Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland bleibt auf Rekordniveau. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte der Kreditversicherer Allianz Trade 33 Insolvenzen von Unternehmen mit mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz. Das entspricht einem Anstieg um 10 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders betroffen waren die Automobilbranche mit sieben Fällen und der Einzelhandel mit fünf Fällen. Dahinter folgten Maschinenbau und Dienstleistungen mit jeweils vier Großinsolvenzen.
„Es gibt auch 2026 keine Verschnaufpause bei den Großinsolvenzen“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Der Negativtrend aus dem Vorjahr verfestigt sich. Das ist ein Warnsignal für die deutsche Wirtschaft. Es zeigt, dass der Anpassungsdruck in vielen Branchen weiterhin enorm ist. Großunternehmen stehen häufig im Zentrum komplexer Wertschöpfungsketten. Fällt ein Marktteilnehmer dieser Größenordnung aus, geraten oftmals auch Zulieferer, Dienstleister und andere Geschäftspartner unter Druck.“
Der kumulierte Jahresumsatz der insolventen Großunternehmen erhöhte sich im ersten Halbjahr um 3 % auf rund 4,5 Mrd. Euro. Der durchschnittliche Umsatz der betroffenen Unternehmen sank hingegen um knapp 7 % auf etwa 137 Mio. Euro. Laut Allianz Trade waren damit zuletzt etwas kleinere Unternehmen betroffen. Das Risiko für Lieferanten und Kreditgeber bleibe angesichts der hohen Fallzahlen dennoch erheblich.
In den vergangenen vier Quartalen zählte Allianz Trade weltweit 504 Großinsolvenzen. Davon entfielen 325 Fälle auf Westeuropa. Deutschland lag mit 97 Fällen beziehungsweise einem Anteil von rund 30 % vor Frankreich mit 69, Italien mit 62 und Großbritannien mit 45 Fällen.
Auch weltweit zeigt die Entwicklung nach oben. Im ersten Halbjahr 2026 wurden insgesamt 247 Großinsolvenzen erfasst, 13 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Einzelhandel führte das Branchenranking mit 59 Fällen an. Es folgten der Dienstleistungssektor mit 38 und das Baugewerbe mit 33 Fällen. Mehr als 60 % aller weltweit erfassten Großinsolvenzen entfielen auf Westeuropa.
„Die Zahl der Großinsolvenzen steigt in vielen Regionen der Welt. Westeuropa bleibt jedoch besonders betroffen und steht für mehr als 60 Prozent aller weltweit erfassten Fälle“, sagt Maxime Lemerle, Leiter der Insolvenzforschung bei Allianz Trade. „Das zeigt: Die wirtschaftliche Erholung vieler europäischer Industriebranchen bleibt fragil. Besonders Unternehmen in energieintensiven und kapitalintensiven Bereichen stehen weiterhin unter erheblichem Druck. Dadurch steigt die Anfälligkeit für größere Unternehmensausfälle.“