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Wir diskutieren: Rückblick auf die Mode-Saison

Mode-Diskussion: Die Redakteurinnen Kristina & Sarah sprechen über die Trends der Saison Frühjahr/Sommer 2019. (Foto: Unsplash)
Mode-Diskussion: Die Redakteurinnen Kristina & Sarah sprechen über die Trends der Saison Frühjahr/Sommer 2019. (Foto: Unsplash)

Was waren unsere persönlichen Mode-Highlights der vergangen Wochen? Welche Trends haben es uns angetan – und welche eher nicht? Sarah Amadio und Kristina Schulze diskutieren.

Kristina: In den vergangenen Wochen haben wir unheimlich viele Schuhe, Looks und Styles für Frühjahr/Sommer 2019 gesehen. Was waren deine drei Lieblings-Trends?

Sarah: Ganz weit vorne: Von den 90ern inspirierte Dad-Sneaker. Es ist einfach endlich mal ein neuer Look. Im Laufe der Zeit habe ich mich an die klobige Silhouette gewöhnt und mich in den Style verliebt. Außerdem liebe ich die skandinavischen Trend-Schuhe, also extrem cleane, puristische Modelle. Besonders cool finde ich die Kombination aus weißem Upper mit andersfarbigem Absatz auf Booties. Last but not least: Mules in Magenta mit Akzenten in Feuerrot. Wie sieht es bei dir aus?

Kristina: Mir gefallen die vielen Mules, Pumps und Loafer aus weichem Veloursleder und in kräftigen Farben. Sie sind schön schlicht in ihrer Gestaltung, fallen aber trotzdem auf. Lustigerweise geht es mir mit den Dad-Sneakern ähnlich. Ich habe mich inzwischen an sie gewöhnt. Etwas schwierig finde ich nach wie vor die Varianten mit sehr dicken Sohlen. Sie erinnern mich einfach zu sehr an meine Teenager-Zeit in den 90ern und die omnipräsenten Buffalos.

Sarah: Oh ja! Riesengroße Creolen, dazu Oversized-Sweater von Fila, Schlag-Jeans und Buffalos. Grundsätzlich finde ich den 90s-Look zwar lässig, aber ich war schonfroh, dass dieses Style-Drama endlich vorbei ist. Scheint so, als würde sich die Mode auf genau die Looks stürzen, bei denen man sich vorher noch gefragt hat, welche Verwirrung einen bei den Outfits übermannt hat.

Kristina: Oder wir werden einfach älter und erleben jetzt immer öfter Revivals der Jahrzehnte, in denen wir Kinder beziehungsweise Teenager waren....

Sarah: Das kann gut sein! Interessant auch, dass wir uns beide an die Dad-Sneaker gewöhnt haben. Ob das auch an der positiven Beeinflussung durch Social-Media liegt?

Kristina: Social-Media spielt bei unseren Sehgewohnheiten sicher eine große Rolle. Je häufiger man einen bestimmten Trend sieht, desto schneller gewöhnt sich das Auge an ihn. Sicher blicken wir in zehn Jahren auf diese Zeit zurück und denken: „Was haben wir uns nur bei DEN Schuhen gedacht?“

Sarah: Abgesehen von den 90ern – gibt es ein Jahrzehnt, dass du modetechnisch liebst? Und warum?

Kristina: Ich mag den Retro-Look der 60er, aber auch einzelne Elemente der 80er (Tennis-Sneaker!) und Teile der 90er (Sweatshirts!). Schön anzusehen finde ich aber auch die glamourösen 20er, auch wenn ich äußerst selten lange goldene Kleider trage – ich würde sogar behaupten, dass das nie der Fall sein wird... Die neue Saison soll ja kunterbunt werden. Wie findest du das? Und hast du schon einen Farb-Favoriten?

Sarah: Ich bin ja eher das minimalistische Mädchen. Ich mag Schwarz, Weiß, Beige, Grau und Rosa. Deshalb sind cleane, skandinavische Looks mein  Favorit. Nichtsdestotrotz finde ich: Bunte Schuhe können zu sehr schlichten Outfits einen Punktsieg landen! Also bekommt der Trend von mir ein klares Ja! Am liebsten mag ich allerdings monochrome Versionen. Colourblocking ist nicht mein Ding. Wie ist es bei dir?

