Groundies kommt historisch aus dem D2C-Segment. Warum wollen Sie sich jetzt auf den Fachhandel fokussieren?
Der Gründer Goetz Herzog war sehr online-affin. Meine Vita ist da etwas anders. Ich bin beim Kompressionsstrumpfhersteller Medi groß geworden, was auch eine Produktkategorie ist, in der es viel Erklärungsbedarf gibt. Es hat sich für mich gezeigt, dass man in diesen Bereichen nur dann erfolgreich sein kann, wenn man einen Multichannel-Ansatz wählt und mit dem Fachhandel wächst. Diese Idee möchte ich auch bei Groundies durchsetzen.
Wie stellen Sie sich den idealen D2C- und Wholesale-Anteil für Groundies vor?
Ich stelle mir idealerweise 60% Online- und 40% Retail-Anteil vor. Aber wir sind sehr umtriebig und wenn es mehr Händler gibt, die auch zu uns passen, und sich die Anteile verschieben, wehren wir uns nicht dagegen. Wir liegen aktuell auch schon bei 30% Retail-Anteil. Wir schauen in der Vertriebsarbeit weniger auf die Quantität als auf die Qualität und konzentrieren uns darauf, dass die Händler mit uns Geld verdienen und wir gemeinsam den Abverkauf fördern können. So hilft der Online-Shop dem Fachhandel auch, über den Menschen überhaupt erst darauf aufmerksam werden.
Planen Sie irgendwann wieder eigene Geschäfte?
Das ist im Moment kein Thema. Es ist vielleicht mal ein Pop-Up-Store denkbar, aber ich finde die Strategie grundsätzlich schwierig. Das ist eher etwas für das eigene Ego als für die Markenstrategie. Wir sind keine Händler und Fachhändler werden Geschäfte immer besser betreiben können als wir. Außerdem finde ich es wichtig, in einem Geschäft Auswahl zu haben, denn wir wollen den Vergleich und wir wollen, dass der Kunde sieht, zwischen welchen Marken er sich entscheiden kann.
Das heißt, Sie sind eigentlich froh, wenn es mehr Konkurrenz im Markt gibt.
Absolut. Wir haben keine Angst vor Wettbewerb, wir investieren fortlaufend in die Qualität und die Designs und sind daher stets konkurrenzfähig. Deshalb freuen wir uns einfach, dass es immer mehr Barfußschuhe gibt.
Wie hat sich der Barfußschuhmarkt in den letzten Jahren Ihrer Meinung nach geändert?
Der Markt war vorher schon groß, aber eher ein Spezialistenthema. Jetzt kommt es in den Mainstream. Die Vollsortimenter nähern sich dem Thema gerade stark an. Sie wollen neue Geschichten erzählen und Barfußschuhe bieten sich dafür an. Wir arbeiten mittlerweile sogar mehr mit Vollsortimentern als mit reinen Barfußschuhhändlern zusammen. Das ist eine schöne Entwicklung. Außerdem sehen wir klar, dass das Thema Mode eine viel größere Rolle spielt. Früher ging es nur um die Funktion. Die steht immer noch im Zentrum, aber die Kundinnen und Kunden erwarten auch Ästhetik. Zu Recht: Ein Barfußschuh muss nicht hässlich sein, um wirksam zu sein.
Was unterscheidet Groundies Ihrer Meinung nach von anderen Barfußschuhen?
Ich glaube, dass wir über eine besonders hohe Qualität verfügen, und wir unterscheiden uns von anderen Marken, indem wir die Schuhe als Alltagsprodukte sehen. Wir wollen Schuhe für viele Zwecke anbieten. Wenn jemand von uns überzeugt ist, kauft er auch in den anderen Kategorien bei uns, um das Barfußgefühl möglichst zu jeder Gelegenheit haben zu können. Dies zeigt sich auch in unserer sehr hohen Kundenbindungsrate von 70%.