Mailänder Messen

Zartes Pflänzchen

Es brummte auf Micam und Lineapelle. Bis zum einem nachhaltigen Aufschwung ist es noch ein weiter Weg.

Großer Bahnhof in Mailand. Zweimal innerhalb weniger Wochen machte sich die internationale Schuhbranche auf den Weg in die italienische Modemetropole. Standen im September auf der Micam noch die neuen Schuhkollektionen für Frühjahr/Sommer 2018 im Mittelpunkt, bot die Lineapelle Anfang Oktober einen Ausblick auf die Farben und Materialien für nächsten Herbst und Winter. Zwei Messen, ein Eindruck: Es brummte in Mailand. Folglich vermeldeten beide Messen ein Besucherplus.

Sicher, diese Zahlen sind nicht alles. Und teilweise mit Vorsicht zu genießen. Trotzdem handelt es sich um einen wichtigen Indikator. Kämpft eine Messe mit konstant sinkender Frequenz, kann etwas nicht stimmen. Zumindest mit diesen Sorgen müssen sich die Veranstalter von Micam und Lineapelle derzeit nicht beschäftigen. Vielmehr wird es für sie in den kommenden Saisons darum gehen, die Positionierung von Italien als Kernland der Schuhmode weiter zu stärken. Bis zu einem nachhaltigen Aufschwung ist es allerdings noch ein weiter Weg. Aktuell handelt es sich allenfalls noch um ein zartes Pflänzchen, das es zu hegen und zu pflegen gilt. Die Rahmenbedingungen könnten dabei günstiger sein. Die italienische Schuhindustrie kämpfte in den vergangenen Jahren an vielen Fronten.

An Herausforderungen wird es auch künftig nicht mangeln. Einige Probleme fallen dabei in die Kategorie ’hausgemacht‘. So haben es zahlreiche Hersteller in der Vergangenheit versäumt, in den Aufbau einer Marke zu investieren. Oftmals wurde zu produktverliebt agiert und dabei verpasst, eine Markenidentität aufzubauen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Zudem wurden vielfach die unterschiedlichen Bedürfnisse der jeweiligen Exportmärkte nicht verstanden und zielführend berücksichtigt. ’Friss oder stirb‘ lautete (zu) oft die Devise. Mit der lange Jahre stetig steigenden Nachfrage vor allem aus Osteuropa und Russland im Rücken konnte sich diese Mentalität lange halten.

Mit diesem Denken wird die italienische Branche jedoch nicht weiter kommen. Sich allein auf die einzigartige Kreativität und das zweifellos vorhandene Know-how zu verlassen, wird als Zukunftsmodell nicht ausreichen. Andere Länder haben in diesen Bereichen in den vergangenen Jahren viel Boden gut gemacht. Und die Party in Russland ist auch vorbei. Vielmehr geht es um eine echte Renaissance. Nur wenn die verantwortlichen Akteure dies verinnerlichen, kann sich die zarte Hoffnung auf Besserung in einen echten Aufschwung entwickeln.

Helge Neumann / 10.10.2017 - 08:18 Uhr

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