Kristina: Meine Lieblingsfarbe ist Blau – deshalb liebäugle ich auch mit einem Paar knallig-blauer Loafer oder Mules. Schuhe in einem hellen, matten Rot gefallen mir ebenfalls. Ich fand bei unseren vielen Gesprächen mit Ausstellern und Händlern in den letzten Wochen schön zu sehen, wie breit und mutig die Farbpalette ist, die nächstes Jahr gespielt wird. Vielleicht traue ich mich dann ja auch noch an knallblaue oder leuchtend rote Schuhe heran...

Sarah: Ich finde, dass man sich generell viel zu wenig traut. Berlin macht das meiner Meinung nach sehr gut vor: Jede Menge schräge Vögel mit eigenwilligen Looks. Das sorgt für Vielfalt! Wir haben es in Düsseldorf vielleicht etwas schwerer. Tagein tagaus sehe ich hier braune Trenchcoats, weiße Sneaker und schwarze Jeans – irgendwie schade. Bleibt zu hoffen, dass der Sommer und die neuen Schuhe das ändern können. Was sagst du zum Animal-Trend? Kroko-Muster sieht man ja im Sommer wirklich überall...

Kristina: Der Animal-Trend ist gar nicht meins. Da wird auch das Prinzip ’man gewöhnt sich dran‘ nicht funktionieren. Erinnerst du dich noch an diese Zeit, als gewühlt jede Frau ein Leoparden-Tuch trug? Ich glaube, diesen Trend hatten wir Kate Moss zu verdanken. Selbst damals bin ich abstinent geblieben.

Sarah: Das Leo-Tuch ist mir in grausiger Erinnerung geblieben. Trotzdem habe ich mir kürzlich eine pelzige Leo-Jacke gekauft *hust*, stelle sie mir cool vor zu schwarzen Boots und Oversize-Strickpullovern. 

Kristina: Im Sommer waren ja auch Korbtaschen und geflochtene Plastiktaschen sehr in. Man denke nur an Cult Gaia & Konsorten. Hast du dir eine gekauft?

Sarah: Nein. Aber man denke an die Berliner Fashion Week und meinen starken Wunsch, jetzt sofort eine durchsichtige Plastiktasche zu besitzen... Ich finde sie auch immer noch cool, ebenso die geometrischen Körbe von Cult Gaia und Co. Aber Taschen müssen für mich einen hohen praktischen Nutzwert haben. Fallen Lippenstifte und Kleinteile nicht aus den Körben heraus? Und wie ist das mit privaten Utensilien in den durchsichtigen Taschen? Und was hältst du von ’Fanny-Packs‘? So wurden ja die neuen Gürteltaschen getauft, die jetzt jeder zweite Influencer quer über die Brust geschnallt trägt.

Kristina: Ich hätte sehr gerne eine relativ schlichte Korbtasche, in die viel hineinpasst. Also eher eine Art Beutel für alle Gelegenheiten, den ich auch zum Einkaufen nehmen kann. Dann könnte ich auch mal anfangen, meine gefühlten 1000 Stoffbeutel auszusortieren. Die Cult-Gaia-Taschen finde ich optisch total schön, aber sie sind auch mir zu unpraktisch für den Alltag. Ganz anders die Fanny-Packs: Da hat man ja immer schön die Hände frei, eigentlich eine gute Idee. Als ich im Sommer auf einem Festival war, haben dort sehr viele Besucher die guten alten Gürteltaschen getragen, gerne quer über die Brust.

Sarah: Bei den Gürteltaschen frage ich mich, wie man sie im Alltag wirklich gut kombinieren kann. In der Stadt beim Shoppen käme ich mir wahrscheinlich komisch vor, beim Spazierengehen in der Natur sehe ich hingegen nie so wirklich stylisch aus. Da kommen dann besagte Stoffbeutel, Hoodies und Boots zum Einsatz. Aber ich möchte eine Crossbody-Statement-Bag haben! 

