Gibt es bestimmte Vorgaben in Bezug auf Absatzhöhe und Leisten?
Er muss vor allem sexy sein und ein schönes Dekolleté haben. Wir haben sehr lange das Modell ’So Kate‘ von Louboutin sehr gut verkauft. Das ist ein klassischer schwarzer Pump mit 12cm Heels ohne Plattform; also kein Schuh für lange Wege, sondern eher für die paar Schritte vom Auto ins Restaurant und zurück. Kate Moss war das Testimonial, daher der Name. Dieser Schuh war wahnsinnig sexy. Aber jetzt wandert der Absatz wieder nach unten. Inzwischen spielt sich das meiste im Bereich sieben bis acht cm ab. Übrigens sind auch Slingbacks in dieser Höhe sehr erfolgreich, insbesondere von Gianvito Rossi.
Sneaker braucht man im ‚Schuh-Himmel‘ nicht?
Ich gehe davon aus, dass jede damit gut ausgestattet ist, denn das ist nun mal der Schuh, auf den man im Alltag zurückgreift, wenn man es bequem haben möchte.
Wie sollte der Sneaker sich weiterentwickeln?
Mittlerweile hat der Sneaker nahezu jedes Gesicht gezeigt, das man sich vorstellen kann: Von Chunky bis Platform ist alles schon dagewesen. Doch jetzt wird er wieder ganz flach; diese Super Low Profile Sneaker passen ja auch sehr gut zu der 90er-Jahre-Ästhetik, die die Mode zur Zeit prägt. Daher glaube ich, dass diese neue Form genau der Impuls ist, den der Sneakermarkt braucht, denn die Kunden verlangen danach. Dieser Sneakertyp könnte im Laufe des Jahres und insbesondere im Sommer ein Trend werden.
Welche Rolle spielt der Schuh eigentlich bei der Outfitberatung in Ihren Läden und wann kommt er ins Spiel?
Das kommt darauf an. Oft sind Kundinnen von vornherein auf einen bestimmten Schuh fixiert, den sie gesehen haben und toll finden. Wir hatten im Winter etwa eine wunderschöne Sandalette mit Marabufedern von Louboutin. Dieser Schuh war geradezu ein Kunstwerk. Daher haben wir alles andere um ihn herum gebaut: Man kombiniert ein schlichtes schwarzes Kleid dazu, vielleicht auch nur eine Jeans und ein T-Shirt, denn einem solchen Schuh lässt man den Vortritt. Oft kreiert man den Look aber von oben nach unten; dann baut man zunächst einen Hosenanzug oder ein Kleid mit Jacke – und dann erst kommt der passende Schuh dazu. Unsere Teams agieren grundsätzlich sehr stark im Sinne eines Outfit-Gedankens und beraten entsprechend.
Kann ein Schuh auch so ein Prestigeobjekt sein wie eine teure Tasche?
Absolut! Wenn es sich um ein ikonisches Modell handelt und der Preis bekannt ist, kann er als Statussymbol durchaus mit einer Chanel- oder Celine-Tasche mithalten. Ich denke da beispielsweise an einen Biker Boot von Miu Miu, sehr markant, mit ganz vielen Schnallen. Jeder wusste: Wer diesen Schuh trägt, hat 2000 Euro dafür bezahlt. Natürlich ist so ein Schuh auch ein Statussymbol.
Welche Rolle spielt der Preis in Ihrem Genre? Gibt es Grenzen?
Natürlich. Die Häuser der beiden großen Luxusgruppen haben das Preisthema ja bekanntlich überdehnt. Unsere Kunden sind durchaus sensitiv in Bezug auf die Preise. Sie möchten schon einen angemessenen Gegenwert sehen. Ein exotisches Leder oder Kristall Applikationen führen natürlich zu höheren Preisen; doch grundsätzlich machen wir nicht alles mit. Unser Credo ist Value for money.
Wann kommt der Schuh bei der Order an die Reihe?
Die Schuh-Order gehört zu den ersten Terminen; oft ordern wir Schuhe, bevor wir Ready-to-Wear gesehen haben. Daher müssen wir vor der Schuh-Order bereits wissen, in welche Richtung wir insgesamt gehen wollen, auch was die Farben angeht.
Kommt es auch vor, dass sie sich bei der nachfolgenden Ready-to-Wear-Order an den Schuhen orientieren?
Ja, durchaus. Auch wenn ich die georderten Modelle nicht fotografiere, mache ich doch immer ’mental pictures‘ davon; die herausragenden Modelle der Schuhfirmen
habe ich daher im Kopf. Wenn ich beispielsweise einen blauen Marabu Schuh bei Louboutin gekauft habe, achte ich natürlich darauf, dazu auch passende Oberteile zu haben.
Sind Schuhe und Taschen eigentlich auch Tools, mit denen Sie Zielgruppen ansprechen, die sonst nicht bei Ihnen kaufen könnten?
Absolut. Ein toller Schuh oder eine schöne Tasche funktionieren auch, wenn man etwa mit der von den Designern gebotenen Bandbreite an Größen nicht zurechtkommt oder die Größe von einer Saison zur nächsten gewechselt hat. Ein Schuh oder eine Tasche, das ist etwas, das praktisch unter allen Umständen bleibt. Auch darum sind Schuh und Handtasche ein gutes Geschäft und breit verkäuflich.
Was sind bei Handtaschen die aktuellen It-Pieces?
Das sind im Wesentlichen die East-West oder Baguette-Formen, abgeleitet von Alaïa oder Fendi Taschen. Es gibt auch ein Miu Miu Modell in diesem Format, das ich aktuell als unsere wichtigste It-Bag bezeichnen würde.
Gibt es etwas, das Sie sich von der laufenden Schuh- und Ready-to-Wear-Order wünschen?
Ich wünsche mir einen Neuigkeitswert! Das ist nicht nur unser Wunsch, sondern vor allem der Wunsch der Endverbraucherinnen. Und damit meine ich echte Innovationen
– und nicht Neuauflagen in anderen Farben. Das ist etwas, das der Markt definitiv braucht; und im Grunde braucht er auch einen neuen Look, denn der fehlt uns in der Designermode seit einigen Saisons.
Wie erklären Sie sich diesen Stillstand?
Dass man sich lieber auf Bewährtes verlässt, ist eine sehr menschliche Reaktion auf schwierige Zeiten. Hinzu kommt, dass die großen Designhäuser ihre Stilisten lange nicht gewechselt haben. Doch das ändert sich gerade, ob bei Dior, Celine oder Fendi, hier ist viel im Umbruch. Im Laufe der zweiten Jahreshälfte wird einiges passieren, und wir werden viel Neues sehen. Welche Wirkung ein Designerwechsel haben kann, hat man jüngst bei Chloé gesehen: Die neue Designerin hat den Look verändert – und Presse und Endverbraucher lieben ihn. Oft ist es einfach frischer Wind, der fehlt.
Können wir in Bezug auf Innovationen also optimistisch in die Zukunft schauen?
Das Designerkarussell im Luxusbereich dreht sich. Ich glaube, es wird spannend.