Kampf gegen Amazon

Verdi: Gewerkschafter aus 16 Ländern reisen nach Berlin

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi versucht es beim US-Onlinehändler Amazon unverdrossen mit Streiks. Um Streiks und Arbeitskampfmaßnahmen bei Amazon über alle Ländergrenzen hinweg vorzubereiten, findet in Berlin ein internationales Gewerkschaftstreffen statt.

Laut Verdi sind die Beschäftigten in den Versandzentren von Amazon, gleich ob in Deutschland oder anderen Ländern, mit enormer Arbeitshetze, Kontrolldruck und der Missachtung von Arbeitnehmerrechten konfrontiert. Das bleibe nicht ohne Gegenwehr. Immer mehr Beschäftigte und Gewerkschaften vernetzen und koordinieren sich.

 

Unter dem Dach der UNI global union und in Zusammenarbeit mit Verdi findet am 29. und 30. April 2019 im Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin ein Treffen des UNI-Amazon-Netzwerkes statt. Die Gewerkschafter kommen aus über 16 Ländern: Ägypten, Argentinien, Australien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Österreich, Pakistan, Polen, Schweden, Schweiz, Spanien und den USA.

 

„Der Kampf gegen die unternehmerische Gier Amazons ist einer der wichtigsten Arbeitskämpfte der jüngeren Geschichte. Amazons erschreckender Umgang mit Beschäftigten, die Nichtanerkennung von Gewerkschaften und die unethische Steuervermeidungspraxis sind inakzeptabel. Globale Probleme verlangen nach globalen Lösungen. Deswegen vernetzen sich Gewerkschaften aus aller Welt, um Amazon zu reformieren“, sagte Christy Hoffmann, Generalsekretärin von UNI global union.

 

„Amazon tritt die Rechte der Beschäftigten mit Füßen. Die Streiks der vergangenen Jahre haben in Deutschland wichtige Verbesserungen gebracht, aber das Ziel bleibt ein Tarifvertrag für existenzsichernde Einkommen sowie gute und gesunde Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Amazon hat die Wahl, endlich den Konflikt beizulegen. Wenn nicht, stellen wir uns auf weitere Auseinandersetzungen ein. Wir haben einen langen Atem und werden uns noch stärker länderübergreifend koordinieren“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.
 

Amazon weist Vorwürfe zurück

Amazon weist die Vorwürfe seitens Verdi entschieden zurück und betont, dass „man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein kann. Wir achten sehr auf die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Belegschaft und bezahlen in unseren Logistikzentren am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist“. So beginnen die Beschäftigten in Deutschland nach Angaben von Amazon mit einem Lohn von umgerechnet 10,78 Euro brutto pro Stunde. Nach 24 Monaten seien im Durchschnitt 2.275 Euro brutto im Monat, inklusive leistungsbezogene Boni und Jahressonderzahlung. Zusätzlich profitieren Mitarbeiter von Aktien und weiteren Zusatzleistungen wie Sondervergütung für Überstunden, Lebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Beiträgen für die betriebliche Altersvorsorge oder das ’Career Choice‘-Programm, über das bis zu 95% der Kursgebühren und Literaturkosten für eine Aus- und Weiterbildung übernommen werden.

 

Wie Thorsten Schwindhammer, Community Relations Manager South-West beim Online-Versandhändler Amazon gegenüber schuhkurier erklärt, hätten die von der Gewerkschaft Verdi organisierten Streikaktivitäten keinen Einfluss auf die Einhaltung des Amazon-Lieferversprechens, da die überwiegende Mehrheit der Amazon-Mitarbeiter völlig normal arbeite. Ebenso versichert Schwindhammer, dass man „fest etablierte Kooperationen mit unseren Betriebsräten“, habe, die von allen Mitarbeitern gewählt werden und die gesamte Belegschaft repräsentieren. „Um es klar zu stellen: Die Gewerkschaft hat mit den Verbesserungen in unseren Logistikzentren nichts zu tun. Diese sind ein Ergebnis des ständigen und direkten Austausches mit Mitarbeitern und Betriebsräten.“

Michael Frantze / 26.04.2019 - 14:20 Uhr

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