Ware später und bedarfsgerechter steuern
Beide Verbundgruppen sehen Handlungsbedarf bei der Warensteuerung. Krug hält es für wenig sinnvoll, bei Temperaturen um 30 Grad bereits Mitte September die Geschäfte mit Stiefeletten zu füllen. Händler müssten sich stärker vom klassischen Saisonkalender lösen, später einkaufen und Ware konsequenter nach dem tatsächlichen Bedarf der Verbraucher einsteuern. „Mehr denn je wird es darauf ankommen, dass die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist“, so der SABU-Geschäftsführer.
Auch Orlowski hält die bisherigen Orderzyklen für zu lang. Zwischen Disposition und Auslieferung vergingen Monate, während Handel und Industrie das Warenrisiko bislang kaum gemeinsam trügen. Ihre Forderung: Die Branche müsse „vertikaler miteinander arbeiten“ und Vororder, Nachorder, Nachversorgung sowie digitale Prozesse neu organisieren. Gleichzeitig müssten Händler ihr Profil gegenüber neuen Wettbewerbern schärfen und Sortimente stärker an veränderten Kundenbedürfnissen ausrichten.
Einen vorsichtigen Hoffnungsschimmer sieht die ANWR-Geschäftsführerin beim Abbau der hohen Warenbestände. Der Rausverkauf liege inzwischen über der Menge der neu ausgelieferten Ware, sodass die Bestände schrittweise sinken. Orlowski wertet dies als mögliches Signal dafür, dass der Markt im kommenden Jahr die Talsohle erreichen könnte.