Wie können sich Innenstädte sich in Zeiten des Onlinehandels vor Frequenzrückgang retten? Mit dieser Frage beschäftigten sich drei Referenten beim 13. Marktgespräch Schuhe, die das Thema jeweils aus einer anderen Perspektive beleuchteten.
Vor rund 50 Teilnehmern zeigte Retail Experte Uwe Gericke von Experian Footfall Europe, wie sich die Frequenz in den wichtigsten Einkaufsstraßen des Landes in den vergangenen Jahren verändert hat, und zog den Schluss, dass sich Frequenzrückgänge standort- und vor allem branchenbedingt stark unterscheiden. „Die Menschen zieht es sogar wieder mehr in die Städte. Gerade Metropolen und touristische Regionen profitieren“, sagte Gericke.
Leerstände in den Innenstädten habe es schon immer gegeben, sie seien ein Normalzustand, führte Rolf Pangels, Leiter Stadtmarketing bei Galeria Kaufhof, in seinem Vortrag aus, „nur dauern sie heute oftmals länger an.“ Auch liege das Städtesystem in Deutschland so eng beieinander, das einige Standorte unter schwachen Frequenzen leiden – zu Gunsten größerer Städte. Auch Pangels sprach vom ’Neo-Urbanismus‘, dem Rückzug der Menschen in die Zentren der Städte und die Kraft der kurzen Wege. Er beobachte die Tendenz, dass viele auf der grünen Wiese ausgelagerten Handelssparten wieder in die Innenstadtlagen zurückkehrten – etwa Lebensmittelgeschäfte, Möbel- oder Bauhäuser. „Man darf die Bedeutung der Innenstadt als Begegnungsstädte nicht unterschätzen“, mahnte Pangels. Dafür müsse der Handel aber auch etwas bieten: Innovation im Verkaufsraum und in der Kommunikation sowie eine hervorragende Beratung. Auch müssten die Rahmenbedingungen von Seiten der Stadt erfüllt sein, wie etwa Sicherheit, Sauberkeit, Begrünung aber auch die Förderung der Städtetourismus, Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten und die Sicherstellung der Erreichbarkeit aller der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer. „Man muss Aufenthaltsqualität schaffen“, so Pangels.
Wie eine private Initiative das Stadtbild zum Positiven wandeln kann, demonstrierte Angela Nisch vom City Verein Nagold e.V.. Durch zehn Jahre City-Management hat sich das äußere Erscheinungsbild der 22.000-Einwohner Stadt im Schwarzwald maßgeblich verändert. Durch die Umleitung des Verkehrs, Begrünung, eine Vereinheitlichung des Außenauftritts für Gewerbe und zahlreiche Events sowie ein zwei Mal im Jahr erscheinendes Magazin hat die Stadt deutlich an Attraktivität gewonnen und bekommt eine erhöhte Nachfrage von Kunden und Investoren und wurde 2007 mit dem Stadtmarketingpreis des Landen Baden-Württemberg ausgezeichnet. „Um dies zu erreichen braucht man ganzheitliche Maßnahmen und gemeinsame Ziele“, führte Angela Nisch aus, „es scheitert in vielen Gemeinden daran, dass sie keine richtige Agenda haben.“