Vor einigen Jahren haben Sie den Lizenzvertrag auf unbestimmte Zeit verlängert. Die Kündigungsfrist ist sehr langfristig angelegt – einmalig im Lizenzgeschäft?
Tim Müller: Für die Branche ist dieser Vertrag einzigartig. Zum Zeitpunkt des Abschlusses waren wir bereits sehr erfolgreich, aber ich habe noch großes Potenzial für uns gesehen. Daher habe ich entschieden, die Marke Bugatti zu leben wie meine eigene Marke. Ich möchte keine Sanduhr im Rücken haben, die mich ständig an das Vertragsende erinnert.
Klaus Brinkmann: Die Langfristigkeit ist auch entstanden, weil Tim Müller bereit war, seine eigene Marke zu verkaufen, um sich ganz auf Bugatti konzentrieren können. Angesichts dieses hohen Vertrauens in die Marke habe ich ihm im Gegenzug ein hohes Maß an Sicherheit gegeben. Für uns hätte es im Übrigen die schriftliche Fixierung gar nicht gebraucht, aber zur Absicherung der Partnerschaft unabhängig von den handelnden Personen war sie natürlich trotzdem notwendig.
Welches sind für Lizenzgeber und -nehmer die wichtigsten Erkenntnisse aus der bisherigen Zusammenarbeit?
Klaus Brinkmann: Vertrauen ist im gesamten Lizenzgeschäft ein wesentlicher Baustein. Aber es muss zusätzlich durch Inhalte gefestigt werden. Als Lizenzgeber müssen wir eine Marken-DNA festlegen und zu unseren Lizenzpartnern kommunizieren. Modegrad, Preisaufbau, Preis/Leistungs-Verhältnis, Vertriebsstruktur – diese Aspekte legen wir zu Beginn einer Partnerschaft fest. Anschließend müssen wir sie gemeinsam leben. Es gibt Inhalte, die ganz klar fixiert werden und an die sich alle halten müssen. Hier sind wir höchstsensibel! Es mag sich leicht anhören, aber die Entwicklung, Umsetzung und das Leben der Marken-Inhalte gemeinsam mit dem Lizenzpartner sind eine große Herausforderung.
Sie haben die Leitplanken einer erfolgreichen Lizenzpartnerschaft skizziert. Wie viel Freiheit ist aber dennoch für den Lizenznehmer nötig?
Tim Müller: Sehr viel! Die Freiheit ist eine weitere Voraussetzung für den Erfolg. Wir sind der Schuh-Profi. Wir wissen, was richtig ist. Diese absolute Freiheit ist gleichbedeutend mit Zutrauen – und aus Zutrauen entwickelt sich Vertrauen.
Wie viel Potenzial sehen Sie für Bugatti?
Tim Müller: Wir sind bei Herrenschuhen heute eine der führenden Marken im deutschsprachigen Raum. Wir sind mehrfach ausgezeichnet worden und wachsen weiter zweistellig. Jedes Jahr erschließen wir zwei bis drei Auslandsmärkte. Und auch hier gelingt es uns, innerhalb kurzer Zeit unter die Top-5 Lieferanten zu kommen. Auch in einer so schwierigen Ordersaison wie aktuell können wir unsere Paarzahlen bei den Herren ohne Zugeständnisse bei den Preisen halten. Damit sind wir bereits der Gewinner der Saison, denn im Schnitt werden 20% weniger disponiert. Wir wachsen bei Damenschuhen zwischen 40 und 50%. Vor diesem Hintergrund sage ich: Wir haben uns warmgelaufen. Wenn wir nicht irgendwelche hausgemachten Probleme bekommen, wüsste ich nicht, warum wir nicht weiter so massiv wachsen sollten. Das Potenzial bei Damenschuhen ist gigantisch, da ist richtig Platz im Markt.
Das vollständige Interview mit Tim Müller und Klaus Brinkmann lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 13/2015.