schuhkurier: Herr Dr. Rassau, beschreiben Sie bitte Ara in drei knackigen Worten:
Dr. Stefan Rassau: Erstens: Eigenständig. Das ist wichtig auch vor dem Hintergrund der Historie. Wir sind endlich eigenständig und können fokussiert an der Marke arbeiten. Vorher war das Unternehmen ein Konzern mit mehreren Marken und entsprechender Aufteilung der Aufmerksamkeit. Nun haben wir volle Aufmerksamkeit für Ara. Wir haben es in der Hand, zu gestalten. Zweitens: Vertikal. Von der Produktion bis zur Fläche bespielen wir alles. Das macht es spannend! Und es gibt enorme Möglichkeiten, Veränderungen zu realisieren. Wir können das Sortiment so kreieren, dass es für die Konsumentin richtig ist, und den Point of Sale so darstellen, wie wir uns das vorstellen. Es ist für uns dadurch schnell möglich, Dinge zu verändern. Drittens: Innovativ. Das gilt jetzt schon und auch in Zukunft. Ich trage selbst gerade Ara-Schuhe – ein „Easy-to-go“-Modell, das wahrscheinlich von jung bis alt geschätzt wird. Auch unser MotionKonzept ist sehr innovativ. Das sind Themen, die uns durch die nächste Zeit tragen werden.
Welche Herausforderungen haben Sie gemeinsam mit dem Ara-Team auf der Agenda?
Dr. Stefan Rassau: Mit Blick auf das Team ist es eine Herausforderung, wirklich eines zu werden. Ich bin sehr davon überzeugt, dass die Kultur und das Teamwork sehr großen Einfluss auf den Erfolg haben. Ich bin daher auch sehr happy, dass wir demnächst umziehen. Dadurch wird ein Schalter umgelegt und wir können ein Ara aufbauen, für das wir gern arbeiten. Ein Unternehmen, das auch Außenstehende beeindruckt und in dem wir hervorragende Schuhe machen werden. In den jetzigen überdimensionierten Räumlichkeiten ist dieser Teamgeist nicht möglich. Das werden wir also ändern.
Sascha Müller: Wir sind nicht nur mit unseren Produkten auf dem Weg in eine neue Richtung, sondern auch mit der Unternehmenskultur. Mit den Schritten, die wir die letzten Jahre gemacht haben, sind auch neue Leute dazu gekommen. Unsere Unternehmenskultur wird noch ein bisschen dadurch gebremst, dass wir an unserem Standort so weit auseinander sitzen. Die alten Hallen sind auch durch die Ereignisse der letzten Jahre belastet. In den neuen Räumlichkeiten wird es einen Schub für unseren Kulturwandel geben. Wir freuen uns darauf – und die Kollegen auch.
Dr. Stefan Rassau: Schon bei den ersten Begegnungen, die ich in der Firma hatte, habe ich den Eindruck gewonnen: Die Leute haben Lust auf etwas Neues, sie haben Lust auf Veränderungen, sie haben Lust, mitzumachen. Das ist sehr viel wert. Wenn das Mindset da ist, können wir Dinge bewegen. Das ist ein ganz wesentliches Asset. Weitere Herausforderungen sind sicherlich, ein einheitliches Bild der Marke zu schaffen, die Marke zu schärfen und klar darzustellen. Ich bin davon überzeugt, dass das wichtig ist. Wenn man den Gesamtmarkt nimmt, dann braucht ein Unternehmen Relevanz auch über seine Marke, nicht allein über das Produkt. Es gibt so viele Produkte da draußen, da muss ich meine Handschrift darstellen, und zwar in allen Formaten. Für wen machen wir das, warum braucht unser Kunde Ara und was müssen wir dafür leisten und liefern – das sind unsere Fragen. Aber mit dieser Herausforderung sind wir nicht alleine.
Was ist Ihnen bislang positiv aufgefallen?
Dr. Stefan Rassau: Die ersten Begegnungen, die Dinge, die ich bislang gesehen habe, stimmen mich sehr positiv. Auch der Messeauftritt auf der Shoes mit unserer Markenbotschafterin Frauke Ludowig. Sie passt sensationell zu unserer Marke und verkörpert den richtigen Spirit.
Sie sind als Markenmann angekündigt worden. Warum braucht Ara jemanden wie Sie?
Dr. Stefan Rassau: Ich glaube, in dem ganzen Universum an Produkten ist es wichtig, zu erzählen, warum es Ara gibt, damit möglichst viele Leute sich damit identifizieren können – und dann auch gern die Produkte kaufen. Das Thema ist unheimlich wichtig, um die Relevanz zu kreieren. Vor diesem Hintergrund hat man mich wohl angesprochen – neben der Tatsache, dass ich über viel Vertriebserfahrung verfüge und mich bei meinem letzten Engagement auch intensiv mit dem Thema Kosten befassen musste. Nun geht es darum, den Fokus auf das Geschäft zu legen, das wir auf bauen möchten, und auf der Topline Bewegung zu kreieren. Das ist auch wieder für das Thema Kultur und Teambuilding wichtig. Und dann müssen sich nur noch Erfolge einstellen – und es wird richtig gut! Sicherlich ist das eine Challenge, denn es wird uns über die nächsten ein, zwei Jahre begleiten, dass wir sicherlich nicht mit vollen Händen das Geld ausgeben können. Wir werden vielmehr darauf achten müssen, dass wir die Profitabilität halten, die mit viel Blut und Schweiß und Tränen hergestellt wurde. Aber wir wollen das Momentum nutzen, den Fokus wieder auf den Markt zu legen und beim Thema Marketing und Vertrieb die Topline zu stärken.