Sneaker-Markt

Sneaker Beben

Das Beispiel Foot Locker zeigt: die massiven Veränderungen und Verschiebungen machen auch vor den ganz Großen nicht halt.

Sie sind überall. In jeder Fashionshow, jedem Trendvortrag und (fast) jeder Kollektion. Sneaker. Ohne Turnschuhe geht gar nichts mehr. Denn alle tragen sie: jung und alt, Damen und Herren, Jungs und Mädchen. Wo sich früher Pumps, Ballerinas und Trotteurs die Schaufenster teilten, stehen heute vielfach nur noch Turnschuhe. Der Höhenflug der sportiven Modelle lässt die klassischen ’Brown- Shoes‘ oftmals buchstäblich alt aussehen. Perfekte Voraussetzungen für die großen Sneakerhändler also, um Quartal nach Quartal neue Umsatzrekorde zu verzeichnen. Zumindest für einen Global Player ging diese Rechnung nicht auf. Die Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen von Foot Locker hat in der vergangenen Woche ein mittleres Beben an der New Yorker Wall Street ausgelöst. Umsatz gesunken, Gewinn eingebrochen – das hatten sich Experten und Analysten ganz anders vorgestellt. Resultat war ein weiteres Minus: Die Aktie eines der größten Schuhhandelsunternehmen der Welt verlor rund 30% an Wert. Besonders pessimistische Marktbeobachter nahmen den Filialisten kurzerhand in die Reihe der angeschlagenen US-Einzelhandelsunternehmen in den USA auf. Macy’s, JC Penney, Payless – und nun auch noch Foot Locker?

Andere sahen in den schlechten Zahlen bereits den Anfang vom Ende des Sneaker- Hypes. Beide Einschätzungen gehen zu weit. Und doch hat Foot Locker zweifellos Probleme. Da wäre zum einen die Abhängigkeit von Nike. Mehr als zwei Drittel aller Produkte hat der Filialist im vergangenen Jahr vom größten Sportartikelhersteller der Welt bezogen. In den vergangenen Jahren ist diese Strategie aufgegangen. Jetzt rächt sie sich. Dabei kommen zwei Faktoren zusammen. Zum einen schwächelt Nike aktuell in der Produktentwicklung. Konkurrent Adidas hat hier derzeit die Nase vorn. Beispiel NMD. Zum anderen stärkt Nike zumindest in den USA das Direktgeschäft. Dazu gehört unter anderem die jüngst verkündete Kooperation mit Amazon. Und der Internetriese – davon kann auch der deutsche Handel ein Lied singen – tut allen weh. Vor allem aber zeigt das Beispiel Foot Locker eines: die massiven Veränderungen und Verschiebungen in der Schuhbranche machen auch vor den ganz Großen nicht halt. Jeder ist betroffen. Im Kern steht die neue Macht des Kunden. In einer Geschwindigkeit wie nie zuvor seien die Konsumenten neuen Trends und Informationen ausgesetzt, erklärte auch Foot Locker-Chef Richard Johnson. Der Sprung von einem Einkaufskanal zum nächsten falle leichter denn je. Das Zauberwort lautet in diesem Zusammenhang Relevanz. Wer dauerhaft für die Kunden relevant ist, dem gehört die Zukunft. Eine enorme Herausforderung. Für Foot Locker. Und alle anderen.

Helge Neumann / 23.08.2017 - 08:53 Uhr

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