen Sortimenten. Die Botschaft ist eindeutig und erschreckend: Es fehlt im Handel an Mitarbeitern. An Menschen, die gern mit Menschen arbeiten. Für die im Handel übliche Arbeitszeiten kein Handicap darstellen. Und die – ganz besonders im Schuhhandel – Freude daran haben, Kunden zu beraten, Kartons aus Regalen zu ziehen, Schuhe zur Anprobe zu reichen, die Passform zu prüfen und immer wieder ins Lager zu laufen.

 

Sehr häufig beklagen Schuhhändler im Gespräch mit unserer Redaktion, dass es zunehmend schwieriger wird, engagierte Mitarbeiter zu finden. Junge Menschen kommen zwar noch zur Vertragsunterzeichnung, erscheinen aber ohne Angabe von Gründen nicht am ersten Arbeitstag – und lassen dann nie mehr etwas von sich hören. Teilzeitkräfte werfen das Handtuch, weil ihnen die Belastung im Geschäft doch zu viel wird. Menschen haben oftmals schlichtweg keine Lust mehr, im Einzelhandel zu arbeiten. Zumal es (noch) reichlich Alternativen gibt und wir es nicht mit einem Arbeitgeber-, sondern einem Arbeitnehmermarkt zu tun haben. Das berichtet auch die Expertin Simone Brzoska in dieser Ausgabe. Sie erklärt, warum es wichtig ist, als Arbeitgeber die Außenwirkung des eigenen Unternehmens kritisch zu beleuchten und bei Bedarf anzupassen. Man solle, fordert die Expertin, selbst zum Bewerber werden, der dem potenziellen neuen Mitarbeiter die Vorzüge der eigenen Firma präsentiert. Dazu gehört Freude am eigenen Tun, die man auch ausstrahlen sollte. Und das Bewusstsein darüber, was das eigene Unternehmen ausmacht, was es darstellt.

 

Man kaufe, sagt Simone Brzoska, nicht einfach einen neuen Mitarbeiter ein. Man müsse ihn oder sie gewinnen. Mit einem ehrlichen, authentischen Auftritt und dem Anspruch, diesem Mitarbeiter einen Arbeitsplatz und ein Umfeld zu bieten, welches auch ihm oder ihr Freude machen wird. Einzelhandel, speziell auch Schuhhandel, ist ein anspruchsvoller Job. Gerade weil man täglich mit vielen verschiedenen Kunden zu tun hat. Die Unternehmen in diesem Business haben es mit vielen Herausforderungen zu tun. Sie brauchen ein starkes Team, in dem Fairness und Miteinander gepflegt werden. Brzoska spricht vom ’Unternehmens-Spirit‘. Den spürt am Ende auch der Verbraucher, wenn ihm vom Verkaufspersonal echte Zuwendung entgegengebracht wird. Einen Versuch ist es wert.

 
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Petra Steinke / 24.04.2019 - 09:22 Uhr

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