Mit den Serviceleistungen, die für Herzkönigin selbstverständlich sind, kann ein Beratungsgespräch eine Weile dauern. Es komme vor, dass Kunden bis zu zwei Stunden warten müssen, bis sie dran sind. Ein Wartemarken-System sowie die Möglichkeit, individuelle Termine zu vereinbaren, soll Abhilfe schaffen. Es bleibt aber dabei, dass jede Mitarbeiterin mit Ruhe und Geduld die Kunden so lange bedient, bis der richtige Schuh gefunden ist. Das führt in Stoßzeiten in Frühling und Herbst zu einem ordentlichen Gewusel im Schuhgeschäft. Gemütliche Ecken mit Spielzeug, Tiere zum Reiten und allerlei kindgerechte Accessoires sollen Quengel-Anfällen vorbeugen. Und wer an der Kasse seine Schuhe bezahlt hat, wird bis zur Tür gebracht und dort noch freundlich darauf hingewiesen, dass in sechs Wochen der nächste Messtermin ansteht. „Der Kinderschuh-Kauf ist immer mehr zu einem Erlebnis geworden“, berichtet die Händlerin. „Oft kommen die Großeltern und Tanten mit, und alle wollen abgeholt werden.“ Weil das auch für das Verkaufspersonal herausfordernd ist und alle Mitarbeitenden im Team sattelfest bei der Beratung sein müssen, ließ sich Hammeley zur Barfuß-Coachin ausbilden und gründete mit ihrem Wissen eine eigene Akademie rund um den Barfußschuh. „Ich dachte mir damals: Das macht keiner – ok, dann mach ich’s“, blickt die Unternehmerin zurück.
Die „Natural Footwear Academy by Herzkönigin“ bietet persönliche Schulungen oder Veranstaltungen via Teams. Dort werden alle Fragen rund um Barfußschuhe besprochen und Teilnehmende können ein Zertifikat erlangen, das auch ans Schaufenster angebracht werden kann, um die erworbenen Qualifikationen zu dokumentieren. Weil das Kinderschuhgeschäft stark saisonabhängig ist und es auch ruhigere Phasen gibt, kann Hammeley ihr Schulungsangebot auf diese Zeiträume konzentrieren.
Mit ihren fünf Geschäften und der Akademie, sagt die Händlerin, sei sie gut aufgestellt und zugleich voll ausgelastet. Die Mutter zweier Kinder im Alter von 13 und zehn Jahren managt Familie und Unternehmen und scheint sich nie aus der Ruhe bringen zu lassen. Gut gelaunt berichtet sie von ihren Erfahrungen – betont aber auch, dass es Herausforderungen gebe. Zurzeit macht ihr beispielsweise die schlechte Qualität einiger Fabrikate zu schaffen. Sie habe zu F/S 2025 viel Ware reklamieren und zurückschicken müssen. „Und das ist Ware, die ich nicht mehr verkaufen kann“, sagt Hammeley. Auch Lieferverzögerungen beklagt die Händlerin – und überhaupt das große Risiko, das sie in jeder Saison eingehen muss. „Es ist immer eine enorme Kapitalbindung, mit der ich zurechtkommen muss. Und ich muss mich früh in der Orderrunde festlegen. Ich würde mir wünschen, es gäbe mehr Nachorderprogramme, auf die ich zurückgreifen kann, wenn ich mehr Sicherheit habe.“ Ein weiteres Thema, mit dem sich die junge Händlerin beschäftigt, sind die Preise. Kinderschuhe jenseits der 100 Euro seien schwierig, sagt sie. Wobei sich die Skepsis der Kundinnen und Kunden vor allem auf konventionelle Schuhe beziehe. „Bei Barfußschuhen, die nicht selten teurer sind, führen wir diese Diskussion nicht.“ Da würden auch Gummistiefel für 59 Euro problemlos über die Ladentheke gehen, einfach weil es Barfuß-Gummistiefel sind. Und die Preisrange bei Barfußschuhen für Erwachsene liege ohnehin zwischen 99 und 200 Euro – ohne, dass dies kritisiert wird.
Auch die starken saisonalen Schwankungen sind für die Schuhhändlerin herausfordernd. „In Stoßzeiten kann ich kaum genug Personal auf der Fläche haben. In ruhigeren Phasen reicht eine Person.“ Das zu organisieren, sei immer wieder aufs Neue problematisch. Auf online als weiteres Standbein auszuweichen, um die starken saisonalen Wellen abzufedern, das sieht Hammeley allerdings nicht als Option. „Ich bin überzeugt vom stationären Handel. Für mich steht Beratung an erster Stelle. Ich habe keine Lust, mich mit Onlinehandel und allem, was daran hängt, zu befassen.“ Lieber setzt Hammeley auf den Dialog mit ihren Kundinnen und Kunden via Instagram und Whatsapp. Anfragen beantwortet sie auch nach 18 Uhr und wer einen Tipp benötigt, bekommt auch sonntags eine Antwort von der Händlerin.