Unternehmer-Initiative bei Innenminister Strobl

Warum Vaude Flüchtlinge als Mitarbeiter braucht

Am 19. April wurde die Unternehmer-Initiative, die sich für ein Bleiberecht geflüchteter Mitarbeiter mit festem Arbeits- oder Ausbildungsplatz einsetzt, vom baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl empfangen. (Foto: Vaude)
Am 19. April wurde die Unternehmer-Initiative, die sich für ein Bleiberecht geflüchteter Mitarbeiter mit festem Arbeits- oder Ausbildungsplatz einsetzt, vom baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl empfangen. (Foto: Vaude)

Der Bergsportausrüster Vaude hat zwölf Geflüchtete fest angestellt. Nun droht sieben Mitarbeitern die Abschiebung. Vaude warnt vor "wirtschaftlichem Schaden" und wendet sich an die Politik.

"Wir haben Verantwortung übernommen und viel Zeit und Geld investiert. Nun sollen wir die Arbeitskräfte, die wir dringend brauchen, wieder verlieren. Das wäre für uns ein hoher wirtschaftlicher Schaden, ganz zu schweigen von der menschlichen Katastrophe. Wir wollen nicht länger Spielball der Politik sein", so Antje von Dewitz, Vaude Geschäftsführerin. Deshalb startete das Unternehmen eine Initiative, der sich inzwischen über 80 Betriebe und drei Verbände aus Baden-Württemberg angeschlossen haben. Gemeinsam setzen sie sich für ein Bleiberecht geflüchteter Mitarbeiter mit festem Arbeits- oder Ausbildungsplatz ein.

Am 19. April wurde die Unternehmer-Initiative unter der Federführung von Antje von Dewitz und Gottfried Härle, Brauerei Härle, vom baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl in Stuttgart empfangen. Die 80 Unternehmen der Initiative stehen für über 44 Mrd. Euro Jahresumsatz und über eine halbe Million Arbeitsplätze in Baden-Württemberg. Insgesamt beschäftigen sie derzeit 2.000 Geflüchtete in fester Anstellung oder Ausbildung. Gemeinsam forderten sie im Gespräch mit dem Minister eine Bleibeperspektive für Geflüchtete mit einem festen Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Sie zeigten auf, welch wirtschaftlichen Schaden eine Abschiebung der geflüchteten Mitarbeiter zur Folge hätte und wie groß der Bedarf an Arbeitskräften insbesondere in der Produktion, dem Handwerk, der Altenpflege und dem Dienstleistungsbereich ist. Darin sind sich alle einig: Die Einstellung von Geflüchteten wäre eine Chance, diesem akuten Mangel an Auszubildenden und Arbeitskräften zu begegnen.

Auch Vaude hat in bestimmten Bereichen mit einem Arbeitskräftemangel zu kämpfen, insbesondere in der betriebseigenen Manufaktur. In Tettnang werden von über 40 Mitarbeitern wasserdichte Radtaschen, Rückäsche und Taschen hergestellt. "Unsere Made in Germany Produkte sind weltweit gefragt und wachsen bei uns am stärksten, so dass wir die Produktion erhöhen und Mitarbeiter einstellen können", so Antje von Dewitz. "Allerdings finden wir für diesen Bereich, also unsere Schweißerei und Näherei, kaum Mitarbeiter. Als wir anfingen uns für die Integration von Geflüchteten zu engagieren, indem wir u.a. Näh-Workshops oder Bewerbertrainings anboten, haben wir festgestellt, dass wir dabei auch geeignete und sehr motivierte Mitarbeiter finden können. So haben wir ihnen eine berufliche Chance geboten." Mittlerweile arbeiten elf Geflüchtete bei Vaude in den Bereichen Produktion, Logistik und Produktservice. Hinzu kommt ein Auszubildender zum Industriekaufmann.

"Als die große Flüchtlingswelle einsetzte, haben wir die Ärmel hochgekrempelt und Geflüchtete eingestellt, die kaum Deutsch sprachen und denen unsere Arbeitsabläufe völlig fremd waren. Das war ein enormer Aufwand. Zahlreiche Mitarbeiter waren eingebunden, von administrativen Aufgaben über die Einarbeitung bis hin zur alltäglichen Integrationshilfe. Zudem haben wir Deutschkurse organisiert, bei Behördengängen oder der Wohnungssuche unterstützt, und schließlich Anwälte engagiert, um rechtliche Schritte gegen die Abschiebungen einzuleiten. Jetzt, wo sie voll integriert sind und wertschöpfend arbeiten, sollen sie abgeschoben werden. Das hätte einen hohen wirtschaftlichen Schaden zur Folge", erklärt Antje von Dewitz. Insgesamt habe Vaude 63.000 Euro in die Betreuung und Qualifizierung dieser Mitarbeiter investiert, die Hälfte davon hat die Arbeitsagentur übernommen. Im Falle von sieben möglichen Abschiebungen müsste Vaude zwangsläufig die Produktion herunterfahren, was zu einem Umsatzausfall von rund 240.000 Euro führen würde.

Tobias Kurtz / 02.05.2018 - 09:00 Uhr

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