Black Friday

Schwarzer Freitag

Der Black Friday wird sich als einer der umsatzstärksten Tage für den Handel etablieren. Fluch oder Segen?

Volldampf. In den Logistikzentren von Zalando drfte es in den kommenden Tagen hoch her gehen. Schließlich gibt es einen Berg an Arbeit: 2.000 Bestellungen registrierte der Onlinehändler am vergangenen Black Friday-Wochenende – und zwar pro Minute. Damit wurde das bisherige Spitzenergebnis von 1.500 Bestellungen pro Minute aus dem vergangenen Jahr locker übertroffen. Insgesamt zählte das E-Commerce Unternehmen nach eigenen Angaben über eine Million Bestellungen und registrierte mehr als 100.000 Neukunden. Ebenfalls neue Rekordwerte.

Die Zalando-Zahlen bestätigen das Ergebnis einer Umfrage, die schuhkurier am 24. November in der trotz nasskaltem Wetter bestens frequentierten Innenstadt von Düsseldorf durchgeführt hat: Ausnahmslos alle der Befragten hatten sich in der Hoffnung auf besonders günstige Schnäppchen auf den Weg in die City gemacht. Und die Mehrheit dürfte nicht enttäuscht worden sein. So gab es kaum ein Geschäft, das sich nicht mit einer eigenen, mehr oder minder kreativen Aktion am Black Friday beteiligt hat. Damit steht fest: Diesen Tag muss sich der deutsche Handel merken. In diesem Jahr hat der Black Friday wohl endgültig den Sprung aus den USA in das Bewusstsein großer Konsumentenschichten in Europa geschafft. Gemeinsam mit Weihnachten wird sich der Tag bzw. der Zeitraum rund um den Black Friday als einer der umsatzstärksten Tage des Jahres etablieren. Fluch oder Segen?

Noch regt sich Widerstand. Zum Beispiel in der Schweiz. Hier positionierte sich der Filialist Walder bewusst gegen den allgemeinen Trend. Als ’schwarzes Schaaf‘ des Handels spendete Walder an diesem Tag für jedes verkaufte Paar Schuhe ein schwarzes Plüsch-Schaf für ein bedürftiges Kind in der Schweiz. Auch der Schuhhersteller Vagabond versuchte, inmitten des allgemeinen Kaufrausches für mehr bewussten Konsum zu werben. Die Botschaft der Schweden: „Kaufe nur das, was du wirklich liebst.“ So kreativ und löblich diese Ansätze auch sind, zu einem Umdenken auf breiter Front werden sie nicht führen. 

In der Vergangenheit gab es ebenfalls konzertierte Aktionen im Handel. Auch in den seligen Zeiten vor der ’Erfindung‘ des Internets wurden die Kunden mit roten Preisen gelockt. Der große Unterschied: Damals fand der Winterschlussverkauf Ende Januar zum Ausklang einer Saison statt. Und nicht wie derzeit zum Start in das Weihnachtsgeschäft. Die Preisspirale befindet sich in einer konstanten Abwärtsbewegung. Und es gibt kein Entrinnen. „Warum sollte ich zum Normalpreis kaufen?“, fragt in der schuhkurier-Umfrage die 28-jährige Niki. Ja, warum eigentlich?

Michael Frantze / 28.11.2017 - 09:37 Uhr

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