„Der mitteleuropäische Fuß ist meistens ein Senk-Knickfuß oder ein Senk-Plattfuß, sehr beweglich, weich und im Erwachsenenalter ziemlich inkompetent“, begann der Grazer Kinderorthopäde Dr. Ernst Zwick seinen Vortrag in der Unternehmenszentrale von Legero United in Feldkirchen. Eingeladen für eine Expertenrunde, gab er einen Einblick in die Arbeit als Kinderorthopäde. Er zeigte sich dabei durchaus kritisch mit sich selbst und seiner Berufsgruppe. In anderen Teilen der Welt seien die Füße besser durchtrainiert und trotz weniger medizinischer Behandlung gesünder – oder gerade deswegen: „Wir Orthopäden sind zum Teil schuld daran, dass inkompetente Füße entstehen“, fügte Zwick hinzu. Zu oft würden Füße behandelt, weil sie nicht der Normschönheit entsprächen. Dabei könne ein Fuß auch sehr kompetent und gesund sein, wenn er nicht perfekt aussieht. In seinem Vortrag zeigte Zwick ein Foto von den Plattfüßen von Usain Bolt, dem Weltrekordhalter im 100-Meter-Lauf. Ihm könne sicherlich nicht die Kompetenz seiner Füße abgesprochen werden.
Kinderfüße sind meistens gesund
Der Orthopäde will dafür sensibilisieren, nur einzugreifen, wenn Leidensdruck herrscht oder es wirklich Komplikationen gibt. Zweifellos gebe es Problemfüße und da brauche es die orthopädische Behandlung. Doch vorher muss die Frage gestellt werden: „Kann das Kind das Problem selbst lösen? Oder muss ich extern helfen?“ Und die meisten Probleme könnten Zwick zufolge selbst behandelt werden. Der Korridor des Normalen sei bei Kindern extrem breit, und umso mehr bei Kleinkindern. Eltern würden sich hingegen – verständlicherweise – viele Sorgen um die Gesundheit der Kinder machen. Vor allem weil Kinder in der Regel nicht sagen, wenn sie Probleme haben, es am Fuß drückt oder schmerzt. Diese Sorgen und Ängste würden ausgenützt, um Produkte zu verkaufen. Zum Beispiel würden anatomische Fußbetten für Kleinkinder verkauft, obwohl diese noch gar nicht das charakteristische Gewölbe für das Fußbett haben. Kleinkinderfüße sind nämlich platt, damit das Kind lernt, zu stehen und zu gehen, das Gewölbe entwickelt sich erst im Laufe der ersten Jahre. Den Eltern beim Arztbesuch zu vermitteln, dass ihr Kind keine Probleme hat, könne deshalb zur Herausforderung werden, so Zwick: „Kinderorthopädie ist zu einem guten Teil Elternbetreuung.“