Unternehmen mit Familiensinn
Die besondere Philosophie des Schuhanbieters führt Knapitsch darauf zurück, dass das Unternehmen nach wie vor inhabergeführt ist: „Dieser Familiensinn, die Kraft, gemeinsam Herausforderungen zu bestehen, ist im Unternehmen spürbar. Das wird uns von den Mitarbeitenden auch in unseren regelmäßigen Umfragen bestätigt“, erklärt die Human Resources-Verantwortliche. Bei Neueinstellungen denkt das Team von Legero United laut Knapitsch in erster Linie an die Kompetenzen, die die Person mitbringt – unabhängig vom Geschlecht. „Alle haben ihre Fähigkeiten oder Bereiche, in denen sie wachsen können, egal ob Mann oder Frau“, sagt Knapitsch. Man versuche daher, geschlechtsspezifische Zuschreibungen zu vermeiden. „Das erfordert allerdings auch ständiges Reflektieren über Geschlechterstereotype und Awareness für geschlechtertypische Zuschreibungen, die es dann zu überwinden gilt.“
In den Teams herrsche eine Kultur der kurzen, oft auch informellen Entscheidungswege, berichtet Julia Knapitsch. „Wir tauschen uns laufend und flexibel aus und stimmen uns auf kurzem Wege ab.“ Dabei werde immer darauf geachtet, alle informiert zu halten. Hierarchien spielten indes eine untergeordnete Rolle. „Im Vordergrund steht immer das Projekt: der Schuh.“ Gefördert werde das Miteinander nach Überzeugung Knapitschs auch durch die Architektur des Campus in Feldkirchen bei Graz. „Er ist bewusst offen konzipiert, mit vielen Begegnungszonen, um ständigen Austausch auf kurzem Wege zu ermöglichen.“
Win-Win durch Flexibilität
Wenn ein Unternehmen den Frauenanteil in der Belegschaft erhöhen will, muss es flexibel sein. „Wesentlich ist es, den Mitarbeitenden mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen und jeden individuellen Beitrag wahrzunehmen“, sagt Knapitsch. „Wir möchten außerdem sicherstellen, dass alle unsere Mitarbeitenden Beruf und Familie optimal vereinbaren können. Und wir wollen auch Frauen mit Kindern im betreuungspflichtigen Alter ermöglichen, in Führungspositionen aufzusteigen.“ Job-Positionen werden daher flexibel an die Bedürfnisse der Mitarbeitenden angepasst. So werden viele Positionen sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit angeboten. Die Teilzeitquote bei Legero United liegt bei 30%. Zudem gebe es Shared Leadership-Modelle, bei denen sich zwei Teilzeit-Team Leads eine Vollzeitposition teilen. Hinzu kommen flexible Arbeitszeitmodelle und das Berücksichtigen individueller Bedürfnisse und Lebenssituationen. „Diese Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird von den Mitarbeitenden ganz besonders positiv bewertet“, sagt die Personalchefin mit Blick auf die jüngste Umfrage unter Beschäftigten. Letztendlich führe Flexibilität zu einer Win-Win-Situation. Nicht nur für die weiblichen Beschäftigten, sondern auch für die Firma, die Mitarbeiterinnen zu ihrem Team zählt, die loyal und mit viel Freude ihren Job machen. Als Frau Familie und Job gemeinsam bewältigen zu können, das könne auch sehr bereichernd sein, sagt Knapitsch. „Natürlich ist das auch stressig und es gibt sehr viel, was man organisieren muss. Aber der eine Bereich befruchtet den anderen, beides gleicht sich aus, und das kann sehr glücklich machen.“ Sie selbst, sagt sie, habe schon oft erlebt, dass sie Inspirationen vom Alltag mit ihren Kindern auch im Unternehmen einbringen konnte. Und gerade bei Kinderschuhen biete sich dies an. „Beim Thema Marketing kann es hilfreich sein, wenn man Kinder hat, die einem erzählen, was in ihrer Welt gerade aktuell ist, zum Beispiel auf Tiktok.“
Familie und Beruf im Einklang
Viele Unternehmen in der Schuhbranche haben mit Fachkräftemangel zu kämpfen. In Graz will man vorbeugen. „Wir haben den Vorteil, dass es in unserer Branche um Produkte geht, die einen emotionalen Wert und zu denen viele Menschen Affinität haben“, ist Julia Knapitsch überzeugt. „Wir beobachten aber, dass immer weniger Unternehmen schuhspezifische Fachkräfte ausbilden. Das ist bei uns anders: Wir bilden nach wie vor Lehrlinge aus und bieten Trainee-Programme an. Als international tätiges Unternehmen rekrutieren wir unsere Fachkräfte zudem auch international.“ Zur Zeit seien in den österreichischen Standorten Mitarbeitende aus über 20 Nationen beschäftigt. „Darunter sind auch Frauen aus Ländern, wo Familie und Vollzeit-Berufstätigkeit ganz selbstverständlich vereinbart werden. Auch das trägt dazu bei, tradierte Geschlechterbilder zu überwinden“, so die Personalverantwortliche.