Unternehmensnachfolge

Wie Händler die Zukunft planen sollten

Weitermachen oder das Geschäft aufgeben? Wie lange noch selbst im Laden stehen? Und wo findet man geeignete Nachfolger? Fragen wie diesen ging schuhkurier nach und sprach mit Experten der Verbundgruppen ANWR, GMS und Sabu sowie mit dem BDSE.

Eigentlich interessierte sich die Händlerin aus einer ländlichen Region im Westen Deutschlands nur für die Kontaktdaten eines auf Räumungsaktionen spezialisierten Unternehmens. Deshalb rief sie vor kurzem in unserer Redaktion an. Ich habe mich entschieden“, sagte die 70-Jährige, „mein Schuhgeschäft zu schließen.“ Es sei sehr beschwerlich geworden, jeden Tag im Laden zu stehen. Auch der Einkauf werde zunehmend zur Belastung. „Und die wirtschaftliche Lage ist alles andere als rosig.“ Nicht zuletzt habe die Vertriebsleiterin eines ihrer Lieferanten sie unlängst eindringlich aufgefordert: „Machen Sie zu! Tun Sie sich das doch nicht mehr an!“ Immer mehr Händler-Kollegen seien dazu übergegangen, ihre Immobilie zu beleihen, um den Fortbestand des Schuhgeschäfts zu sichern. Diesen Schritt wolle sie nicht gehen, so die Händlerin. „Aber ich sehe keine Perspektive und will mein Unternehmen nach mehreren Jahrzehnten mit einer professionell organisierten Aktion einem geordneten Ende zuführen.“

Bei einem zweiten Telefonat mit unserer Redaktion nur wenige Tage später hatte die Unternehmerin allerdings wiederum Zweifel an ihrem unlängst gefassten Entschluss. „Meine Mitarbeiterinnen bitten mich inständig, weiterzumachen. Und gestern waren wieder so viele Kunden da – die fragen mich, wo sie denn nun künftig Schuhe kaufen sollen, wenn es mein Geschäft nicht mehr gibt“, erzählt sie. „Und was mache ich den ganzen Tag, wenn ich nicht mehr für meine Kunden da sein kann?“

Die hier geschilderte Situation ist kein Einzelfall. Gerade die Inhaber kleinerer Unternehmen im ländlichen Raum wägen ab, wie sie ihre persönliche und die Zukunft ihrer Firma gestalten sollen. Viele tun dies allerdings zu spät. Und etliche haben mit der Entscheidungsfindung Probleme. Angesichts der teils massiven Strukturveränderungen im stationären Einzelhandel ist die Zukunft für viele Unternehmer weniger planbar. Außerdem ist vielfach der Aufwand gestiegen, den Händler täglich bewältigen müssen – nicht zuletzt aufgrund veränderter Kundenpräferenzen. Zudem steht längst nicht überall ein Nachfolger für das Familienunternehmen in den Startblöcken. Noch einige Jahre durchhalten oder doch lieber jetzt den Schlussstrich ziehen – das ist daher nicht nur eine Kopf-, sondern auch eine Bauchentscheidung.

Die Experten der Verbundgruppen und auch der BDSE befassen sich intensiv mit der Nachfolgeplanung. Was Michael Decker (ANWR), Dr. Karsten Niehus (GMS) und Stephan Krug (Sabu) sowie Dr. Siegfried Jacobs (BDSE) empfehlen, lesen Sie in der kommenden Ausgabe von schuhkurier – Ausgabe 47

Michael Frantze / 20.11.2017 - 10:35 Uhr

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