Der Unternehmer Noel Lorenz gab einen Überblick über den aktuellen Stand der generativen KI und zeigte praxisnahe Einsatzmöglichkeiten für den Schuhhandel und die Orthopädieschuhtechnik.
„KI ist auf jeden Fall ein Hype-Thema, es nervt viele“, führte Noel Lorenz, Unternehmer und Experte für generative KI, in seinen Vortrag ein. Gleichzeitig machte er deutlich: Die Technologie ist längst im betrieblichen Alltag angekommen und bietet konkrete wirtschaftliche Potenziale.
Lorenz beschäftigt sich seit mehreren Jahren intensiv mit KI-Anwendungen und entwickelt Lösungen für große Unternehmen ebenso wie für den Mittelstand. Seine Einordnung: Die aktuelle Dynamik ist kein kurzfristiger Trend, sondern das Ergebnis einer technologischen Entwicklung, die bereits vor Jahren begonnen hat und nun ihre Wirkung entfaltet. Ein wesentlicher Treiber ist die starke Verbesserung der Modelle bei gleichzeitig sinkenden Kosten. Unternehmen können heute gezielt entscheiden, welche Art von KI sie einsetzen. Dabei müssten sie jedoch nach Anforderung in Bezug auf Leistungsfähigkeit, Geschwindigkeit und Budget unterscheiden. „Die Kostenvarianz bei KI-Modellen ist brutal“, so Lorenz. Hochleistungsmodelle seien teils „Faktor 100“ teurer als einfache Varianten, die für viele Anwendungen jedoch völlig ausreichen.
Parallel dazu wächst die Zahl verfügbarer Systeme rasant. Neben Angeboten großer US-Anbieter gewinnen auch Open-Source-Modelle an Bedeutung, die sich auf eigenen Servern betreiben lassen. Diese bieten mehr Kontrolle über Daten, erfordern jedoch zusätzliche technische Ressourcen.
Für Betriebe im Schuhhandel und in der Orthopädieschuhtechnik sieht Lorenz vor allem in sogenannten KI-Agenten großes Potenzial. Diese Systeme gehen über klassische Chatbots hinaus. Sie können eigenständig Aufgaben bearbeiten, auf verschiedene Softwarelösungen zugreifen und Prozesse automatisieren.
Ein zentrales Einsatzfeld ist die Kundenkommunikation. KI kann Produktberatungen übernehmen, Anfragen beantworten oder Bestellungen begleiten – etwa über Website-Chat, Messenger-Dienste oder perspektivisch auch per Telefon. Voraussetzung ist eine strukturierte Datenbasis, etwa durch gepflegte Produktinformationen und klare Vorgaben für das Verhalten der Systeme. Auch im Marketing könnte der Handel auf künstliche Intelligenz setzen. Statt standardisierter Ansprache lassen sich Inhalte individuell auf einzelne Kunden zuschneiden. Newsletter, Produktempfehlungen oder Zusatzservices können so personalisiert ausgespielt werden, was die Kundenbindung stärkt und die Abschlussquoten erhöht.
Darüber hinaus verschiebt sich die digitale Sichtbarkeit: Klassische Suchmaschinen verlieren insbesondere bei jüngeren Zielgruppen an Bedeutung. Stattdessen werden KI-Systeme zunehmend zur ersten Anlaufstelle für Empfehlungen. Für Unternehmen entsteht daraus ein neues Aufgabenfeld: Neben SEO gewinnt die Platzierung in KI-generierten Antworten an Relevanz. Gleichzeitig machte Lorenz deutlich, dass neben den Chancen auch Risiken bestehen. Fragen zu Datenschutz, Regulierung und Haftung seien weiterhin offen. So weisen Anbieter selbst darauf hin, dass Ergebnisse überprüft werden müssen. Fehlerhafte Inhalte können nicht ausgeschlossen werden und die Verantwortung bleibt beim Anwender.
Noel Lorenz’ Tipp für die Branche: Unternehmen sollten sich nicht vom Hype treiben lassen, aber aktiv Erfahrungen sammeln. Wer frühzeitig sinnvolle Anwendungen identifiziert und implementiert, kann Prozesse effizienter gestalten und sich Wettbewerbsvorteile sichern.