BTE

Wann sind Abverkaufsmeldungen ein Kartellrechtsverstoß?

Die Meldung von Abverkaufsdaten ist bei geringer Konkurrenz zwischen Händler und Lieferant laut BTE unkritisch. Eine Compliance-Erklärung der Lieferanten kann den Händler absichern.

Der Bundesverband des deutschen Textileinzelhandels (BTE) hatte im letzten Jahr gewarnt, dass der Informationsaustausch zwischen Händlern und Lieferanten, die eigene Shops betreiben, einen Kartellrechtsverstoß darstellen kann. Dies habe das Bundeskartellamt dem BTE zuvor in einem Schreiben mitgeteilt. Begründung: Die Herausgabe von vollständigen Verkaufsdaten (Produkt und erzielter Verkaufspreis) sei kartellrechtlich kritisch zu sehen und geeignet, die wettbewerbliche Freiheit des Händlers zu beschränken.

Jetzt nahm das Kartellamt eine unverbindliche Einschätzung eines konkreten Falles vor, teilt der Handelsverband mit. Der betroffene Industriepartner betreibt zwar einen eigenen Online-Shop und vergleichsweise wenige eigene Stores. Der dadurch erzeugte Preiswettbewerb sei nach Ansicht des Kartellamtes allerdings moderat. In dieser Konstellation sah die Beschlussabteilung der Aufsichtsbehörde keine spürbare Wettbewerbsverzerrung durch die freiwillige Übertragung tagesaktueller Verkaufsdaten.

Der BTE gibt gleichwohl nicht Entwarnung: Wenn Händler und Marke in einem intensiven Wettbewerbsverhältnis stehen, dürfte das Bundeskartellamt die automatische Übermittlung von Sales Reports mit realisierten Verkaufspreisen strenger beurteilen. Der kartellrechtlich sicherste Weg sei dann, die Verkaufspreisdaten erst mit zeitlicher Verzögerung an den Lieferanten zu übermitteln. Wie lange dieser zeitliche Nachlauf sein muss, um jegliches Risiko auszuschließen, sei ungeklärt. Eine Verzögerung von einem Monat dürfte in der Modebranche nach BTE-Ansicht genügen, solange die Wettbewerbsbehörden keine strengeren Vorgaben machen.

Compliance-Erklärung

Zur rechtlichen Absicherung fordern einige Modehändler eine Compliance-Erklärung von ihren Lieferanten. Dabei werde häufig folgende Formulierung der Kanzlei Gleiss Lutz (Stuttgart) genutzt:

„Daten über Verkaufspreise und -mengen (nachfolgend „Verkaufsdaten“) bilden für den Modehändler und Lieferanten eine wichtige Erkenntnisquelle für die Preis- und Sortimentsgestaltung, Vertriebsstrategie, Produkt- und Sortimentsplanung. Zur Sicherstellung der Kartellrechtskonformität bei der Übermittlung unserer Verkaufsdaten an die Firma ……………………… (nachfolgend „Lieferant“ genannt) verpflichtet sich der Lieferant wie folgt: 
1. Der Lieferant wird unsere Verkaufsdaten vertraulich behandeln und insbesondere an keinen anderen Modehändler weitergeben. 
2. Der Lieferant wird auf unsere Verkaufspreise keinen unzulässigen Einfluss nehmen, insbesondere nicht durch Ausübung von Druck, Zwang oder durch Gewährung von finanziellen Anreizen zur Einhaltung der Unverbindlichen Verkaufspreisempfehlung des Lieferanten.
3. Der Lieferant wird unsere Verkaufsdaten nicht dazu nutzen, die Verkaufspreise in seinem eigenen Endverbrauchergeschäft (Direktgeschäft online und offline) auf unsere Preise abzustimmen, sondern wird dies durch ausreichende Sicherungsmaßnahmen (z.B. unternehmensinterne Vertraulichkeitsverpflichtungen, „Chinese Walls“, etc.) verhindern. Diese Maßnahmen sind auf unser Verlangen hin offenzulegen.
Verstößt der Lieferant gegen eine der oben genannten Zusagen, werden wir die Übermittlung unserer Verkaufspreisdaten stoppen.“

 

Tobias Kurtz / 04.07.2019 - 14:41 Uhr

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