Exclusiv-Interview

Sylvia Klemens: „Nicht den Blick für das Wesentliche verlieren“

Seit Mitte 2016 verantwortet Sylvia Klemens unter anderem die Produktentwicklung des Hauensteiner Schuhherstellers Josef Seibel Gruppe. Die Schuhexpertin hat seitdem viel bewegt. Im Gespräch mit schuhkurier beschreibt sie ihre Pläne für die Zukunft.

Frau Klemens, welche Schwerpunkte setzen Sie in der Kollektionsentwicklung?

Romika hat einen hohen Bekanntheits- und Sympathiegrad bei den Endverbrauchern. In Deutschland steht die Marke für den Home-Bereich, Tex-Stiefeletten und Regenstiefel. Unser Ziel in der Kollektionsentwicklung war es, dem Markenkern 'Reintreten und Wohlfühlen' mit allen neuen sommerlichen Produktgruppen gerecht zu werden. Wir haben schöne neue Sandalen- und Pantoletten-Gruppen in der Kollektion, zum Teil mit Wechselfußbett, Bequem-Weite G 1/2, weichem Auftritt und etwas Sprengung. Neue Sneaker-Themen werden durch unsere handschuhweichen Glove-Leder und Lederfutter zu einem besonderen Tragegenuss und auch für den Herren gibt es im Home-Bereich eine neue K-Weite mit Weichauftritt.
Bei Gerry Weber war es eine spannende Aufgabe für unser Team, dieser Marke das neue Konzept ’Mehrwert‘, das wir in der neuen Herbst-/Winter-Saison gestartet haben, jetzt auch im Frühjahr/Sommer umzusetzen. Das heißt: feminine casual Chic in Verbindung mit überwiegend H-Weiten plus traumhaft softem Wechselfußbett in Slings, Plateau- und Absatzsandalen technisch zu integrieren.

Welche neuen Impulse wurden in der Kollektion von Josef Seibel umgesetzt?

Die größte Herausforderung bei Josef Seibel ist es momentan, ’Sneaker-Themen‘ der Märkte so in die Kollektionen zu integrieren, dass unser Zielkunde das entstandene Produkt als Sneaker erkennt und bezeichnet, wir ihm aber unsere eigene DNA und unsere Josef Seibel-Handschrift ’mitgegeben‘ haben. Nehmen Sie zum Beispiel das Thema ’knitted uppers‘. Wir wollen gewährleisten, dass unsere Stammkunden bei ihrem Lieblingsfabrikat auch solche Produkte finden. Und zwar in einer für ihn verständlichen Darstellung.

Wie werden Sie den Anforderungen der verschiedenen Märkte gerecht?

Wir haben einen intensiven Informationsaustausch mit unseren Vertriebspartnern in den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, etc. und versuchen all den Input aus dem Export mit den Anforderungen aus dem Heimatmarkt zu verbinden. Allerdings gibt es trotz aller Bemühungen eine internationale Kollektion zu erstellen mit Produktgruppen, die einfach in einigen Ländern stärker und wichtiger sind. Wir sind z.B. bei Josef Seibel Damen in USA mit mehr femininen Modellen sehr erfolgreich oder bei Romika sind wir in USA sehr viel stärker im Bereich Outdoor, der Home-Bereich spielt in diesem Markt fast keine Rolle.

Wer ist aus Ihrer Sicht der klassische Seibel-Kunde bzw. die klassische Seibel- Kundin?

Im Vergleich zu früher lässt sich ein Zielkunde/eine Zielkundin heutzutage schon lange nicht mehr am Alter festmachen. Die Josef Seibel-Kollektionen stehen für eine handwerkliche Sportlichkeit in frischen, zeitlosen Designs und einem ausgesprochen gutem Preis/Leistungsverhältnis. Wer sich für ein Josef Seibel-Modell entscheidet, bekommt ein Produkt mit ganz viel Komfort, bis hin zu einem Wechselfußbett und einen Schuh komplett aus Leder. Kurzum: bequeme, interessante und gute Schuhe für den Alltag. Wer diese Produkte sucht, ist bei Josef Seibel genau richtig.

Wie hat sich Romika unter Ihrer Führung weiterentwickelt?

Wir schärfen und stärken die Romika-DNA, bauen unsere Stärken aus und hinterfragen bzw. verbessern Produkteigenschaften und Produktgruppen. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Kunden muss durch neue Wege und Konzepte ausgebaut werden. Beim Materialeinsatz, Warenverfügbarkeit, Warenmanagement, Produktions- standorten und Logistik treffen wir neue Maßnahmen. Die Weiterentwicklung bei Romika ist in vollem Gange, jedoch ist dies ein Weg, der nicht innerhalb eines halben Jahres abgeschlossen ist. Trotzdem zeigen die aktuellen Verkaufszahlen schon recht positive Auswirkungen.

Das ausführliche Interview lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 33

Petra Salewski / 16.08.2017 - 12:53 Uhr

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