„Es gibt aktuell wirklich wichtigere Themen“

HDS/L kritisiert Lieferkettengesetz

Manfred Junkert (Foto: Messe Düsseldorf/Constanze Tillmann)
Manfred Junkert (Foto: Messe Düsseldorf/Constanze Tillmann)

Das Lieferkettengesetz kommt. Am 12. Februar haben sich die beteiligten Ministerien auf einen Entwurf geeinigt. Kritik kommt vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L).

Gemäß dem Referentenentwurf soll das sogenannte Sorgfaltspflichtengesetz vom 1. Januar 2023 für Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitern gelten und ab Anfang 2024 auch für Firmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten. Das Gesetz soll die Unternehmen verpflichten, bei ausländischen Lieferanten die Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards durchzusetzen.

„Die mittelständisch aufgestellte deutsche Schuh- und Lederwarenindustrie ist dank PFI und nicht zuletzt durch die langjährige Arbeit von CADS im internationalen Vergleich in Sachen Umwelt und Soziales sehr gut aufgestellt. Die Einhaltung der Menschenrechte gehört für alle Mitgliedsunternehmen des HDS/L weltweit zum Grundverständnis“, erklärt Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des HDS/L. „Wir verfolgen die Beratungen der Bundesregierung zum Sorgfaltspflichtengesetz mit großer Aufmerksamkeit. Abgesehen davon, dass es für international tätige Schuhhersteller nicht möglich ist, für Bereiche zu haften, die kaum erfasst werden können – wie will man das juristisch sicher stellen – , finden wir den Zeitpunkt für das neue Gesetz sehr unpassend gewählt“, so Junkert weiter. Die Corona-Epidemie stelle alle Unternehmen ohnehin schon vor große Herausforderungen. Die Branche habe in diesen Tagen wichtigere Themen auf der Agenda. Manfred Junkert: „Es ist bemerkenswert, wie viele Kapazitäten die Bundesregierung für ein neues Gesetz hat, während die Unternehmen der Schuh- und Lederwarenindustrie seit Monaten auf Corona-Hilfen warten und ihre hochwertigen Produkte in den geschlossenen Geschäften nicht verkauft werden können. Wer seine eigene heimische Industrie sehenden Auges im Stich lässt, muss sich am Ende nicht wundern, wenn ausgerechnet die Unternehmen die Corona-Pandemie nicht überleben, die weltweit für höchste Sozial- und Umweltstandards stehen.“

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Helge Neumann / 15.02.2021 - 09:23 Uhr

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