Handel im Lockdown

Schuh Pross: „Wir haben wieder geöffnet“

Andreas Pross im Jahr 2017 mit zwei Mitarbeiterinnen bei der Eröffnung seines Kinderschuhgeschäfts. (Foto: Schuh Pross)
Andreas Pross im Jahr 2017 mit zwei Mitarbeiterinnen bei der Eröffnung seines Kinderschuhgeschäfts. (Foto: Schuh Pross)

Über eine Ausnahmeregelung kann der Freiburger Kinderschuhhändler Andreas Pross sein Geschäft stundenweise wieder öffnen. schuhkurier erklärt die Hintergründe.

Seit wann können Sie wieder öffnen?

Über eine befreundete Händlerin habe ich in der vergangenen Woche erfahren, dass man als Kinderschuhhändler eine Ausnahme von den allgemeinen Geschäftsschließungen erwirken kann. Hintergrund ist, dass Baby- und Kleinkinderartikel im aktuellen Lockdown zu Gütern des täglichen Bedarfs erklärt wurden.

Wie lief die Beantragung ab?

Ganz einfach: Ich habe eine formlose Email an die Stadt-Verwaltung gesendet und innerhalb von zwei Tagen die Genehmigung erhalten. Vorraussetzung für die Öffnung ist lediglich, dass wir überwiegend Schuhe bis Größe 30 verkaufen. Wir dürfen auch größere Größen verkaufen, müssen aber nachweisen können, dass wir 60% des Umsatzes mit Baby- und Kleinkinderschuhen erzielen. Heute hatten wir erstmals wieder für drei Stunden geöffnet.

Und wie war die Resonanz?

Ich bin zufrieden. In drei Stunden waren acht Kunden im Geschäft, die 12 Paar Schuhe gekauft haben, darunter zehn bis Größe 28. Wir halten die Vorgaben also ein. Die Kunden, die heute in den Laden kamen, waren sehr dankbar für das Angebot. Es ist spürbar, wie sehr sich die Menschen nach sozialen Kontakten sehnen. So sind wir Menschen eben gestrickt.

Welche Perspektive sehen Sie für Ihr Unternehmen?

Die kommenden Monate werden hart. Ich gehe nicht davon aus, dass wir vor Ende März wieder regulär öffnen können. Aktuell zehren wir wie alle Händler von der Substanz und hoffen, dass wir die Krise mit zwei blauen Augen überstehen können.

Befürworten Sie dennoch die Maßnahmen der Politik?

Wir erleben eine Pandemie, die starke Einschränkungen des öffentlichen Lebens erfordert. Das ist Fakt. Daher halte ich die Maßnahmen grundsätzlich für richtig.

Mit welchen langfristigen Auswirkungen auf die Schuhbranche rechnen Sie?

Die Umsätze sind im vergangenen Jahr dramatisch gesunken und sinken im zweiten Lockdown weiter. Die Welt wird nach der Pandemie eine andere sein als zuvor. Ich rechne damit, dass es künftig bis zu 40% weniger Verkaufsstellen weniger geben könnte. Zu den Geschäftsschließungen kommt nämlich hinzu, dass die Menschen ihre Konsumgewohnheiten verändert haben. Einerseits wird mehr online gekauft und zum anderen haben die Menschen „gelernt“, dass ihre Schränke voll sind und dass sie eigentlich weniger brauchen als sie bislang gekauft haben. Unsere Chance sehe ich daher in einer guten Beratung und im Angebot hochwertiger Ware für eine sehr spezielle Klientel. So wie früher wird es nie wieder werden.

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Helge Neumann / 13.01.2021 - 09:03 Uhr

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