„Es ist für die Mitarbeiter*innen des stationären Fachhandels nicht zu verstehen, dass der Verkauf von Sportartikeln, Textilien, Schuhen und weiteren Non-Food-Artikeln weiterhin bei Lebensmitteleinzelhändlern als systemrelevant eingestuft wird. Wenn Sie schon in den Wettbewerb und in die freie Marktwirtschaft eingreifen, dann bitte auch konsequent. Ein finanzieller Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Gewinnern und Verlierern der Pandemie wäre ein richtungsweisender Anfang.
Unsere Einzelhändler haben allesamt bereits 2020 in gute und funktionierende Hygienekonzepte investiert und damit ein sicheres Einkaufen möglich gemacht. Gerade hat eine aktuelle Studie unter Beteiligung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bewiesen, dass es im Einzelhandel nicht zu einer erhöhten Infektionsgefährdung durch das SARS-CoV-2-Virus kommt. Warum wird daher die Ansteckungsgefahr in überfüllten Lebensmittelfilialen, vor allem an den Wühltischen mit Non-Food-Artikeln, als geringer eingestuft?
Die Rücklagen der Unternehmer werden immer weiter aufgebraucht, während andere die Möglichkeit bekommen, sich an der Situation zu bereichern! Wie sollen Unternehmen, die aktuell große Teile ihres Kapitals verlieren und zukünftig nicht mehr wettbewerbsfähig sind und bleiben, weiterhin unsere Arbeitsplätze sichern und dies mit einem marktüblichen Arbeitsentgelt? Außerdem spülen Sie durch die aktuellen Regelungen immer mehr Kunden von uns, aus dem inhabergeführten Mittelstand der Innenstädte, zwangsweise zu den großen Online-Riesen, die zu Teilen auch noch ausländische Unternehmen sind. Große Unternehmen, wie Amazon aus den USA, die Steuervergünstigungen erhalten und teilweise keinerlei Steuern in Deutschland zahlen müssen, bereichern sich zusätzlich.
Es stellt sich die Frage, welche Gesellschaft Sie nach der Krise sehen wollen. Scheinbar eine Gesellschaft…
– ohne belebte Innenstädte.
– ohne eine marktgerechte Diversität.
– mit Unternehmern*innen, die aufgrund staatlicher Anordnung nicht mehr konkurrenzfähig sind.
– mit vielen, teilweise perspektivlosen Arbeitslosen.
– mit vielen Menschen, die an Depressionen oder anderen Gesundheitsproblemen aufgrund der Nachwirkungen der Krise leiden.
– mit Online-Handelsriesen aus USA und Fernost als mächtige Monopolisten.“
Die Forderungen der Arbeitnehmer-Vertreter
In dem schreiben formulieren die Unterzeichner konkrete Forderungen:
„Eine gerechte Entschädigung
– Die versprochenen finanziellen Hilfsleistungen müssen unverzüglich und unbürokratischsowie in der notwendigen Höhe ankommen.
– Konsequenz und gleiches Recht auf den Verkaufsflächen, d.h. zum Beispiel kein Verkauf von Non-Food-Artikeln im Lebensmitteleinzelhandel.
– Und/oder eine sichere Öffnungsstrategie des stationären Einzelhandels mit aktualisierten, guten und verantwortbaren Hygienekonzepten.
– Anordnung zur wirtschaftlichen Solidarität der Unternehmen, die während der Pandemie keine Nachteile haben, bzw. sogar davon und von Ihren Entscheidungen profitieren.
– Klarer Appell der Politik im stationären Einzelhandel zu kaufen, um diesen zu unterstützen und der Gesellschaft dabei klar zu machen, warum dies so wichtig ist.
Die Arbeitnehmer*innen des stationären Einzelhandels müssen, wie viele, mit dem Homeschooling klarkommen, und damit, dass unsere Kinder Oma und Opa gerade nicht sehen dürfen und einiges mehr! Warum nimmt eine gewählte Regierung es in Kauf, dass viele von uns zusätzlich ihre Arbeit verlieren könnten und dadurch in unseren Familien der Stressfaktor durch Ausweglosigkeit, fehlende Perspektive, Depressionen … nochmal erhöht wird? Das Kurzarbeitergeld ist eine gute Überbrückungshilfe, um Arbeitsplätze vorerst zu sichern, aber auf längere Sicht haben wir Arbeitnehmer*innen dadurch eben nicht genügend Geld in der Tasche, um die Lebenshaltungskosten von uns und unseren Familien zu decken. Und dies gilt vermutlich nicht nur für die Arbeitnehmer*innen unserer Branche!
Wir haben lange genug zugeschaut und erwarten jetzt Lösungen und Hilfe, für die Zukunft von uns und unseren Familien, sowie für die Unternehmen, für die wir gerne arbeiten!“