„Der europäische Markt ist in den letzten sieben Jahren stark gewachsen und ein zentraler Teil des weltweiten Blundstone-Vertriebs“, heißt es in dem Schreiben, das vor einigen Tagen an den Handel verschickt worden ist und das schuhkurier vorliegt. Verfasser ist die Central Trade Germany GmbH mit Sitz in Rheinbreitbach, die den Vertrieb von Blundstone-Produkten in Deutschland und Österreich organisiert. „Um den regionalen Fachhandel zu stärken und die Marke zu schützen, haben wir gemeinsam mit Blundstone Australia PTY Ltd. und allen EU-Distributoren eine neue Online-Guideline entwickelt, die ab dem 1. Juli 2025 in Kraft tritt“, geht das Schreiben weiter. Demnach dürfen ab diesem Zeitpunkt EU-weit keine Blundstone-Produkte mehr auf Drittplattformen oder Marktplätzen angeboten werden. Gleichzeitig will die Marke die Händler-eigenen Online-Stores ausbauen und stärken.
Bernd Hillen, Geschäftsführer von Central Trade, erklärt den Hintergrund des Schreibens gegenüber schuhkurier so: „Es gibt zunehmend Fälle, in denen europäische Händler über Marktplätze oder Drittplattformen Ware in anderen europäischen Ländern anbieten. Dabei bleibt oft der Service auf der Strecke, es gibt keinen Ansprechpartner bei Fragen oder Reklamationen, und das schadet der Marke.“ Schon länger sei das Thema daher bei Blundstone in der Diskussion. Vor einiger Zeit habe es ein Treffen von Vertretern der australischen Marke mit den zehn europäischen Distributeuren in Belgrad gegeben, bei dem die nun kommunizierte Entscheidung getroffen worden war. „Jeder Distributeur bedient seinen Markt als exklusives Territorium, investiert in Marketing und betreut die Händler. Wir wollen diese Händler stärken, stationär und online. Wir haben festgestellt, dass speziell auf Marktplätzen oder bei Drittanbietern die Marke oft nicht so dargestellt wird, wie wir uns das wünschen“, so Hillen.
Zu Nutze macht sich Blundstone bei der Entscheidung die Vertikal-Gruppenfreistellungsverordnung der EU. Sie soll einen verlässlichen rechtlichen Rahmen bilden, in dem Hersteller und Händler ihre Geschäftsbeziehung regeln können.
Zunächst soll das Blundstone Geschäft über Marktplätze oder Drittanbieter ab dem 1. Juli 2025 eingestellt werden. Bernd Hillen betont, man werde mit jedem Händler das Gespräch suchen und Lösungen erarbeiten. Angedacht sei auch, bestimmte Marktplätze in einem nächsten Schritt wieder zu öffnen. Dass betroffene Händler angesichts der Entscheidung von Blundstone mit Umsatzeinbußen rechnen müssen, ist Hillen bewusst. „Deshalb informieren wir unsere Händler schon zum frühen Zeitpunkt, damit sie Klarheit haben.“ Blundstone werde zur Unterstützung von betroffenen Händlern auch in lokale Werbung investieren.
Er glaube an den stationären und auch an den von Händlern selbst betriebenen Onlinehandel, betont der Schuhexperte. Mit der neuen Regelung bei Blundstone könne künftig ausgeschlossen werden, dass Händler aus anderen europäischen Ländern deutschen Händlern Umsätze wegnehmen.
Ausdrücklich betont Hillen, dass sich Blundstone nicht aus der Zusammenarbeit mit dem Handel verabschiede. „Jeder unserer Schuhe darf auch weiterhin im händlereigenen Onlineshop angeboten werden. Wir wollen Onlinehandel, aber mit dem erforderlichen Service.“
Die Central Trade GmbH betreut in Deutschland etwa 500 Blundstone-Händler. Der D2C-Anteil von Blundstone liegt laut Schätzungen bei 6 bis 7%.