Kristina: Diesen Sommer gab es ja auch wieder viele Store-Eröffnungen. Zum Beispiel hat eben Anthropologie in Düsseldorf aufgemacht. Den Laden finde ich toll. Gibt es außerdem Eröffnungen, über die dich besonders gefreut hast?

Sarah: Ich liebe Concept-Stores zum Stöbern und zur Inspiration. Anthropologie finde ich toll. Die wunderschönen Kalender, Ordner, Mäppchen und Co. bieten eine tolle Abwechslung zur Mode. Ich liebe auch ’Kauf Dich Glücklich‘ in Düsseldorf. Das Sortiment ist einfach so übersichtlich, alles passt zusammen. Auf meiner Agenda steht auf jeden Fall noch ein Besuch bei Søstrene Grene.

Kristina: Wenn du auf die vergangene Order-Saison zurückblickst – ist dir ein Erlebnis oder ein Event in besonderer Erinnerung geblieben?

Sarah: Für mich ist die Berlin Fashion Week immer wieder aufregend! Ich mag die Aufmachung, die Atmosphäre und die Leute. Ich habe das erste Mal die ’grünen Messen‘ besucht. Die fand ich wesentlich cooler als erwartet. Ansonsten fand ich die Saison relativ ruhig. Sogar auf der Micam hatte ich nicht das Gefühl überbordender Euphorie. Aber das ist nur ein subjektiver Eindruck. Vielleicht gibt es einfach zu viele Messen, die für Übersättigung sorgen?

Kristina: Ich finde auch, dass es sehr viele Formate gibt. Allerdings hat ja jede Messe auch ihre individuellen Besonderheiten, so dass sich ein Besuch eigentlich immer lohnt. Zum Beispiel sind die CIFF-Messen in Kopenhagen oder auch die Who’s next in Paris sehr inspirierend – auch wenn Schuhe und Taschen dort vielleicht nicht die größte Rolle spielen. Gibt es einen Trend für Frühjahr/Sommer, der dich so richtig kalt lässt?

Sarah: Ich persönlich halte Wordings und Statement-Prints auf Schuhen irgendwie für ausgelutscht. Auf Sweatern finde ich sie wiederum cool! Außerdem werde ich wohl niemals zielstrebig Western-Boots ansteuern. Aber auch hier gibt es einen Gegenpart, den ich bereits besitze und auch zukünftig kaufen werde: Sneaker, Sandalen und Taschen im Kroko-Look. Ich weiß nicht warum, aber ich liebe das Muster! Und der schlimmste Graus für mich sind im Sommer 2019 definitiv vollständig transparente Boots. Welche Trends findest du fragwürdig?

Kristina: Wieder gibt es einige Übereinstimmung. Durchsichtiges Plastik an Schuhen finde ich auch schlimm. Wie mag sich das wohl an den Füßen anfühlen? Der Animal-Trend ist, wie oben schon geschrieben, auch nicht so meins. Und mit allzu krassen Plateaus, Glitzer-Glitzer oder Federnschmuck tue ich mich ebenfalls sehr schwer. Mit welchen drei Worten würdest du die Mode-Saison für F/S 2019 zusammenfassen?

Sarah: Bunt, lässig, vielfältig! 

Kristina: Und was versprichst du dir von Herbst/Winter 2019/20?

Sarah: Ich hoffe, dass es weiterhin bunt bleibt. Außerdem freue ich mich schon auf neue Mäntel. Diese Saison macht mit Checks, Animal, Fell und Signalfarben vor wie Vielfalt funktioniert. In Sachen Schuhe hoffe ich auf noch coolere Boots. Mou und Inuikii machen superschöne Stiefel. Bei den beiden Marken bin ich persönlich besonders gespannt, was kommen wird. Außerdem: Wie geht’s weiter in Sachen Sneaker? Ich finde in diesem Jahr hat sich viel getan und ich freu mich schon, was für Hypes es geben wird. Und du?

Kristina: Viele warme Mäntel, kuschelige Pullover und tolle, dunkle Farben. Und hoffentlich einen goldenen Herbst und einen kalten Winter mit etwas Schnee. Dann freut man sich umso mehr auf den Frühling!

Kristina Schulze / 10.10.2018 - 11:00 Uhr

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