Digitale Transformation im Fokus

Was Günter Althaus von der Politik fordert

Günter Althaus
Günter Althaus

Die zukünftige Bundesregierung und alle politischen Parteien müssen sich intensiver für die Zukunft des Einzelhandels und des Mittelstands einsetzen. Das fordert Günter Althaus, Präsident des Mittelstandsverbunds - ZGV und Vorstandsvorsitzender der ANWR Group, vor der Bundestagswahl.

Insbesondere bei der Qualifizierung von Arbeitskräften, bei Datenschutz und -sicherheit, digitalen Infrastrukturen und dem Innovationsmanagement sieht Althaus große Defizite seitens der Politik. Ungeachtet dessen, ob es nach der Bundestagswahl zu einem Regierungswechsel kommt oder nicht, werde ein Handeln zwingend notwendig."Die Politik muss endlich handeln! Wenn sich die Bemühungen um einen zukunftsfähigen Einzelhandel weiter auf diesem Niveau, also am Rande der politischen Agenda, bewegen, werden wir in den nächsten Jahren ein Massensterben von kleinen und mittelständischen Unternehmen erleben", so Günter Althaus.

Die digitale Transformation wurde nach Meinung des Handelsexperten in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt, was sich mittlerweile negativ auf den Status Deutschlands als Spitzenwirtschaftsnation auswirkt. Er appelliere daher eindringlich an die Politik, endlich entsprechende und grundlegende Maßnahmen in verschiedenen Bereichen und auch mit Blick auf unterschiedliche Generationen zu ergreifen.

 

Qualifizierung und Förderung forcieren

 

So spiele etwa die Nachwuchsförderung eine zentrale Rolle, wenn es um die Zukunft des Einzelhandels geht - und zwar nicht nur bei der Ausbildung von Fachkräften in den herkömmlichen Berufen, sondern insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung. Denn gerade in den Bereichen IT und Datensicherheit seien immer häufiger Dienstleistungen und Kompetenz gefragt. Benötigt würden daher einerseits Bildungslösungen, die eine betrieblich integrierte Bildung wieder stärker forcieren und es auch kleinen und mittelständischen Unternehmen ermöglichen, Fachpersonal rechtzeitig und nachhaltig zu binden. Andererseits müsse dringend die digitale Kompetenz des Lehrpersonals ausgebaut werden. Nur so könne garantiert werden, dass der Nachwuchs für die Wirtschaft im internationalen Wettbewerb an der Spitze mithalten kann.

Förderung betrifft aber laut Althaus nicht nur das Personal, sondern auch Ideen und Innovationen. Bislang gehöre der Handel zu einer eher forschungsarmen Branche. Die Politik könne Innovationskraft in mittelständischen Unternehmen jedoch gezielt fordern und fördern und so das Innovationsmanagement auch im Sektor Einzelhandel steigern. Das sei absolut notwendig, um im extrem dynamischen Umfeld des E-Commerce Schritt halten zu können.

 

Digitale Infrastrukturen schaffen

 

Grundlage für die Förderung von Fachkräften und Innovationen ist laut Günter Althaus eine umfassende und flächendeckende digitale Infrastruktur. Deutschland habe seinen Vorsprung seit der Einführung des Internets längst verspielt. "Eine Breitbandversorgung von 50 MBit flächendeckend umzusetzen, wie es aktuell besprochen wird, kann angesichts des technologischen Wandels höchstens ein Etappenziel sein. Die zukünftige Bundesregierung muss dringend den Ausbau des Glasfasernetzes beschleunigen und Voraussetzungen für funkbasierte Netze schaffen. Gerade der ländliche Raum, Sitz zahlreicher Mittelständler und kleinerer Handelsunternehmen, muss dabei unbedingt Vorrang haben", fordert Günter Althaus.

 

Klare Vorgaben bei der Datensicherheit

 

Gleichzeitig müssen, so Althaus weiter, seitens der Politik endlich klare und praxisorientierte Regelungen für das Thema Datenschutz und -sicherheit gegeben werden. Die aktuellen Vorgaben seien zumeist überregulierend, extrem komplex und stellen vor allem kleinere Unternehmen vor große Herausforderungen. Die Politik, so die Forderung von Günter Althaus, müsse schnellstmöglich einen übersichtlichen und leicht umsetzbaren Handlungsrahmen entwickeln, der einerseits Rechtssicherheit gewährleistet und Cyberkriminalität vorbeugt, andererseits kleinen und mittelständischen Unternehmen einen gewissen rechtssicheren Spielraum bei der Nutzung von Daten lässt. Denn nur so bleibe der Wettbewerb mit Großunternehmen und global agierenden E-Commerce-Firmen fair.

Günter Althaus: "Nur wenn die Politik auf den unterschiedlichen Ebenen agiert und mittel- wie langfristige Maßnahmen ergreift, wird der Handel in Deutschland zukunftsfähig bleiben. Im Fokus der zukünftigen Bundesregierung, egal wie die Bundestagswahl 2017 ausgeht, muss dabei die digitale Transformation stehen - und alle Belange, die sie nach sich zieht."

Redaktion / 19.09.2017 - 11:51 Uhr

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