Die Meldung war kaum online, da rief schon die erste Händlerin an. Die Nachricht, dass ihr stationäres Geschäft über Gaxsys künftig auch an die Plattform Zalando angebunden werden kann, sei überaus spannend, sagte sie. Sie sei neben ihrem kleinen Innenstadt-Laden auch mit einem eigenen Onlineshop am Start und biete ihre Ware zudem bei Amazon und Ebay an. Auch arbeite sie bereits via Gaxsys mit einigen Schuhmarken zusammen. Künftig also auch über den Marktführer beim Online-Schuhverkauf eine zusätzliche Einnahmequelle auftun – „eine tolle Idee“.
Neben diesem positiv-pragmatischen Ansatz dürfte es auch Zweifel und Bedenken geben, was die Risiken und Nebenwirkungen der neuen Kooperationsidee zwischen dem Großen und vielen Kleinen angeht, die in der vergangenen Woche kommuniziert wurde. Bereits seit Wochen kursierten in der Branche Gerüchte hinsichtlich einer Kooperation von Zalando und Gaxsys. Händler waren kontaktiert worden und versuchten sich nun ein Bild davon zu machen, was das heißen könnte, wenn das eigene Sortiment beim großen Online Big Player sichtbar wird. Vor allem stand dabei die Überlegung im Raum, ob man mit einer Teilnahme an diesem Modell nicht die eigenen Kunden von einem Besuch im Schuhgeschäft abhält, sich also praktisch selbst überflüssig macht.
Der Händler entscheidet
Klar ist: Gaxsys bietet vor allem kleineren Händlern ohne eigenen Onlineshop die Möglichkeit, im Internet Umsätze zu generieren. Das System funktioniert bereits in Kooperation mit Marken wie Ricosta, Däumling und Peter Kaiser. Händler können bei einem eingehenden Online-Auftrag selbst entscheiden, ob sie diesen annehmen. Findet sich kein interessiertes Handelsunternehmen, das den gewünschten Schuh verkaufen möchte, übernimmt der Hersteller selbst den Auftrag. Ähnlich soll es jetzt mit Zalando laufen. Nach Angaben des Onlinehändlers ist der Aufwand für den teilnehmenden Händler dabei ausgesprochen gering. Es sei lediglich ein Computer mit Internetanschluss vonnöten, weiterhin ein Drucker – und das Zalando-Verpackungsmaterial. Entsprechende Webinare sollen angeboten werden. Der Händler entscheide selbst binnen einiger Stunden, ob er einen Auftrag ausführt oder nicht. Die Rechnungsstellung für die verkaufte Ware erfolgt via Zalando. Die Verantwortung für die Retoure – und damit gegebenenfalls auch der entsprechende Ärger – liegt wiederum beim Händler. Wird die Ware nicht retourniert, zahlt der Händler für die Vermittlung des Auftrags eine laut Zalando „marktübliche Provision“.
Wird Schuhhandel also künftig das Verpacken von Ware in orange-weiße Kartons bedeuten? Und die Zurücknahme nicht gewünschter Produkte? Auch hier siegt offenbar bislang der Pragmatismus: „Die Frequenz in meinem Laden sinkt seit Jahren. Dass ich irgendwann mal Zalando-Pakete packe, hätte ich nicht gedacht“, so ein teilnehmender Händler. Aber ich mache wenigstens Umsatz.“
Ein Kommentar aus schuhkurier 41/2016 zum Thema Zalando/Gaxsys-Kooperation.