Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen wird das Interims-Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten seit dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendet. Es verbindet Märkte mit insgesamt mehr als 700 Mio. Verbrauchern und sieht einen schrittweisen Abbau von Handelsbarrieren vor. Eine aktuelle Studie von World Footwear untersucht die Auswirkungen auf Schuhe, Schuhkomponenten, Lederwaren sowie Häute und Leder.
Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay verbrauchten 2024 zusammen rund eine Milliarde Paar Schuhe. Damit ist der Mercosur der viertgrößte Schuhkonsumentenmarkt der Welt. Rund 85 % der Nachfrage entfielen auf Brasilien. Allerdings importierten die vier Länder lediglich etwa 80 Mio. Paar Schuhe. Die Größe des Verbrauchermarktes spiegelt sich somit bislang nicht in einem entsprechend hohen Importvolumen wider.
Die EU kam 2024 auf einen Verbrauch von 2,069 Milliarden Paar Schuhen und damit auf mehr als das Doppelte des Mercosur. Zudem zählen sechs EU-Mitgliedstaaten gemessen am Volumen zu den zehn größten Schuhimporteuren weltweit.
Bislang geringe Handelsströme
Schuhe aus der EU machten zuletzt lediglich 1,4 % der Schuhimporte des Mercosur nach Volumen aus. Wertmäßig lag der Anteil jedoch bei rund 6 %. Dies deutet darauf hin, dass europäische Anbieter vor allem in höherpreisigen Segmenten vertreten sind. Schuhe aus dem Mercosur erreichten umgekehrt einen Anteil von etwa 0,4 % am Importvolumen der EU und 0,2 % am Importwert. Damit ist bislang keine der beiden Regionen ein bedeutender Schuhausrüster der jeweils anderen.
Vor dem Abkommen unterschieden sich die Zollniveaus deutlich. Nach Berechnungen von World Footwear galten im Mercosur in allen vier untersuchten Produktgruppen höhere Einfuhrzölle als in der EU. Besonders groß waren die Unterschiede bei Schuhen, Komponenten und Lederwaren. Bei Häuten und Leder fiel die Differenz geringer aus.
Das Abkommen schafft die Zölle allerdings nicht einheitlich ab. Einige Abgaben sinken unmittelbar, andere werden über mehrere Jahre reduziert. Bestimmte Tarifpositionen bleiben von der Liberalisierung ausgeschlossen. Welcher Zollsatz für eine konkrete Lieferung gilt, hängt unter anderem von der exakten Warenklassifizierung, dem Zielland und dem jeweiligen Zeitpunkt ab.
Für europäische Unternehmen verbessert das Abkommen schrittweise den Zugang zum Mercosur-Markt. Bei wesentlichen Teilen des Schuh- und Lederwarenhandels bleiben die bisherigen Zölle jedoch zunächst bestehen. In der Gegenrichtung fallen die Zollsenkungen der EU laut Studie insgesamt breiter und schneller aus. Je nach Produkt und Position in der Wertschöpfungskette ergeben sich daraus neue Exportchancen, veränderte Beschaffungsmöglichkeiten und ein zunehmender Wettbewerbsdruck.