Bereits seit 2022 hat das österreichische Unternehmen Signa, zu dem ein Geflecht aus unzähligen Firmen gehört, mehrere Immobilien und Immobilienprojekte verkauft, darunter das „Apple Haus“ in der Wiener Innenstadt. Laut Signa selbst soll es Assets im Gesamtvolumen von rund 2 Mrd. Euro abgestoßen haben.
Im Juli 2023 soll Signa laut einem Bericht des Handelsblatt eine 400-Millionen-Euro-Spritze vom Unternehmer René Benko und mehreren Investoren erhalten haben.
Im Oktober 2023 überschlugen sich dann die Ereignisse: Am 16. Oktober zog Signa die Zusage für eine Eigenkapitalspritze in Höhe von 150 Mio. Euro bei ihrem Tochterunternehmen Signa Sports zurück. Einen Tag später verkaufte das Unternehmen den Sportartikelhändler Sportscheck an den britischen Sport- und Modehändler Frasers.
Der Sanierungsexperte Arndt Geiwitz, ehemals Insolvenzverwalter unter anderem von Galeria Karstadt Kaufhof, kam als designierter Generalbevollmächtigter in das Unternehmen. Noch im Oktober stellte Signa Sports einen Insolvenzantrag. Zeitgleich wurden die Bauarbeiten am Hamburger Prestigeprojekt Elbtower gestoppt.
Im November 2023 kam es zu weiteren dramatischen Entwicklungen: Am 8. November erklärte das Unternehmen, dass René Benko seinen Vorsitz im Beirat von Signa an Arndt Geiwitz abgeben werde. Der Restrukturierungsexperte Ralf Schmitz trat in den Vorstand ein. Am 15. November gab Signa Anteile an der britischen Kaufhauskette Selfridges an die thailändische Central Group ab. Signa hält nun 45% am Unternehmen, die Central Group 55%. Die Arbeiten an der Alten Akademie in München, einem weiteren Prestigeprojekt, wurden vorerst eingestellt. Auch die Arbeiten am Umbau des Düsseldorfer Carsch-Hauses wurden gestoppt. Was dieses Projekt betrifft, so hat die Central Group, neben Signa Anteilseigner des Carsch-Hauses, laut Medienberichten offene Rechnungen von Dienstleistern bezahlt; damit könnte die Zukunft für die Großbaustelle im Herzen von Düsseldorf gesichert sein.
Die Signa Real Estate Management Germany stellte im November in Berlin einen Insolvenzantrag. Ende des Monats folgte der Insolvenzantrag der übergeordneten Signa Holding beim Handelsgericht Wien.
Im Dezember trat der österreichische Sanierer Erhard Grossnigg als weiteres Vorstandsmitglied bei der Signa Prime Selection und der Signa Development Selection ein. Wenig später wurde deren CEO entlassen, Grossnigg übernahm das Amt des Vorstandssprechers. Drei Tochterunternehmen in Deutschland, die Signa Financial Services GmbH, die Signa REM Germany Rent GmbH und die SCAx GmbH, rutschten in die Insolvenz.
Am 19. Dezember fand eine erste Gläubigerversammlung der Signa Holding GmbH statt. Angekündigt wurde der Verkauf des Chrysler Building in New York City, die Veräußerung von Beteiligungen an österreichischen Medienunternehmen sowie der Verkauf des Privatjets der Firma. Mietverträge für zwei Wiener Nobel-Immobilien wurden gekündigt. Beirat und Executive Board der Signa Holding wurden wenig später aufgelöst.
Am 28. Dezember stellte die Signa Prime Selection beim Handelsgericht in Wien einen Insolvenzantrag. Unter das Dach der Signa Prime gehören 18 Immobilien von Galeria Karstadt Kaufhof. Einen Tag später folgte der entsprechende Antrag der Signa Development Selection. Galeria selbst gehört zur Signa-Tochter Retail Selection. Diese soll nach einem Antrag auf Nachlass-Stundung geordnet abgewickelt werden. Das kann den Verkauf der Warenhauskette zur Folge haben.