Branchenreport: Wichtig ist für das Team um Astrid Heinze und Patrick Gottesleben, dass Händler in ihrer Arbeit mehr durch Daten unterstützt werden. „Wir müssen weg vom Bauchgefühl“, brachte es Gottesleben auf den Punkt. Als neues Format bietet die Verbundgruppe in diesem Zusammenhang den Branchenreport als PDF, der eine datenbasierte Sicht auf die jahreszeitlichen Quartale ermöglichen soll. In den Report fließen POS-Daten ein und werden von ANWR-Experten eingeordnet. „Ziel ist es, unseren Händlern strategische Ausblicke und Erkenntnisse zu vermitteln“, erläuterte Astrid Heinze. Dazu gehören konkrete Aspekte wie die idealen Durchschnittspreise für einzelne Warengruppen oder die LUG einzelner Marken. „Es ist wichtig, dass Händler ein Gefühl für Preisentwicklungen bekommen“, schilderte die ANWR Schuh-Geschäftsführerin und fügte hinzu: „Aus den Zahlen geht hervor: Mainstream ist nicht der langsamste Bereich.“ Das PDF wird zur Ordervorbereitung an alle Händler verteilt und dient als Ergänzung zum Warenkompass, in dem gezielt Schuhmodelle vorgestellt werden. „Das Feedback, das wir auf diese Leistungen bekommen, ist super“, so Astrid Heinze.
Unterstützen will die ANWR Schuh auch dabei, das veränderte Verbraucherverhalten zu verstehen und zu antizipieren. Eine Betrachtung der monatlichen Umsätze im Jahr 2024 bringt teils starke Ausschläge zu Tage: -18% allein im Juni, -2,7% im Juli. „Wir müssen das Volumen der einzelnen Segmente in diesem Kontext stärker berücksichtigen“, stellte Heinze klar. „Die Kundinnen und Kunden kaufen näher am Bedarf. Die Nachfrage entwickelte sich zuletzt sehr volatil, es gibt teils starke Ausschläge. Und das wird bleiben.“ Ein- oder zweimal zu ordern und dann für das Jahr versorgt zu sein, das sei nicht die richtige Antwort auf diese Entwicklung. Dabei müsse auch über Grundsätzliches gesprochen werden: „Wir haben es mit einem Henne-Ei-Problem zu tun: Der Handel beschwert sich über frühe Ordertermine, die Industrie beschwert sich über langweilige Läden.“ Heinze rät dazu, zwar die Abverkaufsquoten im Blick zu behalten, „aber die LUG ist die ehrlichere Kennzahl, mit der man wirklich sieht, was sich bewegt hat“.
Accessoires und Textilien: Mit Blick auf das vergangene Jahr hat die ANWR Schuh die einzelnen Warensegmente analysiert: Kinderschuhe wuchsen um 9%, Accessoires inklusive Textilien um 19%. Der Komfortbereich musste ein Minus von 4% hinnehmen, Outdoor nahm um 9% ab. Pflegemittel wuchsen um 1%, der Sportbereich um 8% und das Fashion-Segment war leicht rückläufig mit -2%.
Darauf will die Verbundgruppe gezielt reagieren: Bei der zweiten Messe der Saison, der ANWR Order Winter No. 2 (11. – 12. März) soll beispielsweise das Angebot an Accessoires und Textilien als Schwerpunkt präsentiert werden.
Eigenmarken: Mit „Move by Longo“ bietet die Verbundgruppe zudem eine neue Kapsel an, die zeitlose Modelle für Damen und Herren umfasst. „Wir orientieren uns dabei am Bedarf der Kunden“, erläuterte Astrid Heinze in Mainhausen. Das Angebot umfasst 20 bis 25 Leder-Modelle in Einstiegspreislagen, darunter z.B. Loafer für 89 Euro, bei einer 3er-Kalkulation. „Gut kalkulierte Lederschuhe findet man im Markt so gut wie nicht“, so ANWR Schuh-Geschäftsführerin Astrid Heinze. Grundsätzlich sollen ab sofort alle Eigenmarken mit mindestens einer 3er-Kalkulation angeboten werden. Dafür sollen Rabattstaffeln entfallen, die Heinze für wenig genossenschaftlich hält: „Jeder profiliert sich nun auf die gleiche Art.“
„Now Me“ ist eine Exklusivmarke, die zusammen mit dem dänischen Anbieter Aid Studio angeboten wird. Ware, die ab Mai in den Läden sein soll, kann ab sofort geordert werden. Zum Angebot gehören Kapseln mit einfachen Passformen wie Shirts und Wickelkleider, für die es nicht zwingend eine Umkleidekabine braucht. Monatliche Drops sollen für ein attraktives Angebot sorgen.
Überhaupt soll das textile Angebot der ANWR zunehmen. „Wir borden immer mehr Textil-Lieferanten an“, berichtet Heinze. Ergänzend habe man einen „How to Textil“-Tag für die Händler organisiert. Für 2025 rechnet die ANWR Schuh mit mehr als 50 neuen Textil- und Accessoires-Lieferanten in ihrem Pool.
Shoe Love Partnerprogramm: Mit Fokus auf Ertragsoptimierung wurde das Shoe Love Partnerprogramm (SLP) von Heinze und Gottesleben neu justiert. Größter Kritikpunkt sei hier gewesen, dass das Programm zu komplex gewesen sei. Ab H/W 2025 soll es nun Vereinfachungen geben: mindestens 3% On-Top-Rabatt zusammen mit bereits bestehenden Konditionen; die bislang gebildeten Artikelpools sollen aufgelöst werden. „Wir sehen das Programm als Give-and-Get“, sagte Heinze – und meint damit: Beide Seiten sollen gleichermaßen profitieren. Zum „Get“ für die Industrie gehören umfangreiche Daten, die die ANWR anonymisiert zur Verfügung stellt. Dafür haben am SLP-Programm teilnehmende Händler Datennutzungsvereinbarungen unterschrieben. Das Thema stand lange in der Kritik. Inzwischen haben laut Heinze und Gottesleben rund 60% der Händler die Vereinbarung unterzeichnet.