Kinder, Wellness und Outdoor – das sind traditionell die Schwerpunktthemen der ANWR Second. Die Messe blieb beim Besucheraufkommen auf Vorjahresniveau: 360 Mitgliedsunternehmen machten sich auf den Weg nach Mainhausen, um neue Impulse für die Sortimente zu suchen.
Stichwort Impulse: Die ANWR hatte für den Handel eine Neuerung im Programm. Insgesamt fünf Mal kamen Vertreter aus Handel und Industrie zu so genannten ‘Impulsgesprächen’ im Kids Bereich zusammen. Diskutiert wurden dabei verschiedene Aspekte rund um das Thema Kinderschuhe. Den Anfang machte die Mode. Aus Sicht der Industrie kann mit Blick auf H/W 2013/14 von einer gewissen Beruhigung gesprochen werden. Die allzu bunten, grellen Zeiten scheinen vorübergehend vorbei. Sehr kindliche Themen wie Applikationen und Glitzerelemente bleiben den ganz Kleinen vorbehalten. Allerdings kann von Farblosigkeit insgesamt keine Rede sein. Es dominieren dunkle Töne von Schwarz bis Braun, aber auch Dunkelblau (gilt als Geheimtipp!), Beerentöne und Dunkelgrün. Als Akzentfarben werden Neons gut besprochen, die z.B. im Sohlenbereich oder als Schnürung eine wahrhaft frische Optik bringen. Chucks-Varianten bleiben vor allem bei Jungen wichtig. Im Mädchenbereich empfehlen sich kurze Booties. Auch der Bergsteigerlook bleibt spannend. Wichtig ist nach wie vor, dass Tendenzen aus der ‘Erwachsenen-Mode’ auf Kinderschuhe heruntergebrochen werden – dies inzwischen auch bei kleineren Größen.
Einfacher wird das Kinderschuhsegment nicht. Die letzte H/W-Saison war nicht überragend; der Bedarf hat gefehlt. Zu sehr konzentriere sich der Handel auf das Thema Funktion. Diese sei zwar wichtig, um maximalen Komfort für Kinderfüße zu gewährleisten – aber eben nicht alles. “Man braucht den Mut, neue Dinge anzugehen. Das geht nicht nur über Funktion”, so Hermann Mayer von Vado.
Ist die ansprechende Präsentation von Kinderschuhen eine Frage des Raumes? “Nein”, ist Marlies Hüser, Schuhhändlerin aus Emsdetten, überzeugt. “Es kommt nicht auf Raummeter an, wir brauchen Seelenmeter. Das ist das Entscheidende.” Ware sei überall zu bekommen. Gerade auch die Konkurrenzsituation mit dem Onlinehandel zwinge stationäre Kinderschuhhändler dazu, sich intensiv mit seiner Zielgruppe auseinanderzusetzen und besonders auf Emotionen zu setzen, schildert Schuhhändler Raimund Cordes.
Dass dafür manchmal weniger mehr ist, bestätigt Händlerin Dagmar Krause: “Es braucht keine ausgefeilte Elektronik, um Kinder bei Laune zu halten.” Keine kaputten Spielzeuge, eine gewisse Hygiene, ein ruhiges, angenehmes Ambiente – das sind für Dagmar Krause die wesentlichen Elemente. Wichtig sei es vielmehr, dass sich Kinder – und Mütter – ernst genommen fühlen. Und das wiederum liegt im Wesentlichen in den Händen des kompetenten, einfühlsamen und motivierten Verkaufspersonals. “Ich brauche kein Klettergerüst, kein Ballbad. Wir sind kein Spielplatz, wir verkaufen Kinderschuhe”, erklärt Andreas Pross, Schuhhändler aus Freiburg.
Immer früher müssen sich Händler mit dem Kinderschuhsortiment befassen, denn zahlreiche Kollektionen für H/W sind schon zum Ende des Vorjahres fertig und können – oder müssen – geordert werden. Als Höhepunkt definieren viele Händler die ANWR Second, so auch Beate Urlitzki vom Schuhhaus Schlatholt. Umso schwieriger ist es, die nötigen Innovationen im Sortiment darzustellen. Petra Fasold, ANWR: “50% Basics müssen sein, die andere Hälfte sollte den Innovationen vorbehalten sein.”
Nicht neu, aber spannend ist das Thema Outdoor auch im Kinderschuhbereich. Marken wie Jack Wolfskin und Meindl haben den Schuhfachhandel schon seit einigen Saisons erobert. Outdoor biete dem Schuhfachhandel gute Möglichkeiten, mehr Schuhe zu verkaufen. “Konsumenten suchen immer mehr diese Schuhtypen, denn sie bieten viele Vorteile”, so Lars Meindl vom gleichnamigen Schuhanbieter. Wichtig sei das ausgewogene Sortiment. Impulse hin oder her: Die Stimmung auf der ANWR Second war insgesamt von Vorsicht geprägt. Die Händler hatten teils schon bei der Anreise erschwerte Bedingungen – schließlich meldete sich der Winter mit Macht zurück – und sie taten sich dann auch sichtlich schwer damit, die neuen Sortimente mit Euphorie anzugehen.
“Es ist sehr schade zu sehen, wie sehr der Fachhandel vom Wetter abhängt”, erklärt Frank Vogel, der seine Kollektion Brako im Wellness-Bereich präsentierte. “Wir empfehlen dem Handel, sich mit Farben und Formen auseinanderzusetzen und Neues zu zeigen.” Das sei aber auch vor dem Hintergrund einer schwierigen H/W-Saison nicht unbedingt einfach. Viel zu sehr gehe der Handel auf Nummer sicher.
Eine gewisse verhaltene Stimmung machte auch Sandor Varga von Romika aus. Es sei deutlich spürbar, dass gerade der Februar keine erfreulichen Resultate gebracht habe, so der Repräsentant. Feststellbar sei vor diesem Hintergrund ein gewisser Hang des Handels zum Standard. Dabei war Farbe durchaus ein Thema in den Kollektionen: Vor allem leuchtendes Rot setzte einen schönen Kontrapunkt zum allseits dominierenden Schwarz. Auch Braunnuancen sowie Dunkelblau gehören zu den farblichen Favoriten, gern auch inszeniert mit schönen Details wie Riemchen, Schnallen oder auch Nieten, die – in Maßen – auch im Wellness-Segment ihre Berechtigung haben.
Bei den Herren stehen alle Zeichen weiter auf kernig-robust. Bergsteiger-Anleihen kommen ebenso zum Tragen wie alles, was sich optisch irgendwo zwischen Chucks und normalem Schnürschuh sortiert. Die Böden sind stärker profiliert; es dominiert die Palette der Grau- und Braunnuancen.
Outdoor bleibt, was es ist: Ein verlässliches Thema für den Schuhfachhandel insgesamt. “Es war ein sehr langer Winter. Da machen alle funktionellen Themen für Erwachsene durchaus Sinn”, so Rainer Pfeiffer von Jack Wolfskin. Etwas mehr Interesse des Handels habe er sich indes schon gewünscht.