Halbzeit: Was erwarten Sie für die zweite Jahreshälfte?
Heiner van Elten: Trotz der gesamtwirtschaftlich eher verhaltenen Lage sind wir insgesamt zufrieden mit dem ersten Halbjahr. Die zweite Jahreshälfte steht ganz im Zeichen der Weltleitmesse für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit, der A+A, die Anfang November wieder in Düsseldorf stattfindet. Darüber hinaus hoffen wir auf politische Weichenstellungen, die gewerbliche und industrielle Arbeitsplätze stärken. Denn ein gesundes Gewerbe und eine gesunde Industrie bedeuten auch weiterhin Nachfrage nach hochwertigen Arbeitsschutzlösungen.
Welche technischen und materialseitigen Innovationen bringen Sie aktuell auf den Markt?
Unsere Neuheiten präsentieren wir natürlich erst im November auf der A+A. Wir haben aber immer den Anspruch, den Tragekomfort und die Sicherheit unserer Schuhe durch innovative Ideen weiterzuentwickeln. So haben wir seit kurzem ein Modell mit dem Umknickschutzsystem Betterguards auf dem Markt. Das ist eine Art Anschnallgurt für den Fuß. Im Schuhschaft ist ein intelligenter Mini-Kolben integriert. Das damit verbundene Gurtsystem liegt unsichtbar im Schuh versteckt. Sichtbar ist lediglich der Vorspanngurt des Systems, der von außen quer über den Schuh gezogen wird. Bei normalen Bewegungen bietet das System die volle Bewegungsfreiheit und aktiviert sich nur in Umknick-Situationen. Außerdem streben wir danach, Schuhe mit einer möglichst perfekten Passform anzubieten und für optimalen Tragekomfort bei unterschiedlichsten Fußformen zu sorgen. Daher entwickeln wir auch unser Mehrweitensystem fortlaufend weiter.
Wo sehen Sie für Ihr Marktsegment besonders viel Potenzial?
Die Bauindustrie ist die Lokomotive unserer Wirtschaft‘, hat die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Verena Hubertz, kürzlich im Bundestag gesagt. Wenn diese Lokomotive wieder Druck in den Kessel bekommt, wirkt sich das natürlich auch auf uns aus – denn jeder Bauarbeiter und Handwerker ist ein Sicherheitsschuhträger. Potenzial sehe ich außerdem im Bereich der Berufsschuhe, insbesondere für Pflege- und Dienstleistungsberufe, wo Tragekomfort und Gewicht eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Wer jeden Tag viele Stunden lang auf den Beinen ist, braucht einen Schuh, der auf die Gesunderhaltung der Füße ausgelegt ist. Eine vernünftig gedämpfte Sohle ist in diesen Bereichen essenziell. Wir arbeiten unter anderem mit dem Dämpfungsmaterial Infinergy von BASF. Das hat einen rückfedernden Effekt, der die Füße langsamer ermüden lässt und somit die Gelenke und den Rücken schont. In Zeiten des immer größer werdenden Fachkräftemangels ist es wichtig, alles für die Gesundheit der Mitarbeiter zu tun. Und die fängt an den Füßen an.
Im Bereich Sicherheitsschuhe wird ständig weiterentwickelt. Welche Bereiche sind für Sie besonders interessant?
Aktuell sind die Themen Leichtigkeit und modernes Design spannend – also Modelle, die den Tragekomfort eines Sneakers mit den Schutzanforderungen eines Sicherheitsschuhs verbinden. Gerade bei den jüngeren Trägern verändert sich das Nutzerverhalten spürbar. Da wird viel mehr Wert auf Style und Flexibilität gelegt. Und seien wir mal ehrlich – ein Schuh, der mir optisch überhaupt nicht gefällt, wird mit Sicherheit irgendwo drücken. Gefällt der Schuh hingegen, ist die Akzeptanz, ihn auch zu tragen um ein Vielfaches höher. Gerade im Bereich der Sicherheitsschuhe ist das ein wesentlicher Faktor.
Nennen Sie drei Schlagworte, für die Ihr Unternehmen steht.
Verlässlichkeit, Innovationskraft und eine klare Zukunftsorientierung. Diese Werte prägen die Arbeit in unserem Familienunternehmen seit mittlerweile 115 Jahren und werden es auch in Zukunft in der fünften Generation tun.