Interview mit Marc Martin

Das neue Clarks

Marc Martin leitet den Vertrieb von Clarks in DACH, Belgien und den Niederlanden. (Foto: Clarks)
Marc Martin leitet den Vertrieb von Clarks in DACH, Belgien und den Niederlanden. (Foto: Clarks)

Nach turbulenten Jahren will Clarks zurück in die Erfolgsspur. Wie das gelingen soll, erklärt Deutschland-Chef Marc Martin im Gespräch mit schuhkurier.

Clarks war in den vergangenen Jahren stark mit sich selbst beschäftigt. Es gab viele personelle Wechsel an der Spitze des Unternehmens und auch Veränderungen auf Eigentümerseite. Hat das der Marke geschadet?

Veränderungen in der Führung bringen oftmals eine neue Stoßrichtung für die Marke mit. Clarks war nicht mehr greifbar – vom Produkt über die Positionierung bis hin zur Distribution. Somit gingen die internen Veränderungen nicht ohne Blessuren an uns vorbei; die daraus resultierenden Herausforderungen sind unbestreitbar. Die Investitionen von Lion Rock Capital helfen dabei, eine starke und nachhaltige Zukunft für Clarks zu sichern. Die Investments werden uns in die Lage versetzen, langfristiges Wachstum zu erzielen und die beliebte und historische Marke wettbewerbs- und zukunftsfähig zu positionieren.

 

Clarks ist ein globales Unternehmen. Wie wichtig ist Deutschland?

DACH, Belgien und die Niederlande bilden die zweitgrößte Region der Marke in EMEA. Alleine dieser Fakt verdeutlicht die Wichtigkeit – und zugleich das Potential. Das gilt insbesondere mit Blick auf Deutschland. In der Zeit nach Corona sehe ich eine große Chance für uns darin, dass sich der Markt neu sortiert. Dafür stellen wir die entsprechenden Investitionen zur Verfügung.

 

Die Corona-Krise beschäftigt die Branche seit 18 Monaten intensiv. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Persönlich wohl wie viele andere auch – man stellt sich viele Fragen. Aus der Business-Perspektive war es eine unfassbar intensive und erfahrungsreiche Zeit. Neben „trouble shooting“ ging es darum, Expertise aufzubauen und neue Erkenntnisse aus dem Markt in Prozessen zu implementieren. Denken wir nur an die Customer Journey, den E-Commerce und allgemein Data Analytics. Diese Erfahrungen sind unbezahlbar für denjenigen, der es verstanden hat, sie zu verarbeiten und zu nutzen.

 

Wird die Pandemie die Branche langfristig verändern?

Die Frage wird aktuell häufig diskutiert und unterschiedlich beantwortet. Die Branche wird sich verändern. Der Markt konsolidiert sich, auf Lieferanten- wie auf Händlerseite. Die Supply Chain ist eines der wichtigsten Themen, um die nun mehr den je geforderte Schnelligkeit und Nähe zum Bedarf zu gewährleisten. Die gesamte Branche muss verstehen, wie Differenzierung neu definiert wird. Wir glauben an den stationären Wholesale, wenngleich sich Flächen neu erfinden müssen, um die Erlebnisanforderungen der Kundinnen und Kunden zu erfüllen.

 

Was sind Ihre Argumente, um den Handel von Clarks zu überzeugen?

Selbstbewusst kann ich behaupten, dass die Frühjahr/Sommer 2022-Kollektion die stärkste Kollektion seit Jahren ist. Sie ist zielgerichteter und effizienter. So haben wir die Stärken weiter ausgearbeitet und nutzen die hohe Nachfrage nach Komfort und hybriden Themen. Dabei ist ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis unter Beachtung der aktuellen Marktentwicklung für Clarks essentiell wichtig. Darüber hinaus wurde uns in der Vergangenheit oft zu Recht unterstellt, dass wir ein „unsichtbares“ Marketing betreiben. Das beenden wir mit F/S 2022 und zeigen uns „always on“. Beispielsweise hatten wir viele Themen rund um Nachhaltigkeit schon integriert – aber eben nicht kommuniziert. Auch das werden wir nachholen. Clarks verfügt über eine fast 200-jährige Historie. Der Handel benötigt Marken mit einer echten Story, um Emotionen zu transportieren. Wenn nicht wir, wer dann…

Wo sehen Sie Chancen für Clarks im deutschen Markt?

Wir sehen Chancen über alle Channels und Strukturen hinweg. Clarks war noch nie so klar in der Differenzierung. Wir bieten in der Kollektion für jedes Marktsegment ein passendes Warenprogramm. Das ist der Vorteil von global agierende Marken wie Clarks.

 

Braucht Clarks ein neues Image?

Image ist sicherlich weit gegriffen. Clarks braucht ganz klar eine neue „Markenwahrnehmung“. Wir haben uns zu lange auf den Erfolgen der Vergangenheit ausgeruht und waren getrieben von unseren Icons. Diese sind Fluch und Segen zugleich. Nur wenige relevante Marken werden über Silhouetten wahrgenommen wie beispielsweise unsere Originals. Dennoch geht es auch darum, das aktuelle Momentum bedienen zu können. Wir investieren viel Zeit in die Kommunikation, um diese Lücke zu schließen und das Clarks von heute und morgen zu präsentieren.

 

Wie wichtig ist das Direktkunden-Geschäft? Werden Sie dieses weiter forcieren?

Die Entwicklung unseres eigenen E-Commerce ist mehr als zufriedenstellend. Aktuell laufen Gespräche zur Erweiterung des Plattform-Business jedoch nur unter Berücksichtigung des stationären Handels. Wir sehen die Synergien in beiden Channels.

 

Welches Feedback haben Sie in den vergangenen Wochen auf die neue Kollektion erhalten? Was erwarten Sie von der Orderrunde für F/S 2022?

Das Feedback war durchweg positiv. Dies bestätigte sich auch während der abgelaufenen Ordertermine. Man erkennt die klare Linie, die logische Weiterentwicklungen und auch, dass die Bedürfnisse des Marktes stärker erfüllt sind. Unsere Erwartungshaltung ist hoch, jedoch nicht unrealistisch. In F/S 2022 werden wir das neue Fundament der Marke legen und dies in H/W 2022 ausbauen. Dazu brauchen wir das Vertrauen unserer Partner, die Offenheit, sich zu informieren und den Glauben an Clarks. Für den Best und Worst Case haben wir Lösungen in petto.

 

Wo werden Sie zukünftig Schwerpunkte in Ihrer Arbeit legen?

Die letzten Monate waren davon geprägt, dicht am Markt zu sein, zuzuhören und aus den Geschehnissen der Vergangenheit im engen Austausch mit dem Headquarter in Street die Learnings für die Zukunft abzuleiten. DACH & BNL sind spezielle Märkte, wo Standardlösungen oftmals nicht funktionieren. Die Agenda bleibt gut gefüllt. Neben der neuen Definition von Distribution wird mein Fokus klar auf der Profilschärfung der Marke und der damit verbundenen Differenzierung liegen, um im holistischen Ansatz das beste Clarks zu liefern.

 

Das Interview stammt aus der neusten Ausgabe des schuhkurier. Hier auch als ePaper erhältlich.

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Christopher Mastalerz / 13.08.2021 - 08:24 Uhr

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