Am Morgen des 9. September (Dienstag) ging in weiten Teilen Berlins nichts mehr. Unbekannte hatten zwei Strommasten im Stadtteil Johannisthal in Brand gesetzt, woraufhin der Strom in einem größeren Stadtgebiet ausfiel. Zunächst waren 50.000 Haushalte in Johannisthal, Bohnsdorf, Niederschöneweide, Grünau, Adlershof, Altglienicke und umliegenden Ortschaften betroffen.
Einen Tag nach dem Brandanschlag war nur etwa die Hälfte der betroffenen Haushalte und Unternehmen wieder mit Strom versorgt.
Johannisthal liegt im Südosten Berlins und nördlich des Flughafens BER. In einem Gewerbegebiet unweit des Ortes, an dem die Strommasten in Brand gesetzt wurden, hat das Schuhhandelsunternehmen Aktiv-Schuh der Familie Leinweber seine Zentrale nebst Logistik – und ist massiv betroffen. „Wir sind quasi lahmgelegt“, berichtet Unternehmer Timo Leinweber auf schuhkurier-Anfrage. Vom Warenein- und -ausgang über Onlinebuchungen und Versand bis hin zum Ausdrucken von Lieferscheinen und die Benutzung der Telefonanlage seien die Auswirkungen des Stromausfalls massiv. „Und es bringt auch nichts, wenn Mitarbeitende im Homeoffice bleiben. Viele wohnen in der Nähe der Firmenzentrale und haben zuhause auch keinen Strom“, so Leinweber. Hinzu komme die private Belastung von Familien, weil Schulen und Kitas geschlossen seien und sogar Pflegeheime evakuiert werden mussten.
Mit eigens beschafften Generatoren will die Händlerfamilie nun alles daran setzen, dass wenigstens einige Bereiche im Unternehmen funktionieren und beispielsweise Handys aufgeladen werden können. „Wir sind mitten in der Order. Die Situation kostet uns Nerven, Zeit, Organisation und Geld. Was es uns am Ende kosten wird, lässt sich derzeit schwer definieren“, so Leinweber, der sich im übrigen ein Statement der Politik zu dem Vorfall gewünscht hätte.
Ordertermine in der Aktiv Schuh-Firmenzentrale müssen aktuell ohne elektrisches Licht stattfinden. „Zur Not gehen wir mit den Schuhen raus, wenn es drinnen doch zu dunkel ist“, so Leinweber.
Noch bis zum Abend des 11. September sollen die Reparaturen andauern.
Zu dem Anschlag hat sich laut Medienberichten eine linksradikale Organisation bekannt.