Als Hundstage bezeichnen Meteorologen die Zeit zwischen dem 23. Juli und dem 23. August. Es ist im Allgemeinen die heißeste Phase des Jahres. Dann werden auch schon einmal Temperaturen um die 40° erreicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine hochsommerliche Wetterlage über mehrere Tage bis hin zu Wochen hält, ist zu dieser Zeit am höchsten.
Wenn man solche nüchternen Beschreibungen liest, kann man heute – es ist der 7. August – nur müde abwinken. Wir schleppen uns seit Wochen von einem klimatisierten Raum zum nächsten, sehen allerorts Wiesen, die längst zu Heuflächen verdorrt sind, erschrecken angesichts herbstwelker Bäume, zu Rinnsalen vertrockneter Flüsse und zerstörter Ernte. Die Innenstädte sind im Gegenzug verwaist. Wer kann, bleibt fern – außer vielleicht, es liegt eine Eisdiele auf dem Weg. Mit den neuen Trendthemen für den Herbst braucht den Verbrauchern aktuell niemand zu kommen. Bestenfalls wird die Badelatsche oder eine Sandale durch ein neues – natürlich reduziertes – Modell ersetzt. Wer braucht jetzt geschlossene Schuhe, lange Hosen, Übergangsjacken oder Strick?
Wer als Händler ausreichend Ware für den Sommer eingekauft hatte, musste Kunden in den letzten Wochen zumindest nicht unverrichteter Dinge ziehen lassen und konnte deren Bedarf decken. Ansonsten herrscht Flaute im Handel. Und während wir uns zaghaft fragen, ob dieser Sommer eine Ausnahme ist oder vielleicht doch in den nächsten Jahren zur Regel wird, steht schon wieder die nächste Orderrunde an. Nach Dekaden im Minus, einem Jahr, das bislang bestenfalls als ’durchwachsen‘ bezeichnet werden kann, muss also jetzt der Blick ins nächste Jahr gerichtet werden. Das ist schwer. Sich jetzt aufraffen und den Blick auf neue Kollektionen werfen, wo doch gerade irgendwie nichts so richtig funktioniert – ein Ding der Unmöglichkeit. Eine neue Orderrunde planen, wenn die alte am liebsten ’in die Tonne gehauen‘ würde – was für eine Aufgabe. Aber sie muss angegangen werden. Mit Sachverstand, spitzer Feder und einer guten Portion Mut. Trotzdem.
Die ersten Veranstaltungen der noch jungen Oderrunde offenbaren, dass der Handel sich derzeit noch sehr zurückhält. Das ist bei 38 Grad kein Wunder und verständlich – aber es kann nur eine vorübergehende Reaktion auf die Umstände sein. Letztlich gilt es, für den Sommer 2019 ein spannendes, ansprechendes, vielschichtiges Sortiment zusammenzustellen, das die Verbraucher im kommenden Sommer inspirieren und zum Kauf animieren wird. Es ist also – schlichtweg – Handeln gefragt. Nach dem Sommer ist vor dem Sommer. Bleiben Sie mutig!