Wie ist das Jahr 2018 bislang für Solidus gelaufen?
Wir können zufrieden sein. Angesichts der durchaus schwierigen Rahmenbedingungen haben wir gute Ergebnisse erzielt. Vor allem in der vergangenen Frühjahr/Sommer-Saison konnten wir zulegen und auch die Vororder für Herbst/Winter lief positiv.
Wie hat sich Solidus speziell in Deutschland entwickelt?
Ebenfalls gut. Wir konnten zum ersten Mal seit Längerem wieder zahlreiche Neukunden gewinnen. Besonders gefreut hat mich, dass viele Kunden von sich aus den Kontakt zu uns gesucht haben. Vor allem unser Lookbook hat sich dabei als wichtiger ’Türöffner‘ erwiesen. So wurde für viele unser Verjüngungskurs erstmals sichtbar.
Stichwort Verjüngung. Ist Solidus hier bereits am Ziel angekommen?
Die Arbeit an der Kollektion ist ein kontinuierlicher Prozess, der niemals wirklich abgeschlossen ist. Vielmehr müssen wir immer am Ball bleiben und dürfen uns nicht auf dem bisher Erreichten ausruhen. Das erfordert sehr viel Engagement vom gesamten Team – und natürlich müssen wir auch die Kunden im Handel auf unserem Weg mitnehmen. Im Übrigen haben wir zuletzt nicht nur an einer optischen Verjüngung gearbeitet. So war Solidus in der Vergangenheit vor allem auf hohe Weiten spezialisiert. Auch das haben wir geändert. Heute bieten wir erfolgreich auch schmalere wie G & H Weiten an.
Seit 2010 ist Solidus Teil der Berkemann-Gruppe. Was hat sich seitdem verändert?
Extrem viel. Vor allem hier vor Ort in Tuttlingen waren die Auswirkungen gravierend. Schließlich wurde im Zuge der Übernahme die Produktion geschlossen. Umso mehr freut es mich, dass wir hier am Standort heute über ein großartiges Team verfügen. Eine spannende Veränderung betrifft zudem unseren Firmenstandort, der seit kurzem unter der Bezeichnung ’SolidAreal‘ läuft. So haben wir freie Räumlichkeiten an junge Start-Ups vermietet, die unter anderem in den Bereichen Architektur, 3D-Druck und Virtual bzw. Augmented Reality aktiv sind. Dadurch ist in dem Gebäude eine sehr lebendige und dynamische Atmosphäre entstanden.
Wie profitiert Solidus von der Zugehörigkeit zu Berkemann?
Zunächst mal bietet uns die Bauerfeind AG aus Zeulenroda eine ganze Reihe praktischer Vorteile. Das betrifft zum Beispiel die IT. Als kleines Unternehmen käme für uns ansonsten die Nutzung von SAP nicht in Frage. Positiv ist auch die Bündelung des Einkaufs in Ungarn, wo Berkemann ein eigenes Werk betreibt. In der Entwicklung und Produktion von Strickschuhen konnten wir zudem auf das Know-how von Bauerfeind zurückgreifen, bei denen bereits seit vielen Jahren Bandagen über Strickmaschinen gefertigt werden.
Besteht die Gefahr, dass die Kollektionen der unterschiedlichen Marken der Gruppe ihre Eigenständigkeit verlieren?
Nein, ganz im Gegenteil. Thomas Bauerfeind achtet sehr darauf, dass die unterschiedlichen Marken eigenständig bleiben. Das wird bereits durch die räumliche Distanz zwischen Tuttlingen und Zeulenroda gewährleistet. Und darüber hinaus kann jede Marke für sich Kollektionen entwickeln und agiert auch im Vertrieb vollkommen unabhängig.
Für den Handel verlief das erste Halbjahr nicht zufriedenstellend. Was erwarten Sie von der Orderrunde für Frühjahr/ Sommer 2019?
Der Handel wurde durch die vergangenen Monate arg gebeutelt. Das bereitet natürlich auch uns Sorgen und erschwert zugleich die Planungen. Wir sind aufgrund guter Abverkäufe und neuer Entwicklungen jedoch für die Saison FS 19 optimistisch. Nichtsdestotrotz sind wir weiterhin für den Fachhandel da und unterstützen ihn durch verstärkte Marketing-Maßnahmen.
Wie unterstützen Sie die Fachhändler, um mehr Kunden für den Kauf im Geschäft zu bewegen?
Unsere Fachhändler erhalten eine Vielzahl an verschiedenen Werbemöglichkeiten, die ganz individuell eingesetzt werden können. Wir setzen bei unseren Marketingaktivitäten gerne auf eine crossmediale Nutzung. Über Aufsteller im Geschäft, Direktmailings, Prospekte, DIN Lang Karten und Werbung auf den Social Media Kanälen können die Kunden gezielt angesprochen werden. Für die Erfolgskontrolle empfehlen wir den Fachhändlern, einen Rabattcoupon beizulegen oder auf Facebook eine spezifische Zielgruppe auszuwählen. Bei vergangenen Aktionen konnte dadurch genau analysiert werden, über welche Kanäle Kunden beispielsweise auf Aktionstage aufmerksam wurden. Des weiteren wird etwa unser Nachlieferprogramm ausgebaut und es ist uns gelungen, die Preislagen stabil zu halten.
Im September stellt Solidus erstmals auf der Micam in Mailand aus. Warum?
Wir versprechen uns davon mehr Internationalität. Unsere bestehenden Kunden kommen auch auf die Gallery Shoes nach Düsseldorf, aber wir wollen Neukunden gewinnen. Daher ist die Entscheidung auch für die Micam gefallen.
Welche Themen stehen in der Kollektion für F/S 2019 im Mittelpunkt?
Wir haben den Bereich Stretch sowie den Bereich Soliknit weiter ausgebaut. Außerdem setzen wir neben unseren sportiven Strickschuhen auch auf unsere erfolgreichen Sneaker, die in den vergangenen Saisons maßgeblich zum Imagewandel von Solidus beigetragen haben. Die neue Solifit Reihe überzeugt mit verbesserter Polsterung in der Sohle und einer extra elastischen Laufsohle. Für die perfekte Dämpfung und bestes Abrollen beim Gehen. Die Sandalen und Pantoletten ’Kirsten‘ sind mit ihrem stylischen Design der perfekte Begleiter für warme Sommertage. Die Halbschuhe Kathy überzeugen mit entspannter Eleganz und trendstarkem Korkelement an der Sohle. Komfort, der sich auch modisch sehen lassen kann.
Über Solidus
Das Mutter-Unternehmen Solidschuhwerk wurde 1910 von Georg W. Martin in Tuttlingen gegründet – einem ehemaligen Rieker-Prokuristen. Nur ein Jahr später nutzte Solidschuhwerk als erste Schuhfabrik in Deutschland das neu entwickelte AGO-Verfahren. In den 80er-Jahren wurde die Produktion zunehmend ins Ausland verlagert; heute werden Schuhe von Solidus zu 100% in Kroatien produziert. 2010 wurde Solidus von der Berkemann-Gruppe unter Leitung von Thomas Bauerfeind übernommen. Seit dem 1. November 2016 ist Yvonne Breinlinger-Scheuring Geschäftsführerin.