Die deutsche Lederwaren- und Kofferindustrie hat im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 233,3 Millionen Euro erzielt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Rückgang um 1,1 Prozent. Damit stabilisierten sich die Verkaufserlöse nach dem starken Umsatzeinbruch von 2024 auf 2025 auf niedrigem Niveau, wie der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) anlässlich der Internationalen Lederwarenmesse (ILM) im August 2026 mitteilt.
Auf dem deutschen Markt sanken die Umsätze um 1,3 Prozent auf 162,5 Millionen Euro. Das Auslandsgeschäft ging um 0,6 Prozent auf 70,8 Millionen Euro zurück. Deutlicher fiel der Beschäftigungsabbau aus: In Betrieben mit mindestens 50 Beschäftigten sank die Zahl der Mitarbeitenden um 11,1 Prozent auf 760. Insgesamt geht der Verband von rund 2.300 Beschäftigten in der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie aus.
„Die Lederwaren- und Kofferhersteller richten ihren Blick nach vorn. Reisen, Mobilität und der Wunsch nach Qualität und individuellem Stil sind starke Wachstumstreiber. Innovative Materialien und intelligente Produktlösungen eröffnen der Branche im In- und Ausland neue Chancen“, erklärt Torben Schütz, Hauptgeschäftsführer des HDS/L.
Die Erzeugerpreise für Lederwaren stiegen im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,0 Prozent. Die Verbraucherpreise für Lederwaren gingen dagegen insgesamt um 0,5 Prozent zurück. Koffer und Reisetaschen verbilligten sich um 3,1 Prozent, Schulranzen und Schulrucksäcke um 1,0 Prozent. Bei Handtaschen und Geldbörsen blieben die Preise mit Rückgängen von 0,1 beziehungsweise 0,2 Prozent nahezu stabil.
Exporte wachsen trotz schwierigen Marktumfelds
Im Außenhandel entwickelte sich die Ausfuhr positiv. Von Januar bis Juni 2026 wurden Lederwaren und Koffer im Wert von rund 1,3 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert. Das waren 1,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Wichtigste Abnehmerländer waren Polen mit 181,7 Millionen Euro und die Schweiz mit 128,7 Millionen Euro. Auch die Exporte in die USA und nach Großbritannien legten zu, während die Ausfuhren nach Frankreich, Österreich, Italien und China zurückgingen.
Die Einfuhren von Lederwaren, Koffern und Reisegepäck sanken hingegen um 7,9 Prozent auf rund 2,1 Milliarden Euro. China blieb mit einem Importwert von 866,4 Millionen Euro das wichtigste Lieferland, sein Anteil am gesamten Importwert verringerte sich jedoch von 44,2 auf 42,0 Prozent. Italien folgte mit 271,9 Millionen Euro auf dem zweiten Rang.
Für die kommenden Monate erwartet der Verband weiterhin ein anspruchsvolles Marktumfeld. Spannungen im Nahen Osten treiben Energie-, Transport- und Rohstoffkosten und führen teilweise zu höheren Frachtraten sowie längeren Transportzeiten. Gleichzeitig belastet die Konsumzurückhaltung in Deutschland die Nachfrage.
Chancen sieht die Branche in der weiterhin hohen Reiselust. Im ersten Halbjahr 2026 erreichten die deutschen Beherbergungsbetriebe mit 223,8 Millionen Übernachtungen einen neuen Rekordwert. Hersteller und Marken seien dennoch gefordert, ihre Lieferketten flexibel zu steuern, die Kostenentwicklung aufmerksam zu verfolgen und mit funktionellen sowie attraktiven Produkten auf die veränderten Bedürfnisse der Verbraucher zu reagieren.