… ein besonderes und starkes Konstrukt geschaffen, das staatsfern organisiert ist. Trotzdem ist mir sehr viel wohler, wenn daneben weiterhin frei finanzierte Medien existieren. Medien also, bei denen ein Verleger oder eine Verlegerin auch ein wirtschaftender Mensch ist, der mit diesem Produkt Geld verdient – indem er Ihnen, uns allen und der Gesellschaft hochwertige Informationen zur Verfügung stellt. Das betrifft nicht nur Fachinformationen. Das betrifft Journalismus insgesamt. Und auch das ist heute alles andere als selbstverständlich.
Denn die großen Netz- und Plattformkonzerne aus den Vereinigten Staaten haben sich in den vergangenen zehn oder 15 Jahren zunächst eher leise und inzwischen immer offensiver einen großen Teil dieser Informationen zu eigen gemacht. Sie ziehen Inhalte an sich, und oft ist für die Nutzerinnen und Nutzer kaum noch erkennbar, wer überhaupt der ursprüngliche Urheber einer Information ist. Diese Unternehmen schließen Milliardenverträge rund um Daten und Wissen ab – Wissen, das zu einem erheblichen Teil durch journalistische Arbeit, durch Verlage und Redaktionen entstanden ist. An den Erlösen, die daraus entstehen, werden diejenigen, die diese Inhalte ursprünglich geschaffen haben, aber längst nicht immer angemessen beteiligt. Das ist ein Streitpunkt innerhalb unserer freiheitlichen westlichen Wertegemeinschaft, den wir sehr ernst nehmen müssen. Denn wenn es sich immer weniger lohnt, Journalismus zu organisieren und zu finanzieren – und zwar jede Art von Journalismus –, dann gerät am Ende ein Fundament unserer Freiheit in Gefahr.
Wir werden deshalb als Land Nordrhein-Westfalen – und dort, wo wir für die Medienordnung und die Medienstruktur Verantwortung tragen – sehr entschlossen dafür eintreten, dass es auch in Zukunft freie und frei finanzierte Medien unterschiedlicher Gattungen geben kann. Dazu gehören naheliegende Themen wie beispielsweise die Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes. Nur weil etwas naheliegend ist, heißt das allerdings noch lange nicht, dass es politisch leicht umzusetzen ist. Aber dafür setzen wir uns ein. Dazu gehören auch Fragen einer Vertriebsförderung, die selbstverständlich staatsfern organisiert sein muss. Und dazu gehört die Frage, wie wir die digitale Transformation der Medien sinnvoll unterstützen. Es muss am Ende auch darum gehen, dass diejenigen, die auf unserem Markt mit Informationen und Inhalten Geld verdienen, einen Beitrag dazu leisten, dass in diesem Markt und in dieser Gesellschaft auch weiterhin freie Medien existieren können.
Aber ich möchte Sie an einem so freudigen Anlass nicht länger mit solchen schwierigen Gedanken belasten. Sie sind heute zusammengekommen, um ein Jubiläum zu feiern. Und es ist mir eine große Freude, wenigstens kurz bei Ihnen sein zu dürfen. Ich danke Ihnen – den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Journalistinnen und Journalisten, den Fachleuten und all den anderen Fachkräften, die wir in Deutschland haben. Denn Sie alle sind Teil dieser hoch arbeitsteiligen und erfolgreichen Wirtschaft, auf die wir stolz sein dürfen. Ich gratuliere den Sternefeld Medien und ganz besonders dem schuhkurier sehr herzlich zu diesem Jubiläum.
Und was kann man zum Schluss noch sagen – gerade auch an die Kundinnen und Kunden gerichtet? Halten Sie diesem Produkt die Treue. Sie werden manches im Internet kostenlos bekommen. Aber Sie werden dort nicht ohne Weiteres diese Qualität, diese Tiefe und diese Fachkenntnis bekommen, die über viele Jahre und Jahrzehnte entstanden ist.
Ihnen allen, Ihren Unternehmen und der gesamten Schuh- und Lederwarenbranche wünsche ich für die Zukunft alles erdenklich Gute.