Herr Kappe, es ist nicht mehr lange bis zur nächsten Barefoot-Messe. Sind Sie guter Dinge?
Arnd Hinrich Kappe: Ich bin sogar sehr guter Dinge. Wir liegen inzwischen bei über 100 Ausstellern – das ist eine enorme Steigerung zur vergangenen Veranstaltung mit 80 Ausstellern. Wir hätten sogar noch weitere Marken aufnehmen können, haben uns aber bewusst dagegen entschieden. Für zehn zusätzliche Aussteller öffnen wir keine neue Halle, wenn diese dann halb leer wirkt. So etwas ist weder für Besucher noch für Aussteller attraktiv. Dass sich inzwischen eine Warteliste bildet, ist natürlich eine tolle Situation.
Das heißt, die Nachfrage ist größer als die verfügbaren Flächen?
Ja, definitiv. Wir könnten noch weitere Marken unterbringen. Aber wir wollen die Qualität der Veranstaltung hochhalten. Unser Ziel ist es nicht, die Hallen möglichst vollzustopfen, sondern eine starke, hochwertige Fachmesse zu schaffen. Perspektivisch sehen wir Potenzial für 140 Aussteller – dann könnte auch eine weitere Halle sinnvoll werden. Derzeit haben wir 1.800 qm vermieteter Fläche. Viele Aussteller haben ihre Standgrößen erweitert. Gleichzeitig versuchen wir bewusst, die offene und kommunikative Atmosphäre beizubehalten. Genau dieser Community-Charakter kam bei der Premiere im vergangenen Jahr extrem gut an. Wir wollen keine klassische abgeschottete Messe mit geschlossenen Boxen. Alles soll vielmehr offen, transparent und convention-artig wirken. Das Konzept lebt davon, dass man unkompliziert miteinander ins Gespräch kommt.
Wie wichtig ist das Thema Community für die Veranstaltung?
Sehr wichtig. Das war ja einer der Gründe, warum die erste Veranstaltung so gut funktioniert hat. Viele Besucher haben gesagt, dass sich die Messe frisch, lebendig und unkompliziert angefühlt hat. Das wollen wir weiterführen.
Wie sieht das Rahmenprogramm aus?
Wir planen rund 14 Vorträge, Talkrunden und Diskussionsformate. Diese umfassen medizinisch-orthopädische Themen, Community-Inhalte sowie verschiedene Panels rund um das Thema Barfußschuhe. Auch der HDS/L ist mit einem Talk vertreten. Wichtig ist uns, dass die Inhalte wirklich zur Barfuß-Thematik passen. Wir wollen eine glasklare Barfußschuhmesse bleiben.
Im vergangenen Jahr wurde viel über den Verkauf an Endverbraucher diskutiert. Dieser soll jetzt nicht mehr möglich sein. Warum?
Hinter uns liegt ein Lernprozess. Wir haben gemerkt, dass der direkte Verkauf auf der Messe bei vielen Händlern und auch Teilen der Industrie schlecht angekommen ist. Es gab kritische Briefe aus der Branche und Diskussionen in Händlergruppen. Deshalb haben wir sehr klar entschieden: Es wird keinen Verkauf mehr geben.
War die Öffnung für Endverbraucher rückblickend ein Fehler?
Dass Endverbraucher die Messe besuchen können, nicht. Aber die Möglichkeit des Verkaufs war wahrscheinlich ein Fehler. Das geben wir offen zu. Wir haben daraus gelernt und sofort reagiert. Die Messe soll den Handel unterstützen – nicht mit ihm konkurrieren.
Warum halten Sie trotzdem an Endverbrauchern fest?
Weil wir das Thema Barfußschuhe in die breite Öffentlichkeit tragen wollen. Letztes Jahr hatten wir rund 2.000 Endverbraucher vor Ort. Das ist nicht schädlich – im Gegenteil. Dadurch entsteht Aufmerksamkeit für das Thema. Viele Besucher informieren sich, probieren Schuhe an und gehen anschließend zum Fachhändler. Genau das wollen wir fördern.
Besteht nicht die Gefahr, dass Verbraucher enttäuscht sind, wenn sie auf der Messe nichts kaufen können?
Das kann passieren. Aber wir bieten ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Yoga, Barfußkursen und Vorträgen. Die Leute bekommen also durchaus etwas für ihr Eintrittsgeld. Außerdem kommunizieren wir sehr klar, dass es sich um eine Informations- und Fachveranstaltung handelt – nicht um einen Verkaufsmarkt.