Schwierig. Herausfordernd. In Ordnung. Mit Höhen und Tiefen. Bei der Bewertung des Geschäftsverlaufs der ersten sechs Monate 2019 übertreffen sich die Akteure, die für Ausgabe 26/2019 von schuhkurier befragt wurden, in Zurückhaltung. Für Euphorie ist in diesen Tagen kein Platz in der Schuhbranche. Wer trotz miserabler Vorgaben bis Ende Juni ein kleines Plus erzielen konnte, gehört bereits zu den Gewinnern. Trotzdem kein Grund, vor Freude aus dem Sattel zu gehen. Es herrscht nüchterner Realismus.
Zu unberechenbar ist mittlerweile die Umsatzentwicklung, zu groß die Volatilität von Monat zu Monat. In einer Branche, in der es viele immer noch gewohnt sind, nicht nur über die Tageseinnahmen im Vergleich zu den Vorjahren, sondern auch über das Wetter penibel Buch zu führen, bedeutet dies eine erhebliche Umstellung. Friedrich Werdich etwa hat sich vor diesem Hintergrund eine gewisse Zurückhaltung auferlegt. „Erst am 31. Dezember können wir tatsächlich einen Strich unter das Jahr machen“, so der Unternehmer. Bis dahin ist noch vieles möglich.
Das erste Halbjahr 2019 hat einmal mehr gezeigt, dass eine langfristige Planung im Grunde unmöglich geworden ist. Die Zeiten, in denen jedes Jahr auf’s Neue ein Plus geplant werden konnte, sind vorbei. Definitiv. Die Zuverlässigkeit ist abhanden gekommen. Schuhe, die bei dem einen Händler gut abverkauft werden, stehen im Nachbarort wie Blei in den Regalen. Schlüssige
Erklärungen? Fehlanzeige. Jeder ist auf sich allein gestellt.
Verlass ist lediglich auf die zunehmend früheren Rabattaktionen, die die Branche jede Saison selbst initiiert – doch dies nur am Rande. Das Thema ’Preisverhau‘ wurde an dieser Stelle in den vergangenen Wochen bereits ausreichend behandelt.
Auch wenn der stationäre Handel bedauerlicherweise nicht zu den Vertriebsformaten gehört, die aktuell auf der Sonnenseite des Lebens stehen, gibt es dennoch ermutigende Anzeichen. So dürfte die tropische Hitze dieser Tage das Geschäft mit offener Ware angekurbelt haben. Positiv ist auch, das (endlich) die Sneaker-Entwicklungen der angestammten Lieferanten des Fachhandels zünden. Zu lange blieb dieses Feld weitgehend Adidas, Nike & Co. vorbehalten. Marken mit hoher Strahlkraft, mit denen angesichts dramatisch schlechter Margen jedoch kaum Geld verdient werden kann. Und zu guter Letzt stehen für den Herbst eine ganze Reihe vielversprechender Innovationen in den Startlöchern. „Ich freue mich auf die kommende Saison“, gibt daher etwa Schuhhändler Ingo Hänel zu Protokoll. Vorbildlich.