Die Orderrunde neigt sich langsam dem Ende zu. Das war beim Rexor Trend Day in Mönchengladbach durchaus zu spüren. Für viele Händler gehört Mönchengladbach zu den letzten Terminen der Saison – vor der Micam in Mailand und der Essenz in München. Trotzdem herrschte im offenen und lichtdurchfluteten Hangar des Flughafens insgesamt eine positive Grundstimmung.
Für einige sorgt die modische Entwicklung für etwas mehr Freude am Einkauf. „Die Leute haben wieder mehr Lust auf Mode, und das merkt man im Verkauf“, sagt Raimund Cordes (Cordes Schuhe). Sein Geschäft sehe heute deutlich anders aus als noch vor einiger Zeit: weniger Sneaker, dafür mehr Loafer, Absätze und spitze Formen. Für Cordes macht das auch die Order wieder interessanter, weil mehr unterschiedliche Themen möglich sind.
Dieser Eindruck zog sich auch durch andere Gespräche. Ballerinas, Loafer und Mules bleiben wichtige Styles, dazu kommen flache, flexible Modelle und das Barfußsegment. Jürgen Klein (Copenhagen Shoes) sieht unter anderem gelaserte und perforierte Ballerinas sowie Zehentrenner im Kommen. Meritxell Guasch (MG Showroom) beobachtet ebenfalls eine stärkere Nachfrage nach flacheren und weicheren Schuhen. Gleichzeitig würden viele Händler bei neuen Modellen vorsichtiger agieren und stärker auf Bewährtes setzen.
Andere suchten im Gegenteil ganz bewusst nach Produkten abseits der großen Trends. Ute Herzog-Unger von Andante in Bonn etwa hielt Ausschau nach besonderen Modellen und kleineren Marken. Ihr sei wichtig, den Kundinnen Schuhe anbieten zu können, „die nicht woanders stehen“ – gerade bei einer hohen Vergleichbarkeit im Markt.
Wie stark sich die viel besprochene neue Eleganz tatsächlich durchsetzen wird, ist allerdings noch nicht für alle klar. Rüdiger Schäfer (Schuhhaus Stephan) suchte in Mönchengladbach vor allem nach einzelnen modischen Ergänzungen für sein komfortorientiertes Sortiment. Für ihn stellt sich die Frage, wie viel Eleganz die Kundinnen am Ende wirklich wollen und welche Themen tatsächlich verkauft werden.
Auch die Entwicklung des stationären Handels ist und bleibt ein Thema. Patrick Vanneste (Cycleur de Luxe/Maison C) sieht vor allem bei den Händlern Chancen, die ihren Kunden mehr Erlebnis und Abwechslung bieten. Schuhe mit Bekleidung oder Accessoires zu kombinieren, könne dazu beitragen, neue und auch jüngere Zielgruppen wieder stärker ins Geschäft zu holen: „Es geht um Differenzierung, Inspiration und ein Sortiment, das wieder Neugier weckt und ein Erlebnisgefühl schafft.“
Natalie Levy (Marian) sieht ebenfalls Potenzial darin, wieder etwas mutiger einzukaufen. Wenn Händler nur noch auf sichere Produkte setzten, fehle am Ende auch den Kunden der Anreiz, etwas Neues zu entdecken. Schuhe müssten ihrer Meinung nach vor allem eines bleiben: Lustkäufe. „Würden wir sie nur aus Vernunft kaufen, hätten wir bereits für die nächsten drei Leben genug Schuhe im Schrank.“