Strategie und Bauch: So nutzen wir die ILM
Talkrunde
- 03.02.2025
- Tobias Kurtz
- 1 Minute
Talkrunde
…Messeplanung:
Wir sind zu dritt für zwei Tage auf der ILM. Mehr schaffen wir in der Schulranzen-Saison nicht. Im September kommen dann weitere Mitarbeiter aus dem Team für einen Tag mit. Wir versuchen uns so vorzubereiten, dass wir mehr strategische Gespräche mit den Lieferanten führen können und weniger ordern. Da unterscheiden wir uns vielleicht von vielen Kollegen. Aber Ordern geht in vielen Fällen von zu Hause aus.
…neue Marken:
Wir versuchen immer mehr Zeit für die Suche nach neuen Marken einzuplanen. Daher bereiten wir etwa 70 Prozent unseres Messeaufenthalts „nach Kopf“ vor, 30 Prozent bleiben „für den Bauch“. Daher freuen wir uns über Marken, die nicht im Showroom, sondern auf der ILM ausstellen. Wenn die ILM sich weiter dahin entwickelt, dass man nicht das Gefühl hat, etwas zu verpassen, wenn man keine internationalen Messen besucht, ist das ein Gewinn für uns. Dazu noch ein paar „Kirschen auf der Torte “ in Form von exklusiven Ausstellern – also das wäre schon attraktiv.
…Rahmenprogramm:
Bis vor einigen Jahren hatten wir keine Zeit und Muße daran teilzunehmen. Das hat sich geändert. Wenn wir im September weitere Teammitglieder dabeihaben, schauen wir im Vorfeld auf die angebotenen Themen. Gut sind knackige Impulsvorträge von zehn Minuten.
…Schulterschluss in Offenbach:
Ich muss unseren Lieferanten im Basic-Sortiment ein großes Kompliment machen. Vor allem für Schule ist weder Februar noch September ein optimaler Termin. Aber die Anbieter sind trotzdem mit attraktiven Ständen vor Ort, nehmen sich Zeit für kleinere Händler und präsentieren sich auf der Messe.
…Erwartungshaltung an Hersteller
Man ertappt sich manchmal bei Dingen, die man besser machen könnte. Daher freuen wir uns riesig, wenn wir auf der ILM Anregungen zu Marketing, Ladengestaltung und Events bekommen und Lieferanten sich darauf vorbereiten. In unseren familiengeführten Fachgeschäften haben wir meist keine Social-Media-Experten. Daher wollen wir neben dem Sortiment gerade in diesen Bereichen Ideen mit nach Hause nehmen. Auf der ILM haben wir die Entscheider am Stand. Man kann immer kurz Rücksprache halten, und in fünf Minuten hat man eine tolle Geschichte auf die Beine gestellt.
Ralf Maurer (Foto: Redaktion)
…Messevorbereitung des Handels:
Wenn der Händler im Vorfeld seine Abverkaufszahlen sowie Renner-/Pennerlisten ausarbeitet, und diese dann mit zur Messe bringt, dann ist das eine super Vorbereitung. Damit fällt es dem Team wesentlich leichter, den jeweiligen Händler entsprechend zu beraten. Was immer fantastisch ist: Wenn der Händler uns erzählt, ob bei ihm besondere Marketingmaßnahmen geplant sind. Wenn wir solche Informationen haben, kann die Beratung zur Order direkt darauf abgestimmt werden. Denn von der EDI-Anbindung bis zum Catwalk haben wir ein Riesenpotenzial. Der Austausch darüber kommt auf der ILM ein wenig zu kurz. Hier muss sich der Lederwarenhandel öffnen.
…Internationale Kunden:
Für uns ist die ILM inzwischen eine sehr wichtige Plattform geworden, wenn es darum geht, internationale Kunden anzusprechen. Darum haben wir uns für die Messezeit vom Showroom verabschiedet und stellen alle Marken auf der ILM aus. Wir freuen uns sehr, dass immer mehr Händler aus Europa die Bedeutung der ILM zu schätzen wissen.
…Fehler von Messen:
Ich halte es für einen Fehler von Messen, Sortimente separat in einzelnen Hallen zu gruppieren. Ich bevorzuge Messen, auf denen die Produktportfolios durchmischt sind. Da ist die ILM viel weiter als andere Messen. Dadurch herrscht Bewegung, und man erleichtert es den Händler, etwas Neues wahrzunehmen. Wie in einer Innenstadt, wo Besucher an Schaufenstern vorbeilaufen.
Sven Meier (Foto: Meier Lederwaren)
…Besucherstruktur:
Nach Corona haben wir ungefähr 20 bis 25 Prozent weniger Besucher. Das sagen andere Messe leider nicht so ehrlich. Die Kaufkraft ist aber nahezu gleichgeblieben. Ungefähr 30 Prozent der Besucher reisen aus dem Ausland an, 70 Prozent aus dem Inland. Von den Händlern lassen sich etwa 60 Prozent dem klassischen Lederwareneinzelhandel zuordnen, 10 Prozent kommen aus dem Textilbereich – das wächst. 20 Prozent sind Schuhhändler, weitere 10 Prozent Onliner und Concept Stores. Künftig wollen wir die Internationalität weiter pushen.
…Charakter und Entwicklung der ILM:
Der Fokus liegt auf der Order. Aber die Entwicklung des Marktes geht hin zum Austausch und strategischen Gesprächen. Eine Messe ist teuer für Besucher und Aussteller. Daher muss sie sich lohnen und hocheffizient sein. Und auf der ILM kann jeder Händler – ob klein oder groß – die Neuheiten von 300 Ausstellern sehen. Wir müssen als Messe daher schauen, dass wir die Order nicht stören und es mit dem Convention-Gedanken nicht übertreiben, sondern einen behutsamen Mittelweg gehen.
… Zusatzsortimente:
Wir hatten in der Vergangenheit eine ganze Halle dafür vorgesehen. Aber wir haben festgestellt, dass den Händlern teilweise die Zeit für deren Besuch fehlt. Jetzt verteilen wir die Aussteller überall auf der Fläche. Das ist für alle Beteiligten wesentlich attraktiver.
Arnd Hinrich Kappe, Geschäftsführer der Messe Offenbach (Foto: Messe Offenbach)
Headerfoto: Arnd Hinrich Kappe (Messe Offenbach), Ralf Maurer (Leder Maurer) und Sven Meier (Meier Lederwaren). (Fotos: Messe Offenbach/Redaktion/Meier Lederwaren)
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