Zunächst haben sie und ihr Mann selbst mit dem Handy gefilmt, inzwischen haben sie eine Social Media-Mitarbeiterin. „Vor unseren Shootings setzen wir uns morgens kurz zum Brainstorming zusammen, ich überlege, was ich zeigen möchte – und dann setzen wir das sofort um“, sagt Hüben. Inzwischen weiß sie, dass Unikate und sehr hochpreisige Artikel auf Instagram besonders gut funktionieren, alles zwischen 350 und 500 Euro sich schwer tut und alles unter 350 Euro wieder sehr gut läuft. Entsprechend baut sie ihr Sortiment. Man findet Taschen für 800 Euro, etwa ein Modell vom Typ Birkin, für das es trotz zehn Wochen Lieferzeit eine lange Warteliste gab, aber auch My Best Bag Firenze mit Preislagen um 200 Euro. Grundsätzlich, sagt Hüben, „wollen unsere Kunden das Besondere“. Und tatsächlich ist hier jeder Schuh eine kleine Persönlichkeit – was dazu führt, dass das Geschäft wie ein
Schatzkästchen wirkt: Man kommt rein und weiß nicht, wohin man zuerst schauen soll. „Ich kaufe keinen Schuh, der mich nicht begeistert“, erklärt Hüben, denn auf der kompakten Fläche prägt jeder einzelne Schuh das Gesamtbild. „Produkte, die es so sonst nirgends gibt – das war von Anfang an unser Schlüssel zum Erfolg“, sagt Rosario Sasso. In seiner Agentur erlebt er immer wieder, dass Händler „fast ausschließlich nach Abverkaufszahlen ordern und nicht den Mut haben, auf das Besondere zu setzen“. Dabei sei es so wichtig, aufgeschlossen zu sein und sich begeistern zu lassen. Denn „das ist es doch, was wir verkaufen: Emotion und Leidenschaft“, sagt Claudia Hüben. Und genauso ordert sie auch. „Ich weiß intuitiv sofort, ob ein Schuh der richtige für uns ist“. Lange über einzelne Modelle zu räsonieren, hat sie sich abgewöhnt, „in den letzten Jahren habe ich gelernt, auf meinen Bauch zu hören“.
Das Gros des Sortiments stammt aus Manufakturen in den italienischen Marken, dort ist Rosario Sasso verwurzelt und bestens vernetzt. „Wenn wir in Italien sind oder auf der Messe, wo mein Mann mit seiner Agentur ausstellt, sind wir wie eine große Familie“, freut sich Claudia Hüben. In dieser Vertrautheit kann man auch unkompliziert an der Produktentwicklung feilen. Wenn Claudia Hüben etwa das Finish eines Schuhs noch perfektionieren will, ruft sie schnell beim Lieferanten an, und dann „geht Laura in die Werkstatt und setzt meine Vorstellungen sofort um